Zwischentöne im Zwischenlager

In der Lagerhalle der Landessammelstelle Bayern in Mitterteich werden schwach und mittelradioaktive Abfälle in Fässern aufbewahrt. Bild: hfz
Archiv
Mitterteich
12.12.2014
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Ein Messgerät für Gebinde in der Sammelstelle für radioaktive Stoffe in Mitterteich. Bild: Werner

In Mitterteich wird seit Ende der 80er Jahre in tausenden Fässern schwach- bis mittelradioaktiver Abfall gelagert. Der Betrieb läuft reibungslos. Mit Transparenz wollen die Betreiber Sicherheitsbedenken ausräumen. Ihr größter Wunsch: endlich ein Endlager.

Es waren wilde Zeiten in der Oberpfalz, als im Jahr 1981 beschlossen wurde, Atommüll in Mitterteich (Kreis Tirschenreuth) zwischenzulagern. Der Freistaat Bayern gründete dazu die Gesellschaft zur Behandlung radioaktiver Abfälle in Bayern mbH (GRB). Rund 80 Kilometer südlich tobte in Wackersdorf (Kreis Schwandorf) derweil der Kampf um die geplante Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe. GRB-Geschäftsführer Wolfgang Kolb erinnert sich: "Bei uns gab es auch Widerstand, aber der war vernünftig und friedlich." Kein Vergleich mit dem Streit um die WAA, deren Bau von einem Großteil der Bevölkerung abgelehnt wurde.

1987 wurde der Betrieb in Mitterteich offiziell aufgenommen, die WAA dagegen zwei Jahre später von der Betreibergesellschaft beerdigt. In zwei großen Hallen lagert die GRB im Industriegebiet Birkigt an der A 93 heute rund 15 000 Gebinde. Mit möglichst großer Transparenz wollen die Verantwortlichen Vertrauen schaffen. Seit 1988 gibt es einen Bürgerbeirat, dem der Tirschenreuther Landrat, der Mitterteicher Bürgermeister und jeweils zwei Kreis- und Stadträte angehören.

Das Zwischenlager ist bis zum Jahr 2028 genehmigt. Der Atommüll aus der Oberpfalz sollte eigentlich längst zum Schacht Konrad geliefert worden sein. Eigentlich. Denn bis heute ist das Endlager in Niedersachsen nicht geöffnet. "Wir warten sehnsüchtig", gesteht Wolfgang Kolb. Bereits im Jahr 1990 war die Inbetriebnahme geplant. Immer wieder gab es Verzögerungen. Jetzt ist das Jahr 2022 vorgesehen. Durch die Hängepartie steigen die Lagerkosten für die Energieversorgungsunternehmen, so der GRB-Geschäftsführer. Der Atomausstieg sei politisch gewollt und für ihn auch nachvollziehbar gewesen, meint Kolb. Wegen der Abschaltung aller bayerischen Atomkraftwerke bis zum Jahr 2022 dränge aber die Zeit.


Rund 30 Transporte kommen jährlich nach Mitterteich, entweder mit dem Auto oder per Schiene. Vom Bahnhof Wiesau führt eine vier Kilometer lange Verbindung zur GRB. Dort werden die Gebinde erst einmal kontrolliert und die Strahlung gemessen. Bisher habe es laut Kolb keine Probleme gegeben. Ein einziges Fass habe zur Sicherheit in ein zweites größeres Gebinde umgelagert werden müssen.

Die Sicherheitsmaßnahmen sind gesetzlich vorgeschrieben. Zum einen gibt es einen umfassenden Objektschutz. Ein Messsystem überwacht permanent die Grenzwerte am Anlagenzaun, auf dem Betriebsgelände und in den Lagerhallen. Alle im Kontrollbereich tätigen Personen tragen ein Filmdosimeter, das monatlich ausgewertet wird, und ein direkt ablesbares Dosimeter. Die Elektroräume sind mit automatischen CO2-Löschanlagen ausgestattet. Drei fahrbare Leichtschaumgeneratoren stehen bereit. Zudem übt zweimal jährlich die Mitterteicher Feuerwehr.

Mehrere Messgeräte überