Erinnerungen ans Kriegsende

Lokales
Mantel
09.05.2015
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In Mantel endete der Zweite Weltkrieg am 21. April. Zeitzeugen sprechen über diesen Tag und die Zeit danach. Die Überlieferungen des ehemaligen Manteler Rektors Alfred Schregelmann sind zudem in einem Buch festgehalten.

Vielen Einheimischen ist die Geschichte geläufig, die Schregelmann, der im Jahr 2011 gestorben ist, überlieferte. Er sprach darüber im Heimat- und Sachkundeunterricht. Zudem erschien sein Bericht im Jahr 2000 erschienene Heimatbuch des Marktes Mantel, das Friedl Janner (Marktplatz) gemeinsam mit dem Medienhaus "Der neue Tag" auf den Weg gebracht hatte. Das Kriegsende war für die Manteler der 21. April 1945, aber einige Soldaten kehrten erst im Mai oder gar im August in den Heimatort zurück.

Nach den Erzählung von Schregelmann war Mantel im April 1945 von Truppen der SS besetzt, die sich für eine Verteidigung des Ortes einsetzten und jeden bedrohten, der sich gegen eine solche aussprach. Die SS zog schließlich Richtung Luhe ab. Am 20. April begannen die Amerikaner von Grafenwöhr her mit Granatbeschuss der vom Volkssturm errichteten Panzersperre in der Hüttener Straße, wobei bei dem Angriff laut Überlieferung kein nennenswerter Schaden entstand und auch keine Personen zu Schaden kamen.

Gegen 17 Uhr rückten Panzer der US-Armee von Hütten kommend bis zur Ortsgrenze vor. Josef Janner (Trautner), der spätere Bürgermeister des Marktes, begann dann mit den amerikanischen Soldaten zu verhandeln. Janner, der wegen eines längeren Aufenthalts in den Vereinigten Staaten vor dem Krieg fließend Englisch sprach, ging damit ein sehr hohes Risiko ein, da er, bei einer immer noch möglichen Rückkehr der SS-Einheiten sofort standrechtlich erschossen worden wäre. In der Folge dieser Verhandlungen hisste man am Kirchturm eine weiße Fahne und die Amerikaner zogen sich über Nacht Richtung Grafenwöhr zurück, gefolgt von Josef Janner auf dem Fahrrad.

"Unter Artilleriefeuer"

Am kommenden Tag, den 21. April, rückten die amerikanischen Truppen gegen 10 Uhr in Mantel ein. Damit endete für die Manteler der Zweite Weltkrieg. Für einige Soldaten sollte es noch etwas dauern, bis sie nach Mantel zurückkehren konnten.

Ein noch lebender Veteran des Zweiten Weltkriegs ist Georg Gleißner. Er feiert im Juli seinen 89. Geburtstag. Mit 16 Jahren wurde er 1943 zum Arbeitsdienst eingezogen und musste dann ab März 1944 Militärdienst leisten. Seine Grundausbildung erlebte er in Munsterlager bei Celle. Er machte dort auch den Führerschein Klasse drei und dann noch zwei, weil er Zugmaschinen fahren sollte. "Ich werde es nie vergessen, am Heiligen Abend 1944 um 16 Uhr gerieten wir in Luxemburg zum ersten Mal unter Artilleriefeuer", erzählt er. Nachts mussten sie einen Stellungswechsel über eine Behelfsbrücke über die Mosel bewerkstelligen.

Später war er noch in Tschechien in einem kleinen Dorf mit etwa 100 Einwohnern bei Budweis. Von dort fuhr er einen Funkwagen bis nach Schwandorf, wo für ihn der Krieg endete. 500 Leute mussten sich auf einer Wiese sammeln, zwei Tage lang gab es in einem Lager eine Untersuchung, ob jemand bei der SS gewesen war und dann erhielt Fleißner am 25. Mai 1945 seinen Entlassungsschein. Bei einer Fahrt nach Bayreuth war er dabei, sprang aber bei einem Halt in Weiden vom Fahrzeug ab. Er wurde zwar kontrolliert, konnte aber aufgrund seiner Entlassungspapiere gehen. Sein erster Weg führte ihn zu seiner Schwester, die damals in Weiden wohnte. Mit dem Fahrrad fuhr er anschließend nach Hause nach Mantel. Er hatte Glück und keine Verletzungen erlitten.

Drei Brüder gefallen

Weil in der Familie Klemm bereits drei Söhne im Krieg gefallen waren, musste Erwin Klemm nicht an die Front, sondern wurde zum Arbeitsdienst eingezogen. Seine Truppe von 30 Mann war in Winzer in Niederbayern stationiert. "Beim Arbeitsdienst war es schön und es hat mir gut gefallen", erzählt Klemm. An seinem Geburtstag, am 25. April 1945, hatte seine Gruppe im Bayerischen Wald Dienst. "In den Wirren der letzten Kriegstage kamen wir bei Bauern in Winzer unter, die wir kannten. Die Hälfte unseres Zuges war da schon geflüchtet. Dann marschierten wir von Winzer aus zu Fuß heim und ich kam dann zu Pfingsten wieder in Mantel an."

Franz Stangl ist auch ein Veteran des Zweiten Weltkrieges. Er wurde gleich zu Kriegsbeginn nach Stralsund zur Marine eingezogen. Dann erlebte er noch Kriegswirren in Norwegen und in Griechenland. Er wurde dreimal verwundet. Nach Kriegsende kam er nach Weiden, wo er noch etwa vier Wochen in einem Lager verbringen musste, bis er dann im August 1945 entlassen wurde. Längere Gefangenschaft blieb ihm erspart.

Das Kriegerdenkmal erinnert an die Opfer der Kriege. Auf der Tafel für den Zweiten Weltkrieg stehen 62 Namen von gefallenen Manteler Soldaten. Zudem gibt es eine Gedenktafel, auf der an 45 Vermisste des Zweiten Weltkriegs erinnert wird. Den vielen Familientragödien widmet sich der dritte Gedenkstein, hier stehen 37 Namen von gefallenen Brüdern, in 17 Familien fielen jeweils zwei Söhne.
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