Zum Tag des Rauchmelders erzählt eine 13-köpfige Familie von einer fatalen Nacht
Gefahr aus dem Keller

Nur ein kleiner Teil von Familie Rieger aus Maxhütte-Haidhof (Kreis Schwandorf) macht es sich am heimischen Esstisch gemütlich. Vater Christian und Mutter Sabine sind froh, dass ihren elf Kindern bei dem Brand im Januar dieses Jahres nichts Schlimmeres passiert ist. Bild: Gerhard Götz
Lokales
Maxhütte-Haidhof
13.11.2015
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Im Keller des Hauses brach das Feuer aus. Bild: hfz

Für den Fall, dass es bei den Riegers noch einmal brennen sollte, ist die 13-köpfige Familie jetzt gerüstet - mit Rauchmeldern, die über Funk verbunden sind. Das war beim ersten Mal nicht so. Zum heutigen Tag des Rauchmelders erzählt die Familie von der fatalen Nacht im Januar 2015.

Es vergeht kein Tag, an dem Familie Rieger aus Maxhütte-Haidhof (Kreis Schwandorf) nicht an den 3. Januar denkt. Die Nacht, in der das Feuer um sechs Uhr morgens im Keller ausbrach - im Zimmer eines der elf Kinder. "Das begleitet uns bis ans Lebensende", meint Mutter Sabine. "Die Kinder sind traumatisiert. Sie schlafen nur noch in Anziehsachen", pflichtet Ehemann Christian seiner Frau bei. Aus Angst vor einem zweiten Brand.

Überall Gepiepse

"Der Auslöser war eine Lampe im Keller beim Großen", erzählt der Familienvater. "Er sagt, die ist explodiert." Das heiße Glas hat sich in die Matratze eingeschmolzen. Der Stoff fing Feuer. Sohn Markus habe zwei seiner Brüder geweckt, die ebenfalls im Keller wohnen. Zu dritt versuchten sie noch, das Feuer zu löschen. Schafften es nicht und liefen auf die Straße. "Wir sind am Dachboden durch die Schreie der Jungs auf der Straße wach geworden", erinnert sich die 51-Jährige. "Da wollte ich eh noch eine Familien-Diskussion starten. Wäre gut gewesen, uns zu retten, aber man reagiert da falsch", meint der Vater im Rückblick.

Den Rauchmelder, der im Keller Alarm geschlagen habe, hat die Familie nicht registriert. "Der warnt erst, wenn der Rauch schon im Zimmer ist. Da ist es aber eigentlich schon zu spät", meint der 54-Jährige. "Die Feuerwehr hat gesagt, dass es bei uns überall gepiepst hat." Allerdings erst, als das komplette Haus qualmte.

"Die Tür zum Keller war durchgebrannt, die Haustür offen. Das ist wie in einem Schornstein." Überall sei es innerhalb von Sekunden kohlrabenschwarz gewesen, man habe nichts mehr gesehen. Nach und nach seien die Kinder aus dem Haus gelaufen - barfuß und im Schlafanzug. "Alle haben panisch geschrien", sagt Sabine Rieger. Aber einer fehlte. Der Jüngste, Jesaja, war noch oben. "Vanessa hat zwei Mal Luft geholt und ist ins Haus rein. Was hast du immer geschrien? Ich sterbe, ich sterbe, oder?", fragt Mutter Sabine ihren sechsjährigen Sohn. Der Bub nickt nachdenklich. Über das Fenster und eine Leiter kletterten beide schließlich ins Freie. Die Familie musste wegen Rauchvergiftungen ins Krankenhaus, aber alle waren außer Gefahr. Einige Kanarienvögel und Hunde überlebten dagegen nicht.

Spenden im Dutzend

Nach dem ersten Schreck waren die Sorgen groß: Mit elf Kindern über Nacht obdachlos. Die Suche nach einer vorübergehenden Bleibe sei für die Großfamilie schwierig gewesen, erzählen die Eltern. Nach ein paar Nächten im Hotel haben sie in der Nähe eine Wohnung gefunden. "Wir hatten nichts mehr. Dort waren noch Möbel drin." Das örtliche Möbel-Geschäft schenkte ihnen Matratzen - 13 Stück. "In der Stadt waren drei große Räume voll Spenden. Töpfe, Fernseher", erzählt Christian Rieger. "Die Ersthilfe wäre ohne soziale Netzwerke nicht in die Gänge gekommen." Anfangs gab es seine Hosengröße nicht. "Ich habe immer Unterhosen in 152 getragen. War sehr eng", schmunzelt er heute. Mittlerweile ist die Familie wieder zurück in ihrem Haus. Das meiste ist neu - bis auf die Küche. Alles andere ist weg: Fotos, Unterlagen, Daten auf dem Computer. Und auch neue Rauchmelder hat sich die Familie angeschafft.

