Brüder gehen ins geistliche Amt
Zwei Priester aus der Mühle

Die Landwirtschaft prägte in früheren Zeiten das Leben auf der Naabmühle.
Vermischtes
Luhe-Wildenau
25.06.2016
285
0
 
In der Naabmühle in Luhe wuchsen Anfang des 19. Jahrhunderts die beiden Priester Georg Ulrich und Johann Georg Sigert auf. Repros: sef (3)

Unter den sieben Männern, die am Samstag im Regensburger Dom ihre Priesterweihe empfangen, sind auch die Zwillingsbrüder Hans-Jürgen und Peter Treittinger. Die bekanntesten Priesterbrüder sind Georg und Joseph Ratzinger. Ein Geschwisterpaar, das auch den geistlichen Weg beschritt, stammt aus Luhe.

Luhe. Im alten Markt Luhe kreuzten sich nicht nur wichtige Fernhandelsrouten. Am Zusammenfluss von Naab und Luhe entstanden auch die Forstmühle, die Obere und Untere Luhemühle und die Naabmühle. Letztere - ausgestattet mit einem großen Grundbesitz - arbeitete mindestens seit 1583 und kam 1802 in den Besitz von Georg Sigert (Siegert). 1804 heiratete er Katharina Bauriedl, die Tochter eines Bäckermeisters in Pleystein. Dieser Ehe entstammten fünf Buben und vier Mädchen.

Der älteste Sohn Georg Ulrich wurde am 5. Juli 1805 geboren. Nach der Werktagsschule im Markt kam er 1816 nach Tirschenreuth, wo ihn Georg Baumgärtner auf den Besuch des Gymnasiums vorbereitete. Aus seiner Zeit als Luher Kooperator kannte er den begabten Buben, der in Regensburg die Ausbildung vollendete. Am 23. Juli 1828 weihte ihn Karl Joseph von Riccabona "zur großen Freude seiner Eltern" zum Priester. Der Passauer Bischof (1761 bis 1839) vertrat den Regensburger Oberhirten Johann Nepomuk von Wolf, der im Juni 1828 den dritten Schlaganfall erlitten hatte. Georg Ulrich Sigert zelebrierte am 24. August 1828 "unter großem Zulauf des andächtigen Volkes" in der Pfarrkirche St. Martin seine erste Messe. Dienstorte des Neupriesters waren anschließend Moosbach (1828), Neustadt/WN (1829), Hirschau (1833) und die Dompfarrei Regensburg (1835). Am 15. Dezember 1839 wurde er von König Ludwig I. auf die Stadtpfarrei Eschenbach präsentiert, die er am 9. Januar 1840 erhielt. Voller Tatendrang begann Georg Ulrich Sigert seine Pastoraltätigkeit für etwa 2000 Seelen. Allerdings erkrankte er bald und starb am 3. Juni 1845 - keine 40 Jahre alt - an einem Schlaganfall. Bestattet wurde er in Eschenbach.

Der zweitältester Sohn des Naabmüllers hieß Johann Georg. Er erblickte am 6. September 1807 das Licht der Welt. Auch er besuchte die lateinische Vorbereitungsschule Tirschenreuth und unterzog sich den Studien in Regensburg. Er empfing am 13. April 1830 die Priesterweihe durch Weihbischof Michael Wittmann aus Finkenhammer. Zwei Jahre nach dem Bruder feierte er in der Pfarrkirche Luhe "auf feierliche Weise" Primiz.

Stadtpfarrer in Pfreimd


Diözesanbischof Franz Xaver von Schwäbl beorderte den Geweihten erst nach Painten, dann nach Vohburg und Neukirchen bei Schwandorf. Auf Empfehlung des Hirschauer Pfarrers Benno Prößl wurde er 1835 Benefiziat in Ehenfeld und schließlich 1850 Stadtpfarrer in Pfreimd. Hier wohnte bereits Vater Georg Sigert, der nach dem Tod von Ehefrau Katharina (1831) ein Haus erworben hatte. "Am Lebensende hatte er noch den Trost, seinen Sohn Johann Georg als Pfarrer in Pfreimd einziehen zu sehen, der ihm auf dem Sterbebett am 19. März 1851 beistand", heißt es im Stammbuch der Familie Sigert. Es ist im Besitz von Olga Kammerer, deren Urgroßvater aus der Naabmühle stammte.

Johann Georg entfaltete eine reiche Tätigkeit. Neben der aufwendigen Seelsorge für 1600 Katholiken lag ihm der Erhalt der Pfarr- und Klosterkirche am Herzen. Auch die Nepomuk-Kapelle ließ er renovieren. Ein Höhepunkt seines pastoralen Wirkens war am 4. Januar 1857 die Gründung des Schulschwestern-Instituts bei der Pfarrkirche. Geführt wurde es von Armen Schulschwestern und umfasste eine Mädchenschule sowie eine Bewahranstalt für noch nicht schulpflichtige Kinder. Ins Leben gerufen hatte die damals fortschrittliche Einrichtung der Amberger Lyceal-Professor Prälat Dr. Bartholomäus Enders, ein gebürtiger Pfreimder. Tatkräftig unterstützt hatte ihn dabei Stadtpfarrer Sigert, dessen Unterschrift ebenfalls auf der Stiftungsurkunde zu finden ist.

Mittlerweile zum Geistlichen Rat ernannt, fundierte Johann Georg Sigert einen Freiplatz am Bischöflichen Knabenseminar Metten. Damit nicht genug: 1875 rief er die heute noch bestehende Pfarrer Sigert'sche Stiftung ins Leben und stattete sie mit einem Kapital von 1000 Gulden aus. Zugute kamen die Erträge dem Bürgerspital. Während die Anverwandten "nur ganz unbedeutende Legate erhielten", war im Testament das Bürgerspital als Universalerbe eingesetzt. Der Ehrenbürger starb am 30. September 1887 und wurde im Priestergrab bei der Sigmund-Kapelle bestattet. Nahe der Schule widmete ihm die Stadt Pfreimd eine Straße.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.