Vertrauen in die Führung
Kreis-SPD sucht neue Mitglieder

Oskar Schwarz (Dritter von links) führt seit 40 Jahren die Chronik des SPD-Kreisverbands und gehört der Partei seit sechs Jahrzehnten an. Dafür dankten (von links) Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch, Kreisvorsitzende Annette Karl und die weiteren Stellvertreter Bernhard Stangl, Jürgen Kürzinger und Maria Sauer (von rechts). Karl bleibt mit einem herausragenden Ergebnis Kreischefin. Bild: bey
Politik
Mantel
18.10.2016
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Annette Karl bleibt unangefochten SPD-Chefin. In der Kreiskonferenz in der Manteler Mehrzweckhalle schenkten ihr die Delegierten ohne Gegenstimme das Vertrauen. Doch auf die Neustädterin wartet eine schwere Aufgabe.

Ohne Umschweife räumte Karl ein, dass die Mitgliederzahl im Kreis beständig nach unten zeigt. Das gelte es umzukehren. Ihr zur Seite stehen bei dieser Herausforderung ihre Stellvertreter Uli Grötsch und Jürgen Kürzinger, die ebenfalls ein geschlossenes Votum genossen.

Zurzeit haben die Sozialdemokraten zwischen Eslarn und Kirchenthumbach 1580 Mitglieder. 2016 standen den 70 Eintritten und 10 Zuzügen 99 Austritte, 65 Todesfälle und 25 Wegzüge gegenüber, unter dem Strich ein Minus von 111 Mitgliedern. Im Landkreis sei die SPD dennoch gut aufgestellt, versichert Karl. Eine Wiederbelebung zeige sich mit den Neuaufnahmen von Mitgliedern in Pleystein, Tännesberg und Waidhaus.

Die Ortsvereine Pleystein, Mantel und Waidhaus mit ihren Vorsitzenden Werner Rieß, Daniela Fuhrmann und Irmgard Bothen bekamen für die Werbung sechs neuer Mitglieder große rote Sonnenschirme. Karl zeichnete Oskar Schwarz als "Gedächtnis des Kreisverbands" aus. Seit vier Jahrzehnten ist der Neustädter auf Kreisebene Schriftführer und hat laut Karl ein beispielloses Archiv aufgebaut. Gleichzeitig dankte sie ihm für 60 Jahre in der Partei.

Kümmern statt hetzen


Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch nannte die Delegierten "das Rückgrat der SPD in der Oberpfalz". Der SPD-Kreisverband Neustadt sei schließlich der größte im Regierungsbezirk und einer der drei größten in Bayern. Die Probleme der SPD hätten alle Volksparteien. "Wir laufen aber auch den braunen Rattenfängern in diesen Zeiten nicht hinterher", sagte er unter Beifall. Es sei aber auch mit Blick auf das derzeitige Parteiensystem notwendig, an bestimmte Veränderungen zu denken. "Politik muss Kümmerer sein, auch direkt vor Ort." Mit deutlichen Worten verurteilte Grötsch die ungerechte Verteilung des Reichtums in Deutschland.

Verdi-Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner forderte ein aktives Bemühen um die Flüchtlinge. Unübersehbar sei der Rechtsruck vor allem im Osten Deutschlands. Die Frage sei, warum weite Teile der Bevölkerung dafür so viel Verständnis aufbrächten. Die Antwort lieferte Gröbner gleich mit: Wohnungsnot, Abbau von Sozialwohnungen und besonders sichtbar die Zustände der Straßen. Gleichwohl sei das Auseinanderdriften des Wohlstands ein beängstigender Umstand.

Ausdrücklich warnte Gröbner vor der derzeit noch nicht abschätzbaren Altersarmut in Deutschland und sprach sich für ein Anheben des geplanten Rentenniveaus im Jahr 2030 von 43 Prozent aus.

Karl sprach in ihrer Bestandsaufnahme der letzten zwei Jahre von einem "desolaten Zustands Europas", von Krisenherden und damit verbundenen Flüchtlingsströmen. Dabei sei es notwendig, den Begriff "Wirtschaftsflüchtlinge" differenzierter zu betrachten. Der in der Bundesrepublik aufkommende Rechtspopulismus habe zuletzt seinen negativen Höhepunkt bei den Einheitsfeiern in Dresden erlebt. "Ich bin wirklich entsetzt, dass es heute wieder salonfähig ist, wenn auf übelste Weise gehetzt wird".

Kritik an Markus Söder


Die Landtagsabgeordnete bedauerte, dass die Leistungen der großen Koalition von den Bürgern nicht anerkannt würden. Zur bevorstehenden Bundestagswahl müsse die SPD ein Rentenkonzept vorlegen und gleiche Löhne für Mann und Frau durchsetzen. Probleme bei Kinderbetreuung, Integration und Inklusion würden auch die Parteibasis belasten.

Höchst kritische Worte fand die bayerische Landesvize für Finanzminister Markus Söder: Er hetze täglich gegen Flüchtlinge, stelle die kleinen Renten für die Frauen heraus und verbinde dies mit den Leistungen für die Flüchtlinge. Wer aber staatliche Wohnungen regelrecht verscherble, könne nicht Ministerpräsident werden.

Der SPD-VorstandAn den Neuwahlen beteiligten sich 73 Delegierte. Annette Karl erhielt wie Uli Grötsch und Jürgen Kürzinger 72, Maria Sauer und Bernhard Stangl ergatterten 71 Stimmen. Schriftführer bleiben Oskar Schwarz und Günter Stich. Johanna Krauß kümmert sich weiterhin um die Finanzen. Die Organisationsleiter heißen Dominik Brütting, Heinrich Rewitzer und Alfred Wulfänger. Neue Bildungsbeauftragte ist die Schirmitzer Ortsvereinsvorsitzende Nicole Bäumler. Die Senioren vertritt Helmut Fastner, die Jusos Florian Pfannenstein, die AsF Silvia Szydlik. Als Beisitzer fungieren Mirko Bertl, Eleonore Dressler, Stefan Fichtner, Birgit Gerlach-Kneissl, Peter Gruber, Karl Hauser, Harald Hammer, Christoph Hanauer, Karl Kick, Margit Kirzinger, Robert Lindner, Sabine Müller, Josef Schmid, Alexandra Schwerin-Fortner, Silke Tanner, Michaela Treml, Thomas Weiß und Johannes Zeug. Die Kasse prüfen weiterhin Dieter Neubauer und Franz Witt. (bey)
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