Profis mit Sinn für Technik

Schon als Kind entwickelte Julian (links), laut seiner Mutter, ein Faible für Holzarbeiten. Bild: ske
Vermischtes
Luhe-Wildenau
20.03.2016
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Es ist nicht alltäglich für Julian Weidner, dass er gemeinsam mit seinen Eltern Karin und Willy in seinem Ausbildungsbetrieb Ausbilder Daniel Straller und seinem Chef Thomas Wagner im Gespräch gegenüber sitzt. Was nach einer Elternsprechstunde klingt, ist aber mehr.

Die Eltern und Julian wollen erzählen, warum sich ihr Sprössling für eine Ausbildung in der Möbelmanufaktur Arnold in Luhe-Wildenau entschieden hat. Die Manufaktur ist ein alteingesessener Betrieb, seit mehr als 100 Jahren wird hier mit Holz gearbeitet.

Straller erzählt: "Auch wenn die Branche, wie viele Handwerksbetriebe, Probleme hat, Auszubildende zu finden, bilden wir mit vier Lehrlingen derzeit über dem Durchschnitt aus." Julian ist einer der Arnold-Azubis, er steht im zweiten Ausbildungsjahr. Das Berufsgrundschuljahr (BGJ) liegt bereits hinter ihm. Geschäftsführer Thomas Wagner: "Im BGJ lernen die Azubis die Grundlagen des Handwerks." Bei Abiturienten entfällt das BGJ, jedoch "haben sie dann oft handwerkliche Lücken bei ihrer betrieblichen Ausbildung". Julian erzählt: "Wir lernen viel, wir sind immer einem Gesellen, Meister oder Projektleiter zugeteilt." Geschäftsführer Thomas Wagner ergänzt: "So durchlaufen unsere Azubis alle Stationen bei der Auftragsbearbeitung und lernen die gesamte Bandbreite, die notwendig ist."

Köchin und Bäcker


Vor seiner Ausbildung absolvierte Julian die Mittlere Reife an der Mittelschule in Windischeschenbach. Julians Mutter, eine gelernte Köchin, ist stolz auf den Beruf ihres Sohnes: "Er hat sich bereits als Kind für Holz interessiert, er bastelte schon früh. Das Faible für Holz liegt wohl in meiner Familie." Vater Willy ist gelernter Bäcker: "Vielleicht kommt das Interesse am handwerklichen Beruf auch daher, dass wir auf dem Land leben. Die Kinder haben hier mehr Platz, mehr Möglichkeiten, sich zu erfahren, mit verschiedenen Materialien und Tätigkeiten umzugehen. Die Familien haben oft mehr Zeit für ihre Kinder."

Zeit, die Julian wohl geprägt hat. Wagner bestätigt: "Diese jungen Leute haben eine andere Herangehensweise ans Handwerk, können besser zulangen." Julian machte nach dem Schulabschluss mehrere Praktika, informierte sich in einer Schreinerei, Zimmerei und in einem Metallbau-Betrieb.

Der Schreiner-Beruf geht heute weit über das hinaus, was man sich klassisch unter diesem Handwerk vorstellt. Straller: "Wir brauchen geschulte Profis mit Sinn für Maschinentechnik." Er und Wagner wissen: "Wir müssen uns etwas einfallen lassen, hervorragende Arbeit abliefern, wenn wir einen Kunden davon überzeugen wollen, dass er sein Geld bei uns ausgeben soll." Damit wachsen die Anforderungen an die Mitarbeiter, die Maschinen sind PC-vernetzt, die Mitarbeiter dürfen vor der PC-gesteuerten Arbeit nicht zurückschrecken.

"Kaum ein Beruf ist vielfältiger als ein Handwerksberuf", sagt Wagner. Julian nickt, sein Vater räumt ein: "Die Menschen haben oft noch alte Vorstellungen im Kopf." In der Manufaktur ist auch künstlerisches Geschick nötig. "Wir haben für ein Projekt im Yachtausbau einige Einbauten mit Blattgold überzogen", berichtet der Geschäftsführer.

Weiterbildung möglich


"Meine Eltern stehen voll hinter mir. Sie wollten, dass ich den Beruf lerne, der mir gefällt", sagt der Azubi. Die Eltern sind überzeugt, dass ihr Sohn sich richtig entschieden hat. "Julian hat in seinem Beruf viele Chancen." Straller: "Wir bilden natürlich auch Mädchen aus." Julian und seine Eltern freuen sich, dass Julian durch seinen Beruf auch die Welt kennenlernen kann. "Für Projekte sind unsere Mitarbeiter weltweit auf Montage." Die Weiterbildungsmöglichkeiten sind vielfältig, dennoch ist es auch im Schreinerhandwerk schwierig, Auszubildende zu finden.
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