Auwald verhindert Umgehung

Lokales
Mantel
20.06.2015
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Die Manteler sehnen sich schon länger nach einer Umgehungsstraße. Da dieses Thema auf der Tagesordnung stand, erschienen viele Bürger zur Marktratssitzung. Allerdings erhielt ihre Hoffnung einen Dämpfer.

Was Baudirektor Henner Wasmuth und Johann Baumer vom Staatlichen Bauamt berichteten, ließ die Stimmung in den Keller sinken. Das Projekt sei äußerst schwierig umzusetzen. Eine Prognose, wann mit dem Bau begonnen werden kann, wollten beide nicht wagen.

Prioritärer Lebensraum

Die Schwierigkeiten durch das FFH-Gebiet beim Bauabschnitt für Mantel seien mit den Trassen von Etzenricht und Weiherhammer nicht zu vergleichen, erklärten die Fachmänner. Das größte Problem sei der prioritäre Lebensraum, ein in der EU besonders stark gefährdeter Lebensraumtyp nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Und durch so einen verlaufe die Umgehungsstraße, beziehungsweise werde mit einer Brücke überbaut.

Baumer präsentierte auf einer Leinwand das betroffene FFH-Gebiet, die geplante Brücke und den möglichen Straßenverlauf. In Vorbereitung sei die Baugrunduntersuchung. Es müsse der Nachweis erbracht werden, dass es keine zumutbare Alternative gebe.

"Der Landkreis und das Bauamt stehen hinter dem Projekt und haben schon sehr viel Zeit und Geld investiert", versicherte Wasmuth. "Das Problem mit dem prioritären Lebensraum - vor allem mit dem Auwald - fuchst uns schon sehr." Als Auwald wird eine natürliche Pflanzengesellschaft entlang von Bächen und Flüssen bezeichnet.

"Unsere Planung wäre fertig", erklärte Baumer. Allerdings gebe es noch einige Hürden. Es müssten jede Menge Untersuchungen gemacht und Gutachten erstellt werden. Dies bedeute "unheimlich viel Fleißarbeit".

SPD-Sprecherin Daniela Fuhrmann bestätigte, dass der Landkreis was tue. Wasmuth sagte auch die Unterstützung durch die Untere Naturschutzbehörde zu. Franz Sperl von der FWG und Reinhold Meier von der CSU waren verärgert, dass "uns 2002 niemand auf die Probleme und negativen Folgen des FFH-Gebietes hingewiesen hat, als dieses festgelegt wurde". Vor allem dass es dort dann keine Baumaßnahmen mehr geben dürfe, sei dem Marktrat nicht bekannt gewesen.

Keine Rücksicht

"2002 verkündete Landrat Simon Wittmann, dass die Umgehungsstraße für Mantel absolute Priorität hat. Ich krieg so einen Hals, wenn ich sehe, wie schnell bei Garmisch für den G-7-Gipfel irgendwelche Baumaßnahmen ohne Rücksicht auf die Natur durchgeführt wurden und wir uns mit solchen Problemen herumschlagen müssen", empörte sich CSU-Sprecher Reinhold Meier. Kollege Richard Kammerer machte sich Gedanken über den Lärmschutz, da die Trasse nah an seinem Grundstück vorbeigehe. Die Fachleute sicherten zu, dass die gesetzlichen Richtlinien eingehalten werden.

Letztendlich müsse vermieden werden, dass das Projekt "vor die EU-Kommission muss". Dann würde ein Baubeginn wohl wirklich in den Sternen stehen. Deshalb sei die langwierige und gründliche Vorbereitung notwendig.
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