Oberpfälzerin Rebecca Friedrich ist eine der jüngsten Jägerinnen Bayerns
Kein Jagen ohne Papa

Seit September hat Rebecca Friedrich (rechts) aus Mantel ihren Jugendjagdschein. In diesem Jahr meldeten sich in Bayern nur elf Mädchen unter 18 Jahren zur Prüfung an. Papa Markus ist stolz auf seine Tochter. Bild: Spitaler
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Mantel
27.11.2014
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Sie ist jung – 16 Jahre – und Jägerin. Eine Seltenheit in Bayern. Während sich die meisten Jugendlichen am Samstag auf eine lange Disconacht vorbereiten, sitzt Rebecca Friedrich im Wald auf ihrem Jägersitz und wartet.

Im Dickicht knackst es. Ein Reh lugt zwischen den Tannenzweigen durch. Langsam traut es sich auf die Lichtung und zupft Grashalme ab. Die 16-Jährige legt das Gewehr an und zielt. Dann fällt ein Schuss.

Wenn die Schülerin auf der Jagd im Wald allerdings einen Hasen hoppeln sieht, bringt sie es nicht übers Herz, abzudrücken: „Ich kann es nicht“, gesteht Rebecca. „Ich hatte als Kind einen daheim.“ Bei Wildschweinen und Rehen macht ihr das Erlegen wenig aus. „Ich bin damit aufgewachsen. Mein Papa ist Jäger und sein Opa war es auch.“

Elf Bewerberinnen unter 18 Jahren

Seit dem 22. September hat Rebecca ihren Jugendjagdschein. In diesem Jahr haben sich insgesamt 1989 Bewerber in Bayern für einen Jagdschein angemeldet. Davon waren laut Peter Stieglbauer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 59 unter 18 Jahren. Nur elf der minderjährigen Bewerber seien weiblich gewesen. Eine davon, die auch bestanden hat, ist die Oberpfälzerin Rebecca Friedrich.


Jetzt darf sie die Tiere in dem Revier ihres Vaters Markus erlegen – allerdings nur in seiner Begleitung. Und mit seinem Gewehr. Ein eigenes darf sie in dem Alter noch nicht besitzen. Nach ihrem ersten Schuss als ausgebildete Jägerin war Rebecca sehr aufgeregt: „Ich habe am ganzen Körper gezittert und war stolz, dass ich das Reh gut getroffen habe. Dass es nicht leiden musste“, erzählt sie.

„Das war bei mir auch so“, erinnert sich ihr Vater. „Das nennt man Jagdfieber.“ Er lacht. Beim nächsten Satz betonen beide jedes Wort, um die Bedeutung zu unterstreichen: „Aber das Erlegen ist der geringste Teil.“ Zum Jägerleben gehöre viel mehr.

Es geht nicht ums Abdrücken

Es ist ihr wichtig, dass die Menschen verstehen, dass es nicht ums Abdrücken geht. Besonders, wenn Freunde und Klassenkameraden ihr manchmal vorwerfen, Bambi erschossen zu haben. Das trifft die 16-Jährige. „Wir fahren zwanzig Mal in den Wald, bevor wir einmal schießen“, versucht sie ihr Hobby zu erklären.

Oft streifen Vater und Tochter durch das Revier bei Mantel, suchen auf dem nassen Waldboden nach Tierspuren, beobachten Vögel, oder legen sogenannte Äsungswiesen für die Waldtiere an. „Die Tiere müssen das Jahr über gehegt werden.“ Auf dem rund 180 Hektar großen Revier stellen sie Salzlecksteine auf – damit die Rehe Mineralien bekommen.

Schon als Vierjährige habe Rebecca mit ihrem Vater stundenlang den Wald erkundet. „Die Tiere zu beobachten, zu wissen, was sie den ganzen Tag tun, macht am meisten Spaß.“

Ein Jahr für Jagdschein gelernt

Deshalb hat sie bei den Vorbereitungen zur Prüfung ganz besonders beim Thema „Haarwild“ aufgepasst. Ein Jahr lang lernte Rebecca intensiv für den Jagdschein. Zwei Abende pro Woche, jeweils drei Stunden lang, fand der Ausbildungskurs statt.

