Mutbürger auf dem Ökotrip

Lokales
Mantel
27.09.2014
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Fünf Jahre nachdem sie auf ökologische Landwirtschaft umgesattelt haben, sind sich Josef König und Sohn Lorenz aus Rupprechtsreuth sicher: "Das war die beste Entscheidung unseres Lebens."

(sei) 2006 gründete die Familie dazu eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Sohn Lorenz hatte damals in Almesbach erfolgreich seinen Agrar-Betriebswirt absolviert und sollte in den Betrieb integriert werden.

2009 war die Situation in der Landwirtschaft äußerst unbefriedigend, erläutert der Senior. Die Erträge waren zwar gut, aber die Preise im Keller. Für einen Doppelzentner Roggen bekamen die Landwirte damals acht Euro. "So konnte es nicht weitergehen. Wir mussten was ändern." Agrargaserzeugung erschien ökologisch unsinnig, also entschieden sich die Königs für ökologischen Landbau.

Tipps von der Expertin

Einen Impuls dazu erhielten sie von "Naturland"-Beraterin Anja Baumert, die mit ihrem Lebensgefährten in Preppach einen Biohof betreibt. Das Paar stammt eigentlich aus München. Sie studierte Agraringenieurin und hat sich vor einigen Jahren mit ihrem Partner die Landwirtschaft in Preppach bei Leuchtenberg gekauft.

Zurück nach Mantel: "So manche Mehrarbeit durch die Umstellung auf Biobauer ist keine Belastung. Die Arbeit macht Freude", versichert Josef König. Bei ihm kommen Feldhacke und Ampferstecher zum Einsatz. Den Verzicht auf Spritzmittel und mineralischen Dünger bemerken wir an der Natur um unseren Hof. Wir beobachten vermehrt Schmetterlinge und Libellen, wir haben Schwalben am Hof, und am Morgen steigen die Lerchen auf und trällern."

Ingrid König hat, als sie die Erdäpfel vorgegraben hat, auf dem Acker zehn Eier mit jungen Eidechsen gefunden, die dann geschlüpft sind. Lorenz bestätigt, dass auf dem Hof kein Soja verwendet wird. Als Eiweißlieferant für seine Tiere dient das auf 20 Hektar angebaute Kleegras, das zugleich als Bienenweide wertvolle Dienste leistet. "Unser Mais ist größer und stärker als der unserer landwirtschaftlichen Kollegen. Er muss sich gegen das Unkraut durchsetzen und bildet so wesentliche größere Wurzelballen und wächst dann besser und stärker." Die Familie hofft auf viele Nachahmer denn laut Landwirtschaftsminister Helmut Brunner soll es in Bayern bis 2020 20 Prozent ökologische Betriebe geben.

Weniger Druck

In Mantel gibt es bislang nur den einen. Viele trauten sich nicht umzustellen. "In der Schule haben sie das leider auch nicht gelernt", bedauert Josef. "Wir haben zwar manchmal mehr Aufwand, weil man überlegt handeln muss, aber auch weniger Stress, denn der Druck nach Termin Unkrautvernichtungsmittel zu spritzen und Mineraldünger aufzubringen fällt weg. Wir müssen die Fruchtfolge so gestalten dass es vom Ertrag her und vom Unkrautaufkommen halt passt."

Das heißt, keinesfalls auf Mais wieder Mais anbauen. Durch die Regenwürmer und Verwurzelung seien die Böden besser durchlüftet, und durch die richtige Fruchtfolge könnten die Äcker auch mehr Wasser speichern und Klimaextreme abfedern.

Der Erfolg gibt den Königs Recht. Sie belegten 2014 Platz sechs bei der "Wiesenmeisterschaft" des Landesamtes für Landwirtschaft und des Bundes Naturschutz für ihre "untere Pfaffenwiese", wo der kriechende scharfe Hahnenfuß wächst und die Kuckucks-Lichtnelke.

Überdies hat die Familie "Glück im Stall". Die Kuh "Unikat" bestätigt ihren Namen. Sie hat zum zweiten Mal hintereinander gesunde Drillinge geboren. Die 65 Milchkühe der Königs dürfen auch bei schönem Wetter jeden Tag auf die Weide. Das bringt zwar nicht mehr Milchleistung, aber bessere Milch.

Bessere Milch

Wie Anja Baumert bestätigt, enthält diese Milch wesentlich mehr gesunde Omega-3-Fettsäuren. Mit diesem Wissen schmeckt der von Ingrid König selbst hergestellte Frischkäse, den sie zur Brotzeit servierte, noch besser. Durch das gesunde Umfeld bei den Königs haben sich auch Fledermäuse angesiedelt. Auf dem Hof leben ferner 50 Hühner, zwei Zwergziegen, sechs Katzen und eine Schar Enten. Dazu kommen die menschlichen Bewohner: Josef und Ingrid König, Sohn Lorenz mit Ehefrau Ingeborg und den Kindern Johannes (6), Anton (4) und Franziska (2).

Plus in der Kasse

Sie bewirtschaften 80 Hektar, drei Viertel davon sind dazugepachtet. In manchen Bereichen sind die Erträge zwar kleiner geworden, aber dafür sparen die Königs an Dünger und Spritzmittel. Zudem bekommen die Biobauern mehr Geld für die Milch. Auch Öko-Getreide bringt den doppelten Preis. Obendrein fallen die staatlichen Ausgleichsprämien höher aus. "Auf alle Fälle weist unsere Buchführung ein Plus auf." Ökologische Landwirtschaft ist laut Josef König vor allem für Betriebe mit Milchwirtschaft interessant und auch für Direktvermarkter. Reine Ackerbauern hätten es schwerer.
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