Den "Boindl" austricksen

Beim Schnapseln und Karteln haut der Brandner Kasper (Martin Nickl, links) den Boindl (Marco Ehlich) übers Ohr. Bild: gis
Lokales
Mehlmeisel
12.11.2014
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Die Geschichte vom Brandner Kasper kennt wohl ein jeder. Aber immer wieder fasziniert sie. Dem Tod ein Schnippchen schlagen hat schon etwas. In Mehlmeisel hat's zunächst auch damit geklappt, aber es kam schließlich doch, wie es kommen musste.

Auch wenn der Brandner Kasper schon im Fernsehen, auf der Luisenburg oder neuerdings auch im Film mit Bully Herbig seine Rolle spielte, sollte das niemanden davon abhalten, die "Mehlmeiseler Dorfkomödie" zu besuchen. Ihr gelang mit diesem Stück ein wahres Meisterwerk, das das Zeug dazu hat, Kultstatus zu erhalten. Tosender, nicht enden wollender Applaus, Lachen und weinende Augen, Gänsehaut inklusive: So endete die Premiere am Freitag in der Turnhalle.

"Kaserd und huhlaugerd"

Martin Nickl spielt nicht nur den Brandner Kasper. Er ist der schlitzohrige, dickköpfige Großvater, der im Himmel die ganze Glückseligkeit durcheinander bringt, was den "kaserden, huhlaugerden, zahnluckerden Boindlkramer" (in der Rolle unübertroffen und sich selbst übertreffend: Marco Ehlich), fast den Job kostet und dem Portner (ein Glücksgriff: ehemaliger Bürgermeister Günter Pöllmann) einige Nerven. Mit "Kerschterwasser" abgefüllt, torkelt der Boindl unter dem Tisch herum auf der Suche nach dem "grünen Ober", mit dem ihn der Brandner ausgeschmiert hat und damit ein paar weitere Lebensjahre ergaunert. Furchteinflößendes, Nachdenkliches wechselt mit Komödiantischem. Und es geht unter die Haut, wenn der Brandner später, nachdem ihm sein Lebensinhalt, seine Enkelin Marei, gestorben ist, sinniert: Was soll ich nu dou? Mit waivüll Höll mou ich denn nu rechna?"

Das Fest, das der Brandner Kasper gibt, könnte einst in Mehlmeisel stattgefunden haben: Live-Musik (Valentin Pscherer, Hannes Pscherer, Dagmar Seidl), Gstanzl-Singen (Veronika Sebald, Petra Köstler, Dagmar Seidl) und Tanzen, so wie es zur durch und durch musikalischen Fichtelgebirgsgemeinde passt. Und die Gäste sind allesamt Originale: die Anna (Manuela Ehlich), die Theres (Gabi Ehlich), die Vroni (Johanna König), die später im Himmel die Afra spielt, ebenso wie "Pfarrer" Jürgen Kraupner, im Himmel der Nantwein - umsorgt von der charmanten Kellnerin (Annalena Schwärzer).

Nach einem Blick in die Glückseligkeit bleibt der Brandner Kasper im Paradies, weil er unvermutete Bekannte traf - "blouß Preiß'n lou ma niat einer" - und ihm der Portner das Fegefeuer erspart, was allerdings wiederum dem gestrengen, von Josef Wiche sehr kreativ dargestellten Erzengel Michael nicht ganz recht ist.

Weitere ebenfalls mit viel Spielfreude und Talent agierende Akteure sind der "Bürgermeister" Harald Prokisch, ein echtes, von der Dorfkomödie nicht wegzudenkendes Naturtalent - ebenso wie Stefan Ehlich als Johannes Turmair sowie der in das Marei verliebte Flori (Harald Schwab), und Franz-Julian Pscherer, der den von ihr verlassenen und bis aufs Blut enttäuschten Simmerl gibt.

Was wäre das alles ohne Petra Köstler, die das Marei ist, charmant, mutig und liebevoll, und nicht nur das: Sie ist die Chefin, führt die Regie, kümmert sich um die Maske.

Vier Mal umbauen

Dem Team hinter der Bühne wird einiges abverlangt, von Gemälden und Kulissen (Reinhard Hansel) bis hin zu den Kostümen (Eva Schwab) und dem Bühnenbau (Schreinerei Jungnickl). Vier Mal musste umgebaut werden, vom tiefen Wald bis hin zum Himmel, wo im letzten Akt viele kleine Engel die Glückseligkeit noch vergrößern. Und dank "Party Planet" grollt der Donner und zucken die Blitze wie im richtigen Leben.

Aufführungen sind noch am Freitag und Samstag, 14. und 15. November, um 19 Uhr und am Sonntag, 16. November, um 15 Uhr in der Turnhalle.
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