90 Jahre gelebte Demokratie

Lokales
Mantel
02.11.2015
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"Zorn und Unzufriedenheit genügen nicht, das muss Folgen haben." Unter diesem Motto stand 1925 die Gründung der Manteler SPD. Mit einem Festakt feierten die Verantwortlichen das Jubiläum

Start war am Samstagabend mit einem Sektempfang in der Mehrzweckhalle. Vorsitzende Andrea Bertelshofer begrüßte Ehrengäste und viele Vereine. Für Unterhaltung sorgte die Damen-Big-Band aus Waidhaus, die ihr Programm überwiegend auf die Gründungszeit der SPD 1925 mit Charleston-Melodien und später auf die Zeit der Wiedergründung nach dem Krieg mit Swing ausgerichtet hatte. Moderatorin war stellvertretende Vereinsvorsitzende Daniela Fuhrmann. Sie bat die Gäste, sich eine Person aus dem Verwandtenkreis vorzustellen, die zur Gründungszeit der SPD jung war. Fuhrmann brachte ihre Oma väterlicherseits als Beispiel, die zu der Zeit als Produktionshelferin schwer gearbeitet aber das Leben doch genossen hatte. Damals gab es keine Spur von Arbeitsrecht.

"Etwas Besonderes"

"Wir sind schon etwas Besonderes", betonte Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch. "Die SPD wird auch als alter Tanker auf den politischen Weltmeeren bezeichnet. "Wir sind keine Abnickerpartei, sondern kämpfen dafür dass niemand wegen seiner sozialen Situation benachteiligt wird." Bürgermeister Stephan Oetzinger bezeichnete die Geschichte der Manteler SPD als 90 Jahre gelebte Demokratie. Kartellvorsitzender Richard Kammerer dankte den Sozialdemokraten für ihre Beteiligung am Bürgerfest sowie auch beim Gaudiwurm und überreichte eine Spende. Karl Bayer gab einen Überblick über die Gründungszeit der SPD. Er erinnerte an Gründervater Johann Grill, der den Ortsverein bis 1933 führte. 1967 bis 1978 stellte die SPD mit Hans Bäumler den ersten Bürgermeister.

Stehende Ovationen und spontanen Zwischenbeifall erhielt Joachim Wolbergs, Oberbürgermeister der Stadt Regensburg. Seine Überzeugung ist: "Wer keine Wertevorstellungen hat, hat in der Politik nichts verloren." Eine Reise nach Odessa habe ihn geerdet, erzählte er. Nach dem Eintauchen in die unwürdige Situation dort für viele Menschen und vorher mit Gesprächen mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen wurde er dann zu Hause mit Banalitäten wie einem belegten VIP-Parkplatz beim Fußballstadion oder überhängenden Zweigen eines Pflaumenbaums konfrontiert.

"Da wusste ich, ich bin wieder zu Hause angekommen", stellte er die Angewohnheit der Bundesbürger, sich mit absolut unwichtigen Dingen zu beschäftigen, an den Pranger. Absolutes Entsetzen kam auf, als Wolbergs die Geschichte eines 14-jährigen Asylbewerbers erzählte, der mit ansehen musste wie sein Vater auf ein Kreuz gebunden wurde, mit Marmelade beschmiert und von Insekten zerfressen wurde.
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