"Ein Fulltime-Job"

Lokales
Mehlmeisel
09.05.2015
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"Momentan geht's rund", sagt Franz Tauber. Er ist seit einem Jahr Bürgermeister von Mehlmeisel - und im Interview gleich mittendrin in einem Thema, das ihm auf den Nägeln brennt: Die vom Landratsamt geforderte Straßenausbaubeitragssatzung als Vorgabe für die Genehmigung des Haushalts.

"Wir werden heuer zwar Kredite aufnehmen, aber keine Straßen sanieren oder neu bauen", bekräftigt der Rathauschef der Fichtelgebirgsgemeinde. Somit sei seiner Meinung nach keine "wirkliche Begründung für die Einführung" vorhanden. Überdies habe die Gemeinde nie eine Stabilisierungshilfe bekommen oder eine Konsolidierung beantragt.

Dass eine Abgabensatzung für den Straßenneubau eingeführt werden muss, daran bestehe kein Zweifel. Es sollte allerdings abgewartet werden, bis der Landtag in diesem Jahr noch über eine andere Möglichkeit entscheidet, die Bürger an den Kosten zu beteiligen: "Da muss sich München was einfallen lassen," bekräftigt Tauber, "denn nur den direkten Grundstücksangrenzer an den Kosten zu beteiligen, sei keine faire Sache". Eigentlich dachte Tauber, dass sein neues Amt als Gemeindechef eher ruhig beginnen würde. "Ich mach' erst mal die Schränke auf und schau', was da drinnen ist", hatte er sich vorgenommen. Doch alles kam ganz anders: Schon, die Tatsache, dass jetzt 90 Prozent des Personals in der Verwaltung wechselte, war nicht einfach zu bewältigen.

"Eigentlich müsste Bürgermeister ein Fulltime-Job sein", meint Franz Tauber, der zweieinhalb Tage pro Woche für die Gemeinde arbeitet und die gleiche Zeit weiter in seinem Beruf in der freien Wirtschaft. "Trotzdem bin ich täglich früh und abends im Rathaus. Und täglich stehen auch Entscheidungen an. "Wir haben den Wildpark und die Skilifte". Das Projekt "Familienland" geht weiter.

Die Brandruine am Ortseingang Unterlind ist beseitigt, und die Maschinen des Abbruchunternehmens wurden - um Kosten zu sparen - gleich mit für den Abriss der alten "Holzwolle" genutzt, der über das Städtebauförderungsprogramm für Industriebrachen mit 75 Prozent bezuschusst wurde und auch bei den weiteren Sanierungsarbeiten gefördert wird. Ein weiterer Abbruch eines leerstehenden Gebäudes in der Ortsmitte ist geplant. Viel Wichtiges und Wirkungsvolles sei geschehen, was der Gemeinde keinen Cent gekostet habe, sagt Tauber, wie das Abholzen des Areals um die Klausenalm oder die Minigolf-Anlage. Es gebe immer viel zu tun, "aber das Wort Stress kann ich nicht hören, denn mir macht die Arbeit Spaß, ich gehe einen Tag lieber als den anderen ins Rathaus."

Auch eine Auszeit

Franz Tauber freut sich, dass er von Anfang an sehr gut aufgenommen wurde. "Ich will Respekt und Akzeptanz, und das bring' ich auch meinem Gegenüber entgegen. So haben wir alle ein gutes Miteinander gefunden." Klar, dass für die Familie - Ehefrau Angelika und Tochter Tamara - wenig Zeit bleibt. "Meine beiden Frauen müssen mich manchmal daran erinnern, dass es außer der Politik noch was anderes gibt", räumt der Gemeindechef ein: "Dann aber nehme ich sobald wie möglich eine Auszeit."

Tauber gerät ins Schwärmen: "Energie tanke ich am liebsten morgens oder abends bei einem beschaulichen Gang durch den Wildpark, wo Ludwig, der Platzhirsch, bedächtig durch das Gehege tappt, Kaninchen schon vor dem Waldhaus über den Weg laufen oder Richy, die schnuckelige kleine Ziege, neugierig durch den Zaun spitzt."
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