Stube voller Erinnerungen

Im "Gelebten Museum" gibt ein Relief mit Touchscreen ein anschauliches Bild des ehemaligen Straßendorfes Lohhäuser. Der Sohn (rechts) von Ernst Dierl (ehem. Hausnr. 28) weiß seit diesem Wochenende, warum sein Vater in seinem "Erinnerungsbuch" (angelegt ab 1948) immer von den weiten Wäldern ihrer Heimat schwärmte. Bild: wg
Vermischtes
Mähring
27.07.2016
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Das Kriegsende hat die Sudentendeutschen in alle Richtungen vertrieben, stets weg von der Heimat. In der Lohhäuser-Stube im "Gelebten Museum" wird auch die Erinnerungen an das Straßendorf Lohhäuser wachgehalten.

Der erste Höhepunkt des diesjährigen Lohhäuser-Treffens war die Besichtigung des neu renovierten ehemaligen alten Rathauses, das zum "Gelebten Museum" wurde. Beim Treffen im vergangenen Jahr steckte das Haus noch mitten in der Sanierung, deshalb nutzten viele ehemalige Bewohner von Lohhäuser, aber auch Mähringer und Freunde die Gelegenheit zur Besichtigung mit Führung. Ein weiterer Höhepunkt war die Vorstellung des Films "70 Jahre Kriegsende, Flucht und Vertreibung" von Professor Karl Schneider und Wolfgang Wortmann (vom Norddeutschen Rundfunk).

Brückenschlag


Bürgermeister Josef Schmidkonz hieß alle willkommen im neu renovierten ehemaligen Rathaus. Dem Markt Mähring als Patengemeinde war es laut Schmidkonz ein großes Anliegen, in diesem Museum die Erinnerungen an das ehemalige Straßendorf Lohhäuser für die Nachfolgegenerationen zu erhalten. Museumsleiter Franz Schöner erinnerte, dass rund 800 000 Euro auf dem Weg vom alten Schul- und Rathaus zum Museum notwendig waren. Das Museum spiegele die Region wieder, zeige sowohl die deutschen als auch die ehemals deutschen Siedlungsgebiete, das Sudetenland und das Umland bis zur heutigen Zeit. Dr. Peter Zwerenz, Sprecher des Lohhäuser-Vereins, war dankbar, dass vor 13 Jahren die Patenschaft mit dem Markt Mähring unterschrieben werden konnte.

Damals hätte keiner geglaubt, dass dieses Haus einmal in so einem Zustand sein würde. Das Museum solle auch ein Brückenschlag sein zwischen Deutschland und Tschechien. "Erst war der Eiserne Vorhang, jetzt ist die Zeit, die Beziehungen weiter zu festigen." Karl Schneider rief mit seinen beiden Brüdern das Lohhäuser-Treffen ins Leben und setzt sich unermüdlich dafür ein, dass das "verschwundene Dorf" Lohhäuser und seine Bewohner nicht in Vergessenheit geraten.

Filmpremiere


Zum Anlass "70 Jahre Kriegsende, Flucht und Vertreibung" hat Schneider gemeinsam mit Wolfgang Wortmann einen Film erstellt, der als Premiere im Museum vorgeführt wurde. Darin wird gezeigt, woher die Sudetendeutschen kommen und wohin es sie verschlagen hat. In dem Film geht es auch um die Besetzung von Lohhäuser und Mähring (erst durch die Amerikaner, dann durch die Russen), Flucht und Vertreibung, zwei Erschossene in Mähring, die Todesmärsche, SS und KZ, aber auch um Schmuggel. Dabei kommen auch Zeitzeugen zu Wort. Zum Thema "70 Jahre Kriegsende, Flucht und Vertreibung" findet sich im Erdgeschoss des Museums auch eine Sonderausstellung. Zum Thema Vertreibung verwies Schneider auch auf die Flüchtlinge, die derzeit in Mähring leben.

Im dem Museum gehört der zweite Raum dem Heimatverein Mähring und den Lohhäuserern. Gezeigt werden die Geschichte von Mähring, ein Lohhäuser-Relief mit Touchscreen und Zeitzeugen-Aufnahmen (von Karl Schneider) sowie heuer Roll-Ups von Karl Schneider zur Ausstellung "Flucht und Vertreibung". Der 3. Raum beinhaltet die Foto-Ausstellung der Plan-Weseritzer.
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