Kölnerin erinnert sich an Schloss Steinfels
Unterschlupf hinter dicken Mauern

Das Schloss Steinfels bei Mantel mit der angrenzenden Kapelle droht zu verfallen. Die Kölnerin Inge H., Enkelin des damaligen Guts- und Schlossbesitzers Hugo Auvera, kam als Neunjährige in den kleinen Ort und erinnert sich an die Zufluchtsstätte ihrer Familie. Bild: sei
Vermischtes
Mantel
02.01.2016
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Der NT-Bericht "Rettung aus dem Fördertopf" vom 26. November 2015, der den dringend sanierungsbedürftigen Zustand der Schlosskapelle St. Maria in Steinfels bei Mantel beschreibt, hat bei der Leserin Inge H. in Köln Kindheits- und Jugenderinnerungen geweckt.

Steinfels. Die 81-jährige Enkelin des damaligen Guts- und Schlossbesitzers Hugo Auvera wurde an ihrem neunten Geburtstag, im November 1943 zusammen mit Mutter und Bruder aus dem zerbombten Schweinfurt evakuiert. Beim Großvater in Steinfels fand die junge Familie Unterschlupf. Aber nicht nur für die Verwandtschaft standen hier die Türen offen. Auch für viele Flüchtlinge aus dem Osten Deutschlands - vorwiegend aus Schlesien - wurden Schloss und umliegende Gutshäuser zum Zufluchtsort. Die dicken Mauern und die einstige gute Bausubstanz des Schlosses hat Inge H. noch in guter Erinnerung. "Nicht einmal das Hochwasser der direkt angrenzenden Haidenaab konnte dem Schloss gefährlich werden. Sogar die Kellermauern hielten dem Wasser stand".

Kleine Kohleöfen wärmen


In der kalten Jahreszeit wurden die Fenster mit Zusatzfenstern versehen. Auf der zweiten Etage wärmte ein großer Kachelofen. In den übrigen Räumen standen kleine Kohleöfen. Fließendes Wasser und Heizöfen in den Bädern waren weitere Pluspunkte, die in positiver Erinnerung geblieben sind. Auch an den direkten Zugang vom Schloss in die angebaute Kapelle erinnert sich die Kölnerin noch genau, die nach den Kriegswirren die Oberrealschule für Mädchen in Weiden besuchte.

Und auch das alljährliche Fest am 15. August mit dem "vollkommenen Ablass" und dem Festbetrieb im Eichenhain sind der evangelischen Christin in Erinnerung geblieben. Als Zeichen von ökumenischen Ansätzen wertet sie heute die Tatsache, dass der evangelische Großvater beim Ablassfest die jeweiligen katholischen Bischöfe aus Regensburg bewirtete. An sie und die Diözese Regensburg wandte sich der Schlossbesitzer schließlich mit der Bitte, in der Schlosskapelle auch Gottesdienste für die Evangelischen halten zu dürfen, nachdem deren Zahl stark angestiegen war. "Matsch bei Regen, jede Menge Schnee im Winter auf unbefestigten Wegen und so gut wie keine Fahrgelegenheiten - außer mit Leiterwagen oder Fahrrad - haben damals die Abgeschiedenheit von Steinfels zum Problem werden lassen."

Halbherziges Simultaneum


Der großväterliche Antrag, den Evangelischen den weiten Weg nach Mantel zu ersparen, habe ziemliche Diskussionen ausgelöst, erinnert sich Inge H. "Einmal im Monat evangelischer Gottesdienst, ohne Einbeziehung des Hochaltars (am Gitter wurde ein Tisch davor gestellt), ohne Benützung des Harmoniums und ohne Glockengeläut", so habe schließlich die Erlaubnis gelautet. Trotzdem hätten sich die Evangelischen über das "etwas halbherzige Simultaneum" gefreut.

Wenig Freude herrscht bei Inge H. dagegen, wenn sie heute Steinfels besucht. "Es ist sehr schade, dass das Schloss nun so dahin dämmert und total vergammelt", bedauert sie. Umso erfreulicher bewertet sie die geplanten Sanierungsmaßnahmen der Schlosskapelle, in der - ganz im ökumenischen Sinn - dann sicherlich auch evangelische Christen willkommen sein werden, um ihre Gebete dort zu verrichten, oder um die Schönheit der Kapelle zu bewundern.
Es ist sehr schade, dass das Schloss nun so dahin dämmert und total vergammelt.Inge H. zum Zustand von Schloss Steinfels
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