„Wir haben das Verhalten, die Fortpflanzung und Krankheiten der Wildtiere kennengelernt. Land- und Forstwirtschaft, oder der Umgang mit Waffen und Munition gehörten zur Vorbereitung“, erinnert sie sich.

Rund 1200 Fragen mit jeweils sechs Antwortmöglichkeiten müsse man bei den Übungen lernen. „Bei der schriftlichen Prüfung reichen 75 richtige von 100 Aufgaben.“ Ein immenser Aufwand neben der Schule.

Liebe zur Natur und Ruhe

„Ich habe bewusst so früh damit begonnen, weil ich als Schülerin noch eher Zeit für den Kurs finde als später in der Arbeit.“ Nächstes Jahr will sie an der FOS in Schwandorf den Agrarzweig belegen und später Forstrevierleiterin werden. Rebecca ist ein naturliebender Mensch. Sie mag die Ruhe im Wald. Deshalb auch die Ausbildung zur Jägerin.

Die praktische Prüfung besteht aus zwei Teilen: Der Umgang mit dem Gewehr und das Schießen auf eine 100 Meter entfernte Scheibe. Drei Kreise mit verschiedenen Radien sind das Ziel. „Man muss in die Kreise treffen. Am besten in die Mitte“, sagt die 16-Jährige und hält stolz ihre Zielscheibe hoch. Die Einschusslöcher sind deutlich zu sehen – alle getroffen. Ein Andenken für sie.

Jede Woche im Wald

In den letzten Monaten, seit sie ihren Jagdschein hat, war Rebecca fast jede Woche im Wald. Zwei Rehe hat sie seitdem erlegt. Tage vorher verteilte sie auf den Lichtungen Futter, um die Tiere anzulocken. Oder anzukirren, wie es in der Jägersprache heißt. Dick eingepackt in einen warmen, dunkelgrünen Fleece-Overall, ihrem Jägerhut, Fernglas und dem Gewehr ihres Vaters beobachtet Rebecca am Jagdtag auf dem selbst gebauten Hochsitz den Waldrand.

„Ich höre das Tier meistens, bevor ich es sehe“, lacht sie. Fühlt sich das Wild auf der Lichtung sicher, greift Rebecca vorsichtig zum Fernglas und beobachtet es. „Nur die schwächeren Tiere werden erlegt“, sagt sie. „Wenn auf einem Gebiet zu viele Rehe sind, erlaubt die Jagdbehörde, dass wir ein paar erlegen.“, weiß Vater Markus.

Beim Jagen müsse das Reh „breit“, also mit der Vorderseite zum Jäger, stehen. „Wir schießen aufs Blatt“, erklärt Rebecca und schiebt hinterher: „In den Herz-Lungen-Bereich.“ Nach dem Schuss muss sofort nachgeladen werden. „Falls der erste daneben ging und man noch einmal schießen kann, damit das Tier nicht leidet.“

„Ausnehmen gehört dazu“

Im besten Fall kippe das Reh oder das Wildschwein einfach um und bewege sich nicht mehr. „Als Nächstes transportieren wir es zu unserer Wildkammer. Dort sieht es aus wie beim Metzger. Ein Tisch, ein kleiner Kran, Fliesen und ein Ablauf“, beschreibt die 16-Jährige den Raum.

„Mit Handschuhen nehmen wir die Innereien raus. Die schönste Aufgabe ist es nicht“, meint die Schülerin. „Aber wenn ich das Tier erlege, muss ich es auch verarbeiten.“ Das Fleisch werde auf Krankheiten untersucht. „Wir schauen, ob es verfärbt ist.“

Einmal im Monat gebe es bei Familie Friedrich Wildfleisch – in den unterschiedlichsten Varianten: Gulasch, Braten oder Ragout. „Aber auch als Jäger isst man mal Spaghetti“, scherzt Vater Markus. Hasenbraten gibt es allerdings nicht.