Festgottesdienst mit Prälat Helmut Wanka - Kreuz als Baum der Hoffnung, nicht als frommen ...
Gott ist mit den Vertriebenen und Flüchtlingen

Festprediger war Prälat Helmut Wanka, der in Plan geboren wurde und seit 2009 stellvertretender Generalvikar der Diözese Limburg ist.
Lokales
Mähring
28.07.2015
10
0
Die Fürbitten waren hochaktuell. Sie galten all jenen, die vor 70 Jahren bei den Todesmärschen oder auf der Flucht ums Leben kamen, sowie denen, die noch heute darunter leiden - aber auch allen, die heute auf der Flucht sind. "Toleranz und Nächstenliebe sind die Grundpfeiler für ein friedliches Miteinander", sagte Heimatkreis-Vorsitzende Regine Löffler-Klemsche. Gemeinsam beteten die Plan-Weseritzer für alle Freunde und Gönner, unter anderem für Altbürgermeister Franz Fink, Altbischof Manfred Müller und Mimi Herold, die in diesem Jahr verstorben sind.

In seiner Predigt nahm Prälat Helmut Wanka das Kreuz in den Blick. "Seit der Grenzöffnung fahren wir auch rüber. Wir schauen nach den Häusern und Straßen, in denen wir gelebt und durch die wir tagtäglich gegangen sind, nach Kirchen und Kapellen, nach Wegkreuzen und Friedhofskreuzen, die unauslöschlich zum Glauben unserer Vorfahren und unserer Kindheit gehören." Viele investierten nicht wenig, wenn es um die Kreuze in den Kirchen, auf den Kirchtürmen oder auf den Friedhöfen gehe. "Doch die Kreuze, die wir in der alten Heimat herrichten, sie sind in der neuen Heimat zum Streitfall geworden. Auch hier im katholischen Bayern." Soll ein Kreuz im Schulzimmer sein, muss es im Gerichtssaal oder Rathaus hängen? Für ihn persönlich sei das Kreuz ein Baum der Hoffnung. Als er Kaplan war, habe ihn ein Jugendlicher gefragt, weshalb in seinem Zimmer ein Kreuz hänge. "Der will mehr von mir wissen", habe er damals gespürt. "Da geht es um meinen Glauben, meine Hoffnung, um das, was mich im Leben trägt."

Das Kreuz sage ihm, dass Gott den Menschen auch im Leiden nahe sei. Für viele sei Leid ein Zeichen der Abwesenheit Gottes, doch Gott leide immer mit. "Das Kreuz steht dort, wo Menschen über Leichen gehen und andere kaputt machen oder erledigen, wo unsere Lebenspläne durchkreuzt werden." Nicht als ein frommer Gebrauchsartikel, sondern als ein Teil des Lebens. Oft werde das Leben von den Menschen halbiert. "Wir sind gefangen von der Sonnenseite, vor der Schattenseite machen wir die Augen zu." Der Prediger rief dazu auf, das Leben anzunehmen, wie es ist: Freude und Leid, Geglücktes und Misslungenes, Erfolg und Scheitern, Vertreibung und Neuanfang, Leben und Sterben. Das Christentum setze sich mutig mit dem Tod auseinander. Gott stehe auf der Seite der Opfer, der Zu-kurz-Gekommenen, der Schwachen und Armen, der Vertriebenen und der Flüchtlinge.

Helmut Wanka erzählte, dass er vergangenes Jahr beim Plan-Weseritzer Heimattreffen mit seinen Brüdern den Weg von der Planer Kirchgasse zum Kuttenplaner Schloss und von dort weiter zu Fuß den Weg ihrer Eltern vom Frühjahr 1946 nachgegangen ist: vom Lager im Schloss bis zum Kuttenplaner Bahnhof und von dort in den Viehwaggon über die Grenze. "Wo war unser Gott bei der Vertreibung? Heute habe ich die Gewissheit: Der am Kreuz war mit dabei, er war mit ihnen."
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.