Kein Jagen ohne Papa

Seit September hat Rebecca Friedrich (rechts) aus Mantel ihren Jugendjagdschein. In diesem Jahr meldeten sich in Bayern nur elf Mädchen unter 18 Jahren zur Prüfung an. Papa Markus (links) ist stolz auf seine Tochter. Bild: spi
Lokales
Mantel
28.11.2014
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Sie ist jung - 16 Jahre - und Jägerin. Eine Seltenheit in Bayern. Während sich die meisten Jugendlichen am Wochenende auf eine lange Disconacht vorbereiten, sitzt Rebecca Friedrich im Wald auf ihrem Jägersitz.

Im Dickicht knackst es. Ein Reh lugt zwischen den Tannenzweigen durch. Langsam traut es sich auf die Lichtung und zupft Grashalme ab. Die 16-Jährige legt das Gewehr an und zielt. Dann fällt ein Schuss. Wenn die Schülerin allerdings einen Hasen hoppeln sieht, bringt sie es nicht übers Herz, abzudrücken: "Ich hatte als Kind einen daheim." Bei Wildschweinen und Rehen macht ihr das Erlegen weniger aus. "Ich bin damit aufgewachsen. Mein Papa ist Jäger und sein Opa war es auch."

Seit 22. September hat Rebecca Friedrich ihren Jugendjagdschein. In diesem Jahr haben sich 1989 Bewerber in Bayern für einen Jagdschein angemeldet. Davon waren laut Peter Stieglbauer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Landshut 59 unter 18 Jahren.

Nur elf der minderjährigen Bewerber seien weiblich gewesen. Eine davon ist Rebecca. Jetzt darf sie die Tiere in dem Revier ihres Vaters Markus erlegen - allerdings nur in seiner Begleitung. Und mit seinem Gewehr. Ein eigenes darf sie noch nicht besitzen.

Nach ihrem ersten Schuss als ausgebildete Jägerin war Rebecca sehr aufgeregt: "Ich habe am ganzen Körper gezittert und war stolz, dass ich das Reh gut getroffen habe", erzählt sie. "Das war bei mir auch so", erinnert sich ihr Vater. "Das nennt man Jagdfieber." Beim nächsten Satz betonen beide jedes Wort: "Aber das Erlegen ist der geringste Teil." Es ist Rebecca wichtig, dass die Menschen verstehen, dass es nicht ums Abdrücken geht. Besonders, wenn Freunde und Klassenkameraden ihr vorwerfen, Bambi erschossen zu haben. Das trifft die 16-Jährige. "Wir fahren zwanzig Mal in den Wald, bevor wir einmal schießen."

Waldtiere pflegen

Oft streifen Vater und Tochter durch das Revier bei Mantel, suchen auf dem Waldboden nach Tierspuren, oder legen Äsungswiesen an. Auf dem rund 180 Hektar großen Revier stellen sie Salzlecksteine auf - damit die Rehe Mineralien bekommen. Schon als Vierjährige habe Rebecca mit ihrem Vater stundenlang den Wald erkundet. "Die Tiere zu beobachten, macht am meisten Spaß."

Ein Jahr lang lernte Rebecca für den Jagdschein. Zwei Abende pro Woche, jeweils drei Stunden lang, fand der Ausbildungskurs statt. "Wir haben das Verhalten, die Fortpflanzung und Krankheiten der Wildtiere kennengelernt. Die Forstwirtschaft, oder der Umgang mit Waffen gehörten auch dazu", erinnert sie sich. Rund 1200 Fragen müsse man lernen. "Ich habe bewusst so früh damit begonnen, weil ich als Schülerin noch Zeit für den Kurs finde." Später will sie Forstrevierleiterin werden.

Die praktische Prüfung beinhaltet auch das Schießen auf eine 100 Meter entfernte Scheibe. Drei Kreise mit verschiedenen Radien sind das Ziel. Stolz hält die 16-Jährige ihre Zielscheibe hoch. Die Einschusslöcher sind deutlich zu sehen - getroffen. Seit sie ihren Jagdschein hat, war Rebecca fast jede Woche im Wald. Zwei Rehe hat sie seitdem erlegt. Tage vorher verteilte sie auf den Lichtungen Futter, um die Tiere anzulocken. Oder anzukirren, wie es in der Jägersprache heißt. "Ich höre das Tier meistens, bevor ich es sehe", lacht sie. Fühlt sich das Wild auf der Lichtung sicher, greift Rebecca vorsichtig zum Fernglas. "Nur die schwächeren Tiere werden erlegt", sagt sie. "Wenn auf einem Gebiet zu viele Rehe sind, erlaubt die Jagdbehörde, dass wir ein paar erlegen", weiß Vater Markus.

Sofort nachladen

Beim Jagen müsse das Reh mit der Vorderseite zum Jäger stehen. "Wir schießen aufs Blatt", erklärt Rebecca. "In den Herz-Lungen-Bereich." Nach dem Schuss muss sofort nachgeladen werden. "Falls der erste daneben ging und man noch einmal schießen kann, damit das Tier nicht leidet."

Dann transportieren sie es zur Wildkammer. "Dort sieht es aus wie beim Metzger. Ein Tisch, ein Kran, Fliesen und ein Ablauf", beschreibt die 16-Jährige den Raum. "Mit Handschuhen nehmen wir die Innereien raus. Schön ist es nicht", meint sie. "Aber wenn ich das Tier erlege, muss ich es auch verarbeiten." Einmal im Monat gebe es bei Familie Friedrich Wildfleisch. "Auch als Jäger isst man mal Spaghetti", scherzt Vater Markus. Hasenbraten gibt es allerdings nicht.
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