Paris, Maastricht, Mehlmeisel

Karl Kuhbandner (links) bedankt sich im Namen der Vereine bei Franzl Pscherer bei dessen Verabschiedung 1998.
Lokales
Mehlmeisel
28.08.2015
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Wo Musikanten aufspielen, geht es fröhlich zu. Da lernt man Leute kennen und pflegt Geselligkeit. Das gilt auch für die Original Fichtelgebirgsmusikanten, ehemals Blaskapelle Franzl Pscherer, die am Samstag mit einem Auftritt aller ehemaligen Musiker ihr 60. Gründungsjubiläum feiern.

Die Geburtsstunden der Kapelle schlugen aber bereits Anfang der 50er Jahre, als sich junge Männer abends fast täglich im Erker von und mit Franz Pscherer trafen und mit viel Begeisterung und Herzblut zusammen musizierten, womit sich wieder einmal das zwar schon ein wenig abgegriffene Sprichwort bewahrheitet, dass neben der Wiege vieler Mehlmeiseler bereits ein "Notenbüchl" liegt.

"Das Spielen auf Instrumenten brachten sie sich selber bei", erzählt Franz-Josef Pscherer. Er hat im Jahr 1998 den Dirigentenstab von seinem Vater Franz (verstorben 1999) übernommen, der 38 Jahre lang die Kapelle mit viel Ehrgeiz und hochtalentiert leitete. Und nicht nur beim Festkonzert am Samstag werden sich die Musiker dankbar und gerne an die Gründer und alle Ehemaligen erinnern. Melodien wie der Ouvertüre aus "Dichter und Bauer" ist es schließlich zu verdanken, dass die Blaskapelle schon zehn Jahre später weit über die Region hinaus bekannt, ja quasi berühmt wurde.

Zu gut für Konkurrenz

Und das kam so: 1961 hatten die Mehlmeiseler Bläser mit zwei weiteren Kapellen den Festzug zum Kemnather Wiesenfest begleitet, und wie es der Brauch war, danach auf der Bühne ein paar Musikstücke gespielt, unter anderem auch jene Ouvertüre. "Das gefiel dem Publikum so gut, dass die offiziell engagierte Kapelle zugunsten der Mehlmeiseler die Bühne räumen musste und die heimischen Musikanten prompt gebucht wurden für 20 Jahre in Folge", erzählt Franz-Josef Pscherer.

Über den Tellerrand hinaus

Mit Musik, die schon vor 50 Jahren weit über den Tellerrand der üblichen Blasmusik hinausreichte, hatten die Mehlmeiseler das Herz der Gäste zum Hüpfen und die Seele zum Baumeln gebracht. Und so halten es die Original Fichtelgebirgsmusikanten, Kulturpreisträger des Landkreises Bayreuth, bis heute - natürlich ohne die echte, urtümliche Blasmusik zu vergessen.

Keiner weiß, wie viele Konzerte die Kapelle gegeben hat, wie viele Feste sie auf großen und kleinen Bühnen begleitete, wie viele Zelte sie zum Brodeln, Füße zum Kribbeln und Augen zum Funkeln brachte. Einige Auftritte bleiben aber unvergesslich: 1967 in Paris - von dort aus ging es direkt zum Nato-Volksfest nach Maastricht in Holland - und zwei USA-Reisen im Jahr 1997. Bereits da konnte Franzl Pscherer aufgrund einer schweren Erkrankung nicht mehr dabei sein. "Wir stellen an uns den unbedingten Anspruch, eine saubere, gute und qualitätsvolle Musik zu machen", sagt sein Sohn Franz-Josef Pscherer.

"Und unser großes Vorbild ist und bleibt Ernst Mosch. Dem werden wir auch künftig nacheifern." Wobei die Musiker auch Oper, Operette, Rock und Pop draufhaben.
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