Für kleines Geld hätten sich die Riegers damals einfache Geräte gekauft, die nur in dem Raum anschlagen, wo Rauch ist. Die Melder "sollen aber vernetzt sein", meint der 54-Jährige. "Wenn jetzt einer auslöst, dann kriegt man einen Tinnitus." Rieger dreht die runden Melder in seiner Hand. Sie sind über Funk miteinander verbunden. Löst einer aus, piepsen alle schrill. "Die machst du jetzt nicht an. Hör bloß auf", schimpft seine Frau Sabine, als er auf den Knopf drücken will. "Dann ist sofort Panik."

Tipps und Informationen zum Rauchmelder

Klein, aber ein Lebensretter: Am Tag des Rauchmelders erklärt Hans-Jürgen Schlosser, Pressesprecher der Feuerwehren im Landkreis Schwandorf, wie das Gerät funktioniert und gibt Tipps:

Funktion: Rauchmelder registrieren bei einem Brand Rauchgas und schlagen Alarm. Es ertönt ein schrilles Geräusch mit einer Lautstärke von mindestens 85 Dezibel. "Das Herzstück eines optischen Rauchmelders ist die Rauchkammer", sagt Schlosser. "An den Seiten der Rauchkammer sind Kaskaden angebracht, die dafür sorgen, dass Luft in die Rauchkammer einströmen kann, jedoch keine Insekten oder anderen größeren Partikel, da diese Fehlalarme auslösen können." In der Kammer befinden sich eine Diode und ein Empfänger. Die Diode sendet in regelmäßigen Abständen einen Lichtimpuls aus, der im Normalfall nicht auf den Empfänger trifft. Strömen Rauchpartikel in die Kammer des Melders, reflektieren sie das Licht auf den Empfänger. Das Warnsignal ertönt. "Die Feuerwehr wird nicht bei Auslösung eines Hausrauchmelders alarmiert. Diese sind zum Eigenschutz des Bewohners gedacht." Ein Notruf müsse über die Nummer 112 abgesetzt werden.

Installation: Rauchmelder müssen laut Schlosser im Schlaf-, Kinder-, Wohnzimmer, in der Küche und in Gängen angebracht werden. Er empfiehlt, den Melder an der Zimmerdecke zu befestigen, "da der Rauch nach oben steigt." Das Gerät soll in der Raummitte mit mindestens 50 Zentimeter Abstand zu den Wänden waagrecht befestigt werden - nicht in der Nähe von Luftschächten, Zugluft und nicht in Räumen, in denen starker Dampf, Staub oder Rauch entsteht. Für die Anbringung sei der Bauherr oder Eigentümer verantwortlich.

Qualität: Geprüfte Rauchmelder sind im Elektrofachmarkt erhältlich. "Kaufen Sie nur Rauchmelder, die mit dem CE-Zeichen inklusive Prüfnummer und der Angabe der ,EN14604' versehen sind", informiert Schlosser. Allerdings verweise dieses Zeichen nur darauf, dass das Produkt in Europa verkauft werden darf. Zusätzlich gebe es noch ein unabhängiges Qualitätszeichen: das "Q", das für Rauchmelder mit erweiterter Qualitätsprüfung stehe. Ob die Geräte funktionieren, könne man mit einem Testknopf prüfen. Ein "Rauchmelder ist nach Herstellerangaben zu überprüfen, mindestens jedoch einmal im Abstand von zwölf Monaten." Wie das funktioniert, steht in der Gebrauchsanweisung.

Nachrüstpflicht: Der Bayerische Landtag hat laut Schlosser am 29. November 2012 mit dem Gesetz zur Änderung der Bayerischen Bauordnung und des Baukammerngesetzes beschlossen, für Neubauten und den Bestand von Wohnungen eine gesetzliche Rauchwarnmelderpflicht einzuführen. Der Artikel 46 Absatz 4 Bayerische Bauordnung verpflichtet dazu. Für neue Wohnungen gilt die Verpflichtung mit Baubeginn ab 1. Januar 2013, außer für Wohnungen in Sonderbauten wie Hochhäuser. "Die Eigentümer vorhandener Wohnungen sind verpflichtet, diese bis 31. Dezember 2017 entsprechend auszustatten", erklärt Schlosser.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.rauchmelder-lebensretter.de
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