Immer mehr Imker
Fleißige Bienchen

Martin Müller an seinem Bienenhaus. Der Luher ist seit 20 Jahren Imker. Bilder: mue (2)
Vermischtes
Luhe-Wildenau
24.08.2016
122
0
 
Ein Volk besteht aus 50 000 bis 70 000 Bienen.

Ein gutes Jahr für die Honigernte: Schon Ende Mai freuen sich viele Imker über den ersten Blütenhonig. Das liegt unter anderem am Wetter. "Es darf nicht zu heiß, aber auch nicht zu kalt sein und ab und zu muss es regnen - aber nicht zu stark", erklärt Imker Martin Müller.

Luhe. Durch die entstehende Luftfeuchtigkeit können die Bienen den Nektar leichter aufnehmen. Ebenfalls wichtig für einen guten Ertrag ist die Entfernung des Bienenstocks zur Trachtquelle. "Tracht" besagt in der Imker-Fachsprache die Ernte. Trachtquellen sind zum Beispiel Raps, Blumen oder auch Bäume. "Die Bienen fliegen zwar bis zu zwei Kilometer zum Sammeln, aber je weiter der Flug, desto weniger Nektar kommt im Stock an."

Neben der Obstblüte waren bisher Blumenwiesen - vor allem mit Löwenzahn - eine gute Quelle für die Bienen. Sie werden im Luhetal aber immer weniger. "Nur die Wiese von Landwirt Peter Paulus blühte in diesem Jahr großflächig", erzählt Müller.

Ertragreiches Bienenjahr


Dreimal konnte er heuer Schleudern - also Honig ernten. Die erste Ernte ist dabei immer der Blütenhonig. "Er ist sehr hell und wird innerhalb weniger Tage fest", beschreibt Müller diesen. Später sammeln die Bienen ihren Nektar vor allem von Bäumen - so entsteht der Waldhonig. "Der ist dunkler und bleibt länger flüssig." Im Luhetal stammt der Waldhonig meist von Eichen oder Linden. "Was genau drin ist, können wir auch nicht immer sagen", erklärt Müller, der seit 20 Jahren Bienen hält. Rückschlüsse können die Imker zum Beispiel durch die Pflanzen in der Umgebung ziehen. "Je nach Zusammensetzung der Trachtquellen unterscheidet sich der Honig, im Gegensatz zum Supermarkt-Honig, in Geschmack und Farbe von Jahr zu Jahr."

Gefahren


Der Honigertrag ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Schuld daran können das Wetter, aber auch zu wenig Nahrung für die Bienen sein. So kommt es vor, dass die Imker die Insekten schon im Frühjahr und Sommer zusätzlich füttern müssen. "Ein schwaches Volk kann sich kaum selbst ernähren, geschweige denn einen Vorrat anlegen", betont der erfahrene Imker. Er gibt seinen Bienen - ein normales Volk besteht im Sommer aus 50 000 bis 70 000 Tieren - in einem solchen Fall Zuckerwasser.

Eine weitere Gefahr für die Völker und damit die Honigernte ist die Landwirtschaft. "Hilfreich wäre, wenn erst am späten Abend gespritzt würde, weil sich die Bienen dann im Stock befinden", bittet Müller. Er erzählt von einem Kollegen, der seine Bienen orientierungslos vorfand, weil sie vermutlich mit Spritzmitteln in Kontakt kamen. Gleiches gelte für das Mähen. "Es wird in so hoher Geschwindigkeit gefahren, dass die Insekten nicht mehr auffliegen können."

Neue Bienenfreunde


Positiv ist zudem die Entwicklung in den Imkervereinen. Die Menschen beginnen sich wieder mehr für die Haltung von Bienen zu interessieren. Sie hielten allerdings meist nur wenige Völker und könnten die aus Altersgründen ausscheidenden Imker, die sehr viele Völker haben, nicht ersetzen, bedauert Müller, der sich aber über den Zuwachs freut. Einer der Neuzugänge im Imkerverein Rothenstadt und Umgebung ist Johann Zanner. "Ich bin in Rente, jetzt hab ich Zeit. Außerdem hatte mein Vater auch schon Bienen." Der Neuimker hält seit letztem Jahr seine eigenen Bienen. Auch wenn die erste Ernte eher mager war, und zwei seiner drei Völker den Winter nicht überlebt haben, will er nicht aufgeben. Mittlerweile hält er sechs Völker und will als nächstes ein Bienenhaus bauen, um die Insekten von seinem Grundstück in Richtung Wald umzusiedeln. "Damit ich nächstes Jahr auch Waldhonig bekomme." Positiv beschreibt er die Unterstützung aus dem Verein: "Wenn ich Hilfe brauche, kommt immer jemand vorbei."

"Tracht"-AusbeuteBis zu 50 Kilogramm Honig pro Stock konnten die Imker in diesem Jahr ernten. "Wenn man bedenkt, dass die Bienen den größten Teil des eingetragenen Honigs selbst verbrauchen, ist der Fleiß der Insekten nicht hoch genug zu loben", erklärt Müller. (mue/ehi)
Weitere Beiträge zu den Themen: Bienen (62)Imker (52)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.