Oberpfälzer konstruiert Elektro-Fahrräder
Mit E-Bike King of the Road

Hadrien Dorfman ist oft mit einem seiner E-Bikes von Deglhof nach Regensburg unterwegs. "Fahrten, die zum Vergnügen werden", strahlt er. Bilder: hou (2)
Wirtschaft
Maxhütte-Haidhof
12.05.2016
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Ausgewählte Teile wieden Rahmen kauft Hadrien Dorfman. Dann beginnt in seiner Bike-Schmiede der Zusammenbau, den er bis zur letzten Speiche selbst ausführt. Dabei ist der Ingenieur für die ausgefallensten Ideen offen.

Der Mann ist ein Tüftler. Muss er auch sein als Ingenieur des Maschinenbauwesens. Früher brachte der 34-Jährige sein Wissen bei der Bagger-Produktion ein. Jetzt stellt Hadrien Dorfman in Handarbeit Fahrräder her.

Einen Verkaufsraum gibt es nicht. Denn kommen, ansehen und gleich mitnehmen ist unmöglich. Gut Ding will Weile haben. Das gilt auch für alles, was der perfekt Deutsch sprechende Franzose Hadrien Dorfman macht. Der 34-Jährige stammt aus Grenoble, studierte dort Maschinenbau, kam beruflich zu einem weltbekannten Bagger-Hersteller und arbeitete in dessen Wackersdorfer Werk.

Einige Zeit später ging Dorfman nach Regensburg und gründete eine Firma für Mini-Windkraftanlagen. "Doch eigentlich wollte ich immer Fahrräder bauen", erzählt der Jungunternehmer. Diesen Lebenstraum, unterlegt mit immer neuen Ideen, kann er in Deglhof, einem kleinen Vorort von Maxhütte-Haidhof (Kreis Schwandorf), verwirklichen. Mit Nachfragen, die sich Hadrien Dorfman in solcher Form selbst nie hätte vorstellen können. Vor dem kleinen Haus, in dem der Ingenieur mit seiner Lebensgefährtin wohnt, stehen fünf E-Bikes, deren Anblick ahnen lässt, dass in den Werkstatträumen - untergebracht in einem Garagenanbau - Außergewöhliches entsteht. "Ihr müsst eine Runde drehen", empfiehlt Dorfman. Wenn sie absolviert ist, dominiert das Gefühl: Auf solche Weise ist man bisher nie auf einem Fahrrad unterwegs gewesen.

Ballon-Bereifung


"Ein E-Bike wird dein Leben verbessern", sagt der 34-Jährige und ergänzt: "Ich verkaufe hier eine schöne Zeit für Menschen." Allein schon deshalb, weil sich seine Fahrräder urig, ja bisweilen fast schon futuristisch ausnehmen. So wie eines, das er für sich selbst konstruiert hat: Vor dem Lenker eine überdimensional wirkende Musikanlage, in die ein Kühlfach integriert ist. Die "Maschine", wie sie Dorfman nennt, hat Ballon-Bereifung. Wie alle anderen auch, die er im Kundenauftrag herstellt. Versehen mit einer Vielzahl technischer Raffinessen.

Bis zu 70 Bikes im Jahr


Die Interessenten werden immer mehr. Jüngst rief einer aus Dubai an und orderte vier Bikes. In die Vereinigten Staaten und nach Japan hat er schon geliefert, auch in den gesamten deutschsprachigen Raum. Am liebsten aber ist es Hadrien Dorfman, wenn jemand kommt und mit ihm zusammen das gewünschte Bike im Plan erarbeitet. "Tayloring" nennt er das. Oder besser: "Maßgeschneidert". Heuer hat Dorfman bisher rund 30 Bikes produziert. 60 bis 70 sollen es am Jahresende sein. Wünsche werden erfüllt. Der Ingenieur hat beispielsweise offene Ohren, wenn es um Platz für Transportmöglicheiten auf dem Rad geht. Bei solchen technischen Anforderungen spricht Dorfman von "Cargo".

Die E-Bikes werden aber auch gerne für Reklamezwecke der Kunden verwendet. "Sie fallen auf", weiß er aus Erfahrung. Allerdings sind die handgemachten Unikate nicht von heute auf morgen zu haben. "Einen Monat, zwei oder auch drei dauert das schon", setzt der 34-Jährige auf die Geduld seiner Auftraggeber. Für dieses Warten können auch kleinste Details berücksichtigt werden.

Bleibt die Frage, was die "Bavarian Electric Cycles (BEC)" kosten. In der Regel zwischen 2600 und 3000 Euro. Ausgefallene Sonderwünsche natürlich nicht inbegriffen. Dabei gilt: Jeder BEC-Kunde erhält vor Fahrtantritt eine Schulung. Denn in den Sattel schwingen und in die Pedale treten, setzt schon ein wenig Kenntnis voraus. Dann aber, wenn die erste Tour gestartet werden kann, ist plötzlich dieses Gefühl da, das Dorfman beschreibt. Nicht "Born to be wild". Viel besser: "King of the Road".
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