Seit 125 Jahren treffen sich Mantler Männer im Rauchklub zum Karteln und Politisieren
Probier’s mal mit Gemütlichkeit

Vermischtes
Mantel
14.05.2016
68
0

"Drückt Dich ein Kummer, quält Dich ein Schmerz, stopf Dir ein Pfeifchen, und leichter wird's Herz." Der Zweizeiler beschreibt sehr gut die emotionale Leichtigkeit des Rauchklubs Mantel bei seiner Gründung. 1891 wurde der Verein aus der Taufe gehoben - vor 125 Jahren.

Zum Festkommers hatte der Klub alle Vereine in die Mehrzweckhalle eingeladen. In einer Bilderpräsentation ließen Vorsitzender Stephan Oetzinger und Schriftführer Christoph Müller die Geschichte des drittgrößten Vereins des Marktes Revue passieren. Die Wirtshausmusikanten Kare, Herbert und Reini umrahmten den Abend.

Die Pfeife war lange Zeit das Aushängeschild des Rauchklubs. Mitglieder waren über Jahrzehnte nur Männer, die eine "Sach" (Anwesen, Besitz) vorweisen konnten. Erst 1984 kam mit Gerlinde Adam die erste Frau dazu. Im Rauchklub wurde die Geselligkeit gepflegt: bei Faschingsbällen und Kappenabenden, beim Kartenspiel und den wöchentlichen Wirtshausbesuchen - immer in einem anderen Gasthaus.

Noch sechs Wirtshäuser


Diese Gepflogenheit ist bis heute erhalten geblieben, wenn auch nur noch sechs Gaststätten dem alten Brauch als Anlaufstellen dienen: die Gaststätte Krink, das Sportheim, die Gasthäuser "Zum Hauptmann", "Zum Hallermichl", "Zur Post" und der "Pleitegeier".

Heutzutage treffen sich die Mitglieder vorrangig zu einem gemütlichen Schafkopf. Wer keinen Anschluss gefunden hat, setzt sich an einen der Tische und schaut zu. Oder es wird über die aktuellen Tagesereignisse diskutiert. Die Neuaufnahme von Mitgliedern ist durch eine geheime Prozedur geregelt. Eine Kugel, schwarz oder weiß, muss in die Wahlurne geworfen werden. Mit einer weißen Kugel stimmt man für, mit einer schwarzen Kugel gegen die Aufnahme des neuen Bewerbers.

Der Verein hat eine eigene Satzung. Auf dem Programm stehen Zoigl-Abende, Tagesfahrten, Preisschafkopf und Preiswatten. Alljährlich im Januar wird der Christbaum versteigert. Landrat Andreas Meier lobte das belebende Element der Tradition und hofft, dass durch den ständig wiederkehrenden Besuch der Gaststätten dem Wirtshaussterben erfolgreich Einhalt geboten wird.

Vize-Rathauschefin Rita Steiner gratulierte für den Markt und sah in der Einführung des Nichtrauchergesetzes einen kleinen Wermutstropfen für die alte Tradition des Rauchklubs. Dritter Bürgermeister Richard Kammerer sah im Rauchklub ein Vorbild für viele Vereine und dankte den Mitgliedern für ihre Treue.

Gemeinsam mit Landrat Meier, Steiner und Kammerer nahm Bürgermeister Stephan Oetzinger die Ehrungen vor: Erwin Klemm junior, Reinhold Meier und Franz Sperl erhielten die Urkunde für 15-jährige Treue. Die Urkunde für 20 Jahre Treue wurde verliehen an Hans Fenzl, Hans Heindl, Josef Klement und Josef Wittmann. Die Ehrungen für Herbert Birner und Josef Krauß (35 Jahre Treue) sowie für Georg Kraus (40 Jahre Treue) werden nachgereicht.

Für mehr als 50 Jahre Mitgliedschaft und für besondere Verdienste um den Rauchklub wurden Karl Beyer, Hans Biller, Martin Dietrich und Erwin Klemm senior mit Ehrenurkunden ausgezeichnet.

Am Ende ein Schafkopf


Nach dem Festkommers sammelten sich sehr schnell mehrere Vierergruppen und wandten sich in gemütlicher Runde dem altvertrauten Schafkopfspiel zu.
Weitere Beiträge zu den Themen: Vereinsleben (5)Rauchklub Mantel (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.