Johann Kick beschwert sich über Manöverschäden
Kleinkrieg am Naabufer

Landwirt und Gartenbauer Johann Kick begutachtet mit Oberstleutnant Michael Thomas die ramponierte Wiese. Die Bundeswehr und das amerikanische Militär haben die offizielle Genehmigung, für die Übung Kicks Wiese zu benutzen. Sein Einverständnis brauchen sie dafür nicht. Bilder: Götz (2)
Vermischtes
Luhe-Wildenau
31.05.2016
7568
0
 
Mit dem Reden kommen die Leute zusammen: Johann Kick (links) beschwert sich bei Michael Thomas über den Zustand seiner Wiese. Der Offizier verspricht Schadensregulierung.

Die Aufregung ist groß zwischen Luhe und Grünau. Schützenpanzer dröhnen, Feldjäger haben Checkpoints errichtet, internationale Militärs geben sich die Klinke in die Hand. Und mittendrin Landwirt Johann Kick, der die Welt nicht mehr versteht.

Der heftige Regen am Montagabend brachte Johann Kick aus Grünau dazu, auf seiner Wiese nach dem Rechten zu schauen. "Ich wollte wissen, ob die bei dem Wetter auf meiner Wiese rumfahren. Dann bin ich runter, habe gesehen, dass sie im Kreis rasen und sofort 'Stopp!' geschrien. Niemand hat auf mich gehört, da bin ich einfach ausgeflippt."

Das amerikanische Militär nutzt die 1,4 Hektar große Fläche, um bei der Übung "Dragoon Ride II" auf einer Behelfsbrücke die Naab zu überqueren. Knapp 1500 Soldaten verlegen bei der Übung ihren Standort von Deutschland nach Estland. Bereits am Freitag erreichten die ersten Schützenpanzer den Grenzübergang Waidhaus-Rozvadov, die Ankunft in Estland ist für 22. Juni geplant. Der zweite Teil der Kolonne startet heute und macht einen Zwischenstopp bei Grünau (zwischen Luhe und Wernberg), um dort über den Fluss zu fahren. Die Soldaten vom Panzerpionierbataillon 4 aus Bogen legen die zwei Panzerschnellbrücken über die Naab. Sie bekamen die volle Wucht von Kicks Wutausbruch ab. Er beschwerte sich darüber, dass seine Wiese derart in Mitleidenschaft gezogen wurde. "Die Bodenverdichtung durch die schweren Fahrzeuge sind das Problem, die kriegt man nicht mehr weg. Die Wiese ist Schwemmlandboden und gibt sehr nach." Seine Entrüstung ging so weit, dass sich der CSU-Gemeinderat am selben Tag im Gremium und beim Bauernverband beschwerte.

Zusätzliche Entschädigung


Am Dienstag war die Situation entspannter, Kick zeigte sich beim Gespräch mit Oberstleutnant Michael Thomas aus Bogen friedlicher. Der ist sich des Schadens bewusst, entschuldigte sich bei Kick. Er räumte auch ein, dass es nicht im Sinne der Bundeswehr war, auf freiem Gelände Schäden anzurichten. Trotzdem seien die Pioniere noch bis Donnerstag auf die Wiese angewiesen.

Thomas hat die Schadensregulierung, die über die Gemeinde läuft, bereits in die Wege geleitet. Er ist zuversichtlich, dass die Bundeswehr dem Landwirt zusätzliche Unterstützungsleistungen anbieten könnte, die die örtlichen Bataillone aus Weiden oder Pfreimd (Landkreis Schwandorf) übernehmen würden. Zudem wird ein offizieller Gutachter die Situation beurteilen und die Höhe der Manöverschäden festlegen. "Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Ich kann die Wiese nicht grünreden, aber wir werden uns arrangieren."

Bauer lenkt ein


Dem Stabsoffizier sind die Hände gebunden. "Wir haben unseren Auftrag, der an bestimmte Zeiten gebunden ist. Wir können keinen Auftrag abbrechen, weil es regnet." Er versichert jedoch, dass bei der eigentlichen Überquerung des 2. US-Kavallerieregiments aus Vilseck über den Fluss heute nur die extra verlegte Behelfsstraße benutzt wird. Kick zeigte sich besänftigt, ließ sich darauf ein, am Freitag, wenn alles abgebaut ist, mit den Verantwortlichen die Schäden aufzunehmen und sich alles bestätigen zu lassen. "Wenn Herr Thomas sich an unsere jetzigen Absprachen hält, ist das ok. Er macht einen ziemlich vernünftigen Eindruck", lenkte er ein.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.