Rauchclub bereitet sich auf 125-jähriges Bestehen vor - Inzwischen sind auch Frauen willkommen
Nur Tabak nicht mehr Tradition

Lokales
Mantel
19.09.2015
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Der Rauchclub gilt als einer der traditionsreichsten Vereine in der Marktgemeinde Mantel. Seit nun knapp 125 Jahren beherzigen die mittlerweile 97 Mitglieder den in Paragraf 1 Der Satzung festgelegten "Sinn und Zweck, die gesellige Unterhaltung zu pflegen". Das geschieht bei den wöchentlichen Gesellschaftsabenden. Jeweils am Mittwoch wechseln die Lokalitäten durch die noch verbliebenen Gaststätten in der Gemeinde.

Seit den Neuwahlen Anfang des Jahres ist frischer Wind eingezogen, die verjüngte Vorstandschaft um Bürgermeister Stephan Oetzinger hat bereits im Vorfeld des Gründungsjahres mit einer Bierwanderung durch das Gebiet um Aufseß und mit einer Rundfahrt über den Truppenübungsplatz Grafenwöhr auch bei Nichtmitgliedern breites Interesse ausgelöst.

Festkommers

Die Vorbereitungen für das Jubiläumsjahr sind ebenso angelaufen. Selbstverständlich ist ein Festkommers mit Mitgliederehrungen geplant. Ein Preisschafkopf soll sich orientieren an dem zum hundertjährigen Bestehen. Vor 25 Jahren lobte der Rauchclub immerhin 500 D-Mark für den Sieger aus, der an 36 Tischen ermittelt wurde.

Auch die Zahl der Mitglieder soll wieder die Hunderter-Schwelle überschreiten. Da neben der "geselligen Unterhaltung" über Kommunales, die große Politik oder den Sport ein gepflegter Schafkopf zu den Gesellschaftsabenden gehört, ist daran gedacht, Anfängern und Fortgeschrittenen dieses bayerischen Kartenspiels jeden Mittwoch unter Anleitung erfahrener Kartler Tipps und Kniffe zu vermitteln.

Willkommen sind natürlich auch Frauen. Seit der Gründerzeit bis weit in die Nachkriegsjahre war der Rauchclub ein reine Männer-Angelegenheit. Auch das überlieferte Motto "Drückt Dich ein Kummer, drückt Dich ein Schmerz, stopf Dir ein Pfeifchen, und leichter wird's Herz" belegt, das Frauen nicht gefragt waren. Eine Fotografie aus den 1930er Jahren zeigt die Mitglieder in Festkleidung, der Großteil mit Pfeife in der Hand. Es waren die Honoratioren der Gemeinde, denn Mitglied konnte nur werden, wer eine "Sach" hatte, also Haus-und Grundbesitz.

Günstiger Beitrag

Heute hat sich der Club längst angepasst. Mit der langjährigen Unterkassiererin Gerlinde Adam wurde 1984 die erste Frau aufgenommen, inzwischen sind es zwölf. Mitglied kann "jede Person werden, die das 18. Lebensjahr vollendet hat". Aber die Aufnahmeprozedur hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht verändert (siehe Hintergrund).

Gleich geblieben ist auch ein konkurrenzlos günstiger Jahresbeitrag von fünf Euro, der mindestens zwei Essen einschließt, gleich geblieben ist auch der Gesellschaftstag am Mittwoch, trotz der Fußball-Übertragungen.

Die schwerwiegendste Änderung haben die Mitglieder weggesteckt: Geraucht wird - wenn überhaupt- zwischendurch im Freien, die Nichtraucher sind inzwischen deutlich in der Mehrheit.
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