Opfer mit Gesicht

Erstkommunion am 23. April 1933 in Mehlmeisel. Alois Bauer (mittlere Reihe, Zweiter von links) ahnte damals noch nicht, dass er als junger Mann im Zweiten Weltkrieg sterben würde. Repro: gis
Lokales
Mehlmeisel
18.11.2015
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"Für Kriegsveteranen hatte in Mehlmeisel früher die Kranzniederlegung am Volkstrauertag mit dem Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt immer eine sehr persönliche Bedeutung." Heimatforscher und Chronist Josef Wiche erzählt eine berührende Geschichte.

Auch wenn jetzt keine Kriegsveteranen mehr dabei sind, begeht Mehlmeisel die Feier alljährlich im Rahmen einer Andacht mit bewegendem, berührenden Ritualen. Wenn man die mahnende Erinnerung an den abscheulichen Krieg wach halten möchte, dann ist es sinnvoll, persönliche Erzählungen der Soldaten von damals niederzuschreiben und vorhandene Fotografien zu archivieren, so wie es Josef Wiche getan hat.

"Weißer Sonntag, 23. April 1933. Die Machtergreifung der NSDAP war in vollem Gange. 14 Buben empfingen in der Pfarrkirche Mehlmeisel feierlich die katholische Erstkommunion. Nach dem Festgottesdienst das obligatorische Foto mit dem damaligen Ortspfarrer Gustav Rusch. Vor einigen Jahren zeigte Josef Wiche die erhaltene Fotografie dem leider in der vergangenen Woche verstorbenen Mitbürger Siegfried Glaser (geb. 1927). Wiche erzählt: "Siegfried setzte seine Brille mit den starken Gläsern auf, und als er die 14 Buben erkannte, zog ein Lächeln über sein Gesicht mit Erinnerungen an schöne Kinder- und Jugendzeiten. Er hatte sie alle gut gekannt, mit vielen von ihnen regelmäßig Fußballspiel gespielt. Doch bald wurde seine Miene ernster und er erzählte: "Sie alle hat der Hitler verheizt als der Krieg ohnehin schon verloren war. Die Hälfte von ihnen ist elend im Krieg gestorben, die anderen haben russische Kriegsgefangenschaft durchstehen müssen, jeder Einzelne schlimme Zeiten. Siegfried Glaser erinnerte sich an Alois Bauer, als er die Versetzung vom Reichsarbeitsdienst an die Ostfront bekam: "Er hat geweint, weil er wusste, dass er nicht mehr heimkommen wird, und so war es dann leider auch."
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