Podiumsdiskussion zum Pflegestärkungsgesetz - Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar (SPD) ...
Zuwendung statt Minutenpflege

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar fordert in der Pflege "mehr menschliche Zuwendung". Bild: rid
Lokales
Maxhütte-Haidhof
15.07.2015
9
0
Sterbehilfe war an diesem Abend kein Thema. Bei der SPD-Veranstaltung im Schützenhaus gingen die Diskussionsteilnehmer ausschließlich der Frage nach: "Wie lässt sich gute und menschenwürdige Pflege organisieren?" Die Gesprächsteilnehmer waren sich einig in der Forderung: "Weg von der Minutenpflege, hin zu mehr menschlicher Zuwendung".

Doch das kostet Zeit und Geld. "Mit dem Pflegestärkungsgesetz haben wir die Mittel erheblich aufgestockt", betonte Sabine Dittmar. Die stellvertretende gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion war auf Einladung ihrer Fraktionskollegin Marianne Schieder nach Maxhütte-Haidhof gekommen. Es stehe mehr Geld für die ambulante Pflege zu Hause und zur Entlastung der Angehörigen zur Verfügung. Auch stationäre Einrichtungen, die ihren Mitarbeitern Tariflohn bezahlen, bekommen mehr Geld.

Für die Medizinerin, die vor dem Einzug ins Parlament 15 Jahre als Hausärztin gearbeitet hat, müsse der Begriff der "Pflegebedürftigkeit" auf den Prüfstand. Körperliche, psychische oder kognitive Defizite seien bei der Einstufung in Pflegegrade gleichwertig zu behandeln. Sabine Dittmar möchte auch stärker danach fragen: "Wie kann der Pflegebedürftige am Leben teilhaben?" Hinwendung und Unterstützung sind für die SPD-Politikerin die entscheidenden Kriterien. Nachholbedarf sieht sie in der Palliativversorgung. "Wir müssen die Voraussetzungen für eine würdevolle Begleitung verbessern". Mit stärkerer finanziellen Unterstützung der Hospizbegleiter und der Angehörigen. Defizite erkennt die Abgeordnete ferner in der Beratung. Sie wünscht sich die Schaffung von Pflegestützpunkten oder Fachstellen für pflegende Angehörige.

Der Pflegedirektor am St. Barbara-Krankenhaus, Frank Hederer, meldete sich zur Wort und sprach von einer "Arbeitszeitverdichtung in den stationären Einrichtungen sondergleichen". Das Limit für das Pflegepersonal in den Krankenhäusern sei erreicht, betonte der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes für stationäre Pflegeeinrichtungen.

Für Bezirksrat Volker Liedtke stellt sich die zentrale Frage: "Wie können wir genügend Pflegenachwuchs rekrutieren?" Dazu sei es neben einer besseren Bezahlung des Personals auch erforderlich, das Thema "Pflege" in der öffentlichen Diskussion stärker zu verankern. MdB Sabine Dittmar erkennt hier allerdings positive Signale: "Die Schülerzahlen an den Fachschulen steigen stetig an". Sie will das Berufsbild mit einem akademischen Zweig zusätzlich aufwerten. Eine Altenpflegerin beklagte den knappen Personalschlüssel bei den privaten Pflegediensten. Bei diesen engen Zeitfenstern bleibe für Zuwendung und Unterstützung des Patienten kaum Zeit.

Vertreter von sozialen Einrichtungen gaben bei der Podiumsdiskussion ihre Einschätzungen zum neuen Gesetz und zur Situation der Pflege ab.

Alfred Braun

BRK-Direktor Alfred Braun ist verantwortlich für zwei stationäre Einrichtungen im Landkreis und sieht im neuen Pflegestärkungsgesetz gute Ansätze. "Jetzt können wir auch Zusatzpflegekräfte beschäftigen , die wir dringend brauchen". Eine Schritt nach vorne sieht er auch in der gesetzlichen Verankerung: Wer Tariflohn zahlt, muss finanziell besser gestellt werden. Kritik übte Alfred Braun am knappen Personalschlüssel für den Nachtdienst: "Hier sind Nachbesserungen erforderlich".

Wolfgang Reiner

Wolfgang Reiner ist Caritas-Kreisgeschäftsführer und sieht im "Spagat zwischen Menschlichkeit und Wirtschaftlichkeit" die große Herausforderung. Beratungen und begleitende Dienste seien immer noch nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen enthalten, kritisierte der Träger ambulanter Dienste. Wolfgang Reiner vermisst die gesetzgeberischen Grundlagen für die Pflege von morgen. "Die Pflege darf nicht mechanisch ablaufen, sie muss sich um den Menschen kümmern".

Dr. Wolfgang Laaths

Dr. Wolfgang Laaths, Vorsitzender des Hospizvereins für die Stadt und den Landkreis Schwandorf, springt mit seinen Helfern dann ein, "wenn die medizinische Betreuung endet". Er treffe auf einsame und verbitterte Menschen und versuche, ihnen in der letzten Phase des Lebens eine Perspektive zu geben. "Damit sie loslassen können". Dr. Laaths brach eine Lanze für die Hospizhelfer: "Ich kenne keinen Wichtigtuer oder Profilierungssüchtigen unter ihnen".

Dr. Christoph Balzer

Dr. Christoph Balzer, Chefarzt am St. Barbara-Krankenhaus, hob die Bedeutung des Palliativnetzwerkes im Landkreis hervor. "Hier ist Pionierarbeit geleistet worden". Für den Palliativmediziner ist nicht nur eine menschenwürdige Begleitung des Sterbenden wichtig, sondern auch "die Unterstützung der Angehörigen über den Tod hinaus". Im Landkreis seien die familiären Bande noch ausgeprägt. Dies erleichtere die Pflege zu Hause . Im Krankenhaus treffe der Patient auf Palliativpflegekräfte. (rid)
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.