Feuerwehren nützen Sperrung der Eisenbahnstrecke Schwandorf-Weiden für Großeinsatz
Übung auf dem Bahngleis

Der Rettungsring erinnert an die ursprüngliche Aufgabe des Flachwasserschubbootes, das jetzt für den Transport Verletzter auf Schienen dient. Eine Begleitperson fährt mit.
Vermischtes
Luhe-Wildenau
03.08.2016
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Weil die Eisenbahnstrecke Schwandorf-Weiden in dieser Woche gesperrt ist, üben die Feuerwehren des Marktes Luhe-Wildenau am Dienstagabend den Ernstfall. Zehn Schwerverletzte werden aus dem brennenden Zug gerettet.

Oberwildenau. "Bahnstrecke Hof-Regensburg, technischer Defekt durch Kabelbrand im Triebkopf des Triebwagens der Baureihe 612, unterwegs bei Kilometer 77. Notbremsung wurde ausgelöst, kleiner Schwelbrand. Eine noch unbekannte Zahl von Personen ist verletzt." Diese Meldung alarmierte gegen 19.20 Uhr die Feuerwehren des Marktes Luhe-Wildenau, das THW Weiden und die Feuerwehr Weiden. Damit lief eine der bedeutendsten Übungen an, die es bisher im südlichen Landkreis gegeben hat. Beim Friedhof richteten die Wehren und das THW ihren Standplatz ein. 90 Hilfskräfte beteiligten sich an dem Einsatz, über 30 Statisten mimten die Verletzten. Sie waren kurz vorher am Oberwildenauer Bahnhof in den Zug gestiegen.

Sebastian Hartl, federführender Kommandant der Wehren des Marktes, konnte an der Übung krankheitsbedingt nicht teilnehmen, hatte die Statisten aber instruiert, mit welchen Verletzungssymptomen sie die Feuerwehrleute zu konfrontieren hatten. Die schwer zugängliche Unfallstelle an der steil abfallenden Böschung zur Naab erschwerte den Einsatz der Hilfskräfte. Hinzu kam Dauerregen.

Verletzter im Rollstuhl


Zug-Abschnittsleiter Herbert Pschierer eilte im Gleisbett über die Betonschwellen zum Triebwagen der Bahn, um sich einen Überblick über die Zahl der Verletzten zu verschaffen und per Funk Einsatzleiter Manuel Scheidler zu informieren. "Ich brauche das Schienenboot und weiteres Rettungsgerät", lautete die Meldung. Die Meldung empfing Logistik-Abschnittsleiter , Martin Meißner. Er ließ per Draisine auf dem Parallelgleis die technischen Hilfsmittel wie Treppe oder große Strahler zum Ausleuchten der Unfallstelle herantransportieren. Fahrgäste lagen in den Gängen des Waggons zusammengekrümmt am Boden, andere schrien vor Schmerzen. Wieder andere hatten einen Schock erlitten. Ein junger Rollstuhlfahrer hatte sich den Fuß gebrochen.

Die Verletzten wurden vorsichtig aus dem Zug gebracht, getröstet und beruhigt, auf Tragen gebettet, anschließend auf das Schienenboot gelegt und mit vereinten Kräften zum Sammelplatz gebracht. Zehn Schwerverletzte waren zu beklagen, die noch gehfähigen Zugpassagiere durften selbst zur Sammelstelle marschieren.

Das THW Weiden baute unter Leitung von Bahndamm-Abschnittsleiter Heiko Engelbrecht eine Brücke aus Leichtmetall an einer Zugtür auf, um dem Rollstuhlfahrer, unterstützt von Feuerwehrmännern und Zuggästen, den Ausstieg zu ermöglichen. Gegen 21.30 Uhr war die Übung beendet, anschließend musste das Arbeitsgerät auf der Draisine wieder zu den Einsatzfahrzeugen zurückgebracht werden.

Schnelle Rettungsaktion


Kommandant Sebastian Hartl verwies auf die eine "einmalige Gelegenheit", die wegen Bauarbeiten gesperrte Strecke für eine Übung mit einem Zug zu nutzen. Markus Koller, Notfallmanager der DB Netz AG, ist im Ernstfall für die Gewährleistung der Sicherheit der Rettungskräfte am Gleis zuständig und somit Bindeglied zwischen Wehren und Bahn.

Die Übung ist nach der Einschätzung Kollers mit anderen Unglücken nicht vergleichbar, weil diese komplett anders abgelaufen sind. Die Bahn sei angehalten, mit den Rettungskräften den Ernstfall zu trainieren. "Der Einsatz war sehr professionell und vom Ernstfall nicht zu unterscheiden.".

Einsatzleiter Manuel Scheidler, zweiter Kommandant der Oberwildenauer Wehr, beurteilte den Ablauf der Übung mit elf eingesetzten Fahrzeugen als sehr gut. Dennoch seien Verbesserungen unmittelbar am Unfallort erkennbar geworden. Die Akteure hätten flott und sauber gearbeitet. Die Zusammenarbeit der Wehren und auch mit dem THW sei ebenfalls sehr gut gewesen. Eine Vorbereitung der Hilfskräfte auf die Übung sei absichtlich nicht erfolgt, nur die Kommandanten wussten Bescheid.

Aufgabe des THW war es laut Fachberater Andreas Duschner, einen Rettungssteg und eine -brücke für den Rollstuhlfahrer zu errichten sowie für die großflächige Beleuchtung der Einsatzstelle zu sorgen. Der Einsatz sei gelungen, selten gebe es die Chance, auf einer Bahnstrecke zu üben, betonte Duschner. Grobe Fehler seien nicht erkennbar gewesen, wenngleich immer wieder Optimierungsbedarf bestehe. Die Rettung der Personen sei sehr schnell erfolgt.

Kreisbrandmeister Martin List sprach wegen des schwer zugänglichen Geländes von einer sehr aufwendigen Übung. Hier zeige sich, dass großer Personalaufwand notwendig sei.
Der Einsatz war sehr professionell und vom Ernstfall nicht zu unterscheiden.Markus Koller, Notfallmanager der DB Netz AG
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