Treff für tolle Tollen
Rockabilly-Fire beigeistert im Tanzcafè Silvia

Ein Sound, wie ihn die "Satellites" durch den Saal schickten, beschwört heute aufs Herrlichste 50er-Jahre-Nostalgie. Damals bedeuteten ihre Rhythmen für manche allerdings eine Revolution.
Vermischtes
Luhe-Wildenau
19.09.2016
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Was darf's denn sein? Die Bar im Tanzcafé Silvia ließ keine Wünsche offen. Stilecht hieß aber, auf Drinks wie Hugo oder Sprizz zu verzichten. So etwas trank in der Chuck-Berry- und Bill-Hailey-Epoche noch keiner. Bilder: gag (3)

Die Sitzbänke zerschlissen, die Lampenschirme an den Decken gebrochen, vergilbte Ansichtskarten aus den 70ern neben dem Ausschank. So etwas klingt nicht nach einem In-Treff. Es sei denn, man steht auf die Fifties und ihre Musik.

Neudorf. Schon zum dritten Mal zog der morbide Charme des früheren Tanzcafés Silvia Rockabilly-Fans aus der ganzen Oberpfalz an. Schon weit vor der Einlasszeit sicherten sich Hot-Rod-Fans gemeinsam mit Boogie-Woogie-Tänzern die besten Plätze bei der dritten Auflage von "Rockabilly Fire". Der in Neudorf aufgewachsene Organisator Michael Hartinger freute sich, dass diese außergewöhnliche Party wieder so gut ankam. Nur schade, dass der Dauerregen am Samstag die Oldtimer-Besitzer dazu zwang, ihre Schätzchen zu Hause zu lassen. Nur wenige standen dieses Mal auf der Wiese.

Das Rahmenprogramm hatte es trotzdem in sich. Da stylte Klausi aus Amberg mit Schere und Pomade die Boys. Die Mädels wurden in "Nina's HairLounge" mit Lockenstab und vielen Haarklammern zu stilechten Rockabellas. Bei Patrick und Nicole von "Camberry Photography" konnten sie sich professionell ablichten lassen. Die Bardamen waren in ihren gepunkteten Kleidern und Rollschuhen an den Füßen eine zusätzliche Augenweide. Die weiblichen Gäste genossen es sichtlich, weit schwingende Kleider und Petticoats zu tragen, warfen kokett den Saum, lachten und flirteten. Mit elegant gestylten Fünfziger-Jahre-Frisuren und leuchtend roten Lippenstiftmündern unterhielten sie sich mit den nicht minder feschen Männern, die manche früher abschätzig "Halbstarke" nannten. Wie das aussieht? Die Frisur auf einer Seite kurz geschoren, Haartolle, rasierter Scheitel. Dazu kommen typische Workerjeans mit hochgeschlagenem Hosenbein und eine "Wallet Chain", eine rechts an der Hose getragene Kette für den Geldbeutel.

Linda und Kitty


Die "The Satellites" aus "Outer Space" lockten mit heißen Rhythmen auf die Tanzfläche. Rock 'n' Roll der 1950er Jahre sowie Blues aus den Zwanzigern sind ihre Leidenschaft. Dazu gehören Klassiker von Chuck Berry ebenso wie gefühlvolle Blues-Nummern, aber auch Stücke aus ihrem neuen Album "Crash Landing".

Mit ihrem authentischen Aussehen von der Pomadenfrisur über die Bundfaltenhose bis zu den Schuhen ähneln sie stark amerikanischen Tanzbands aus Kultfilmen der Epoche. Die fünf "Satellites" sangen von "Pretty Linda", "Kitty, Kitty, the Pussycat" oder "Baggie Maggie", während auf der Tanzfläche schnelle Schrittfolgen und wehende Röcke die Zuschauer begeisterten.

Nach einigen Zugaben übernahm das "Scotty Bullock Trio", Gewinner des "Rockabilly Rumble 2015" in Pullman City, die Bühne. Bandgründer Scotty Bullock ist seit 1983 international "im Dienste des "Rawk'n' Roll" unterwegs. Zusammen mit dem Aschaffenburger Felix "Frek" Wenz am Kontrabass und Harry Weber am Schlagzeug füllte das Trio das "Silvia" mit dem Sound neu arrangierter Klassikern der Rock 'n' Roll und Rockabilly-Ära, von Johnny Cash über Countrysongs bis zu Boogie-Woogie und gefühlvollen Nummern.

Viel zu laut


Leider war der Sound nicht optimal angepasst, der Bass stark übersteuert, die Lautstärke mitunter unerträglich. Den drei tollen Musikern hätte eine bessere Abstimmung gut getan. Trotzdem war die Tanzfläche bis weit nach Mitternacht belagert. Ein weiterer Erfolg für Hartinger und seine Crew, die sich schon auf das "Rockabilly-Fire" 2017 freuen.
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