Operettenmelodien und alte Schlager
Michael Bertelshofer und Gertrud Werner geben nostalgisches Neujahrskonzert

Mit virtuosem Klavierspiel und hinreißendem Gesang erfreuten Sopranistin Gertrud Werner und Michael Bertelshofer das Publikum in der ausverkauften Schulaula. Maria Bertelshofer hatte mit ihrer Bühnendekoration die Zeit der Salons und Bars angedeutet. Bild: sei
Kultur
Mantel
29.01.2016
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Pianist Michael Bertelshofer und Sopranistin Gertrud Werner erweckten die Zeit zwischen 1920 und 1940 zum Leben. Mit Operettenmelodien und Schlagern tauchten in den Köpfen der Zuhörer wieder Johannes Heesters, Marlene Dietrich, Willi Fritsch und Lilian Harvey auf.

Dieses Jahresanfangskonzert war bereits vor vier Wochen ausverkauft, freute sich Bürgermeister Stephan Oetzinger in der Schulaula. Dann aber folgte prompt die erste Warnung von Gertrud Werner: "Schau einer schönen Frau nie zu tief in die Augen." Dabei wollte sie genau das, als sie durch die Reihen der Herren flanierte.

Wie Bertelshofer erklärte, gab es zu jener Zeit, als es im Fernsehen nur drei Programme zu sehen gab, immer eine große Samstagabendshow mit Peter Alexander oder "Musik ist Trumpf".

Vergessene Operette


"Da freuten sich die Menschen immer über einen Operettenblock mit tollen Sängern." Doch diese Gattung sei ein wenig aus der Mode gekommen. Werner und Bertelshofer hielten mit einem Duett aus "Der Graf von Luxemburg" dagegen. Der Pianist bewies komödiantisches Talent, als er im Stil von Hans Moser das nächste Lied ansagte: "Also, Frau Kammersängerin - pack ma's". Das Publikum bekam unverzüglich "Du sollst der Kaiser meiner Seele sein" von Robert Stolz zu hören.

Vor allem die Damen unter den Zuhörern bewunderten das lange schwarze Samtkleid mit hellblauer Tüllschärpe und blauer Federboa. "Wo kriegt die Frau bei der tollen Figur nur ihre Stimme her?", fragten sich einige in der Pause.

Bertelshofer erzählte von den Jahren, als sein Vater Oskar mit Christa Treutler und Oswald Sauer auch Operetten in Mantel aufgeführt hat. Er erheiterte die Zuhörer mit einem bewussten Versprecher bei der Ansage des nächsten Liedes: "Niemand liebt dich - wieso ich?". "Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden", bestätigte dann die Sopranistin und sie hatte da einen ganz bestimmten Herren in der ersten Reihe im Auge.

Maria Bertelshofer hatte mit ihrer Dekoration ein ansprechendes Bild gezaubert. Auf dem Klavier des Männergesangvereins stand ein Strauß weißer Tulpen, es brannten Kerzen in einem Leuchter, und ein Grammophon erinnerte an die Zeiten der alten Schlager. "Kauf dir einen bunten Luftballon", riet die Sängerin dann und verteilte selbige an einige Herren. Wie Bertelshofer erklärte, war das Lied die Nummer eins der Hitparade 1943. Obwohl die Zeit absolut nicht gut war, verkaufte die UFA eben die bunten Luftballons.

Walzer-Seligkeit


Lilian Harvey und Willi Fritsch bekamen eine Verbeugung mit dem langsamen Walzer: "Ich tanze mit dir in den Himmel hinein". Leider folgte niemand der Aufforderung des Klavierspielers, das Tanzbein zu schwingen. Bei "Kann denn Liebe Sünde sein?" denkt heute niemand etwas Schlimmes, aber das Lied unterlag 1938 dem Jugendverbot wegen des "schlüpfrigen Textes".

Bürgermeister Oetzinger überreichte der Sängerin einen Blumenstrauß und bedanke sich bei der Hausherrin, Rektorin Elisabeth Graßler. Das Publikum sparte nicht mit Applaus, ja frenetischem Beifall.
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