Lovestory mit Happy End

Kate (links) und Harry (rechts) haben sich in den vergangenen vier Monaten prächtig entwickelt. Bilder: m (2)
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Mehlmeisel
22.09.2015
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"Royals" sind sie zwar keine, Stars aber sehr wohl: Charles und Diana, Harry und Kate haben mit Pinselohren und Katzencharme die Herzen von Oberfranken und Oberpfälzern im Sturm erobert. Die Luchsfamilie ist die große Attraktion des Wildparks Waldhaus Mehlmeisel.

Kommen sie oder kommen sie nicht? Gespannt lehnen sich die Besucher ans Holzgeländer und lassen den Blick über das weitläufige Gehege schweifen. Während Charles auf einem Baumstumpf ganz nahe der Besucherplattform Platz genommen hat, schleicht Katze Diana geschmeidig am Zaun des Geheges hin und her. Die eigentlichen "Stars" jedoch lassen auf sich warten: Harry und Kate, der Ende Mai geborene Nachwuchs des Luchspaares.

Diana holt sich bei der Fütterung einen Leckerbissen nach dem anderen von der langen Stange, die ins Gehege geschoben wird. Und siehe da: Ganz weit hinten tauchen zwei weitere Köpfe mit den charakteristischen Pinselohren auf. "Ooooh!", rufen nicht nur die Kinder unter den Besuchern. Langsam kommen die Luchsbabys näher, klettern und springen auf breiten Tatzen geschickt über alle Hindernisse.

Konditionierung wirkt

Dass sich die scheuen Katzen aus nächster Nähe bewundern lassen, ist das Ergebnis besonderer Erziehung. "Wir konditionieren unsere Tiere", sagt Wildpark-Betreiber Eckhard Mickisch. Das bedeutet: Für ihr Futter müssten die Vierbeiner Leistungsbereitschaft zeigen und aktiv werden. Der Luchs müsse springen und klettern, um sich die leckeren Happen zu schnappen.

Harry und Kate ziehen es zunächst vor, die Fütterung aus etwas größerer Entfernung zu beobachten. Seit ihrer Geburt werden die beiden Katzen ihrerseits genauestens beobachtet. Und sie entwickeln sich prächtig. Die erste Zeit gab es nur Milch von Mama Diana. Doch schon nach sechs bis acht Wochen brachte die Luchsmutter den Jungen die ersten Fleischstücke und lockte den Nachwuchs damit aus der sicheren Höhle.

Seitdem ist es um einiges schwieriger geworden, die Katzen in ihrem weitläufigen Gehege zu orten. Wenn er es betritt, muss Tierexperte Mickisch nun besonders vorsichtig sein. "Diana hat einen ganz ausgeprägten Mutterinstinkt", berichtet er. Die Luchsdame verfolge ihn mitunter zurück bis ans Tor und versuche sogar, ihn anzuspringen. Angst habe er trotzdem nicht, sagt Mickisch. "Aber Respekt."

Harry und Kate sind das Ergebnis einer echten Lovestory. Vor eineinhalb Jahren zogen ihre Eltern in den neu eröffneten Wildpark der Fichtelgebirgsgemeinde Mehlmeisel. Harry, 3 Jahre alt, ist ein "Wessi", er kam aus dem Wildpark Mönchengladbach nach Oberfranken. Die zweijährige Katze "Diana" hingegen verschlug es aus dem Osten, aus der Stadt Stendal, nach Bayern. "Die zwei haben sich sofort super verstanden", berichtet Mickisch. "Die sind ein Herz und eine Seele, die hängen allerweil zam."

Das Geturtel blieb nicht ohne Folgen. Zunächst bemerkte Mickisch, dass Diana ihre Fressgewohnheiten änderte. Dann sei ein Bäuchlein zu erkennen gewesen und die Luchsin auch langsamer geworden. "Diana ist schließlich sozusagen in den Mutterschutz gegangen. Sie hat für ihr Futter nicht mehr springen müssen", erzählt der Wildpark-Betreiber.

Kurz vor der Niederkunft zog die Luchsin sich zurück - und versetzte das Waldhaus-Team in Aufregung. Schließlich hätte der hochträchtigen Katze etwas passiert sein können. Um so größer war die Freude, als die zwei pelzigen Babys in der Wurfhöhle entdeckt wurden. Zwillinge seien genau richtig für eine Erstgeburt, findet Experte Mickisch. "Ein Junges wäre ja ganz allein, und drei Junge hätten Diana vielleicht überfordert." Bis Dezember bleibt die vierköpfige Familie auf jeden Fall vereint. Dann muss eines der Jungtiere umziehen, vermutlich nach Österreich.

Drei bleiben da

Die drei übrigen Luchse werden weiterhin durch ihr 1,2 Hektar großes Gehege in Mehlmeisel schleichen, springen und klettern. Und dabei Kindern, aber auch Erwachsenen zeigen, was für faszinierende Tiere sie sind. "Der Luchs ist einfach schön", findet Eckhard Mickisch. Auch in freier Wildbahn streune die große Katze wohl schon länger durch Steinwald und Fichtelgebirge. "Wir wollen die Leute aufklären und ihnen vermitteln: Wer immer auf den Wegen bleibt und nicht durchs Gebüsch kriecht, der hat von wilden Tieren nichts zu befürchten."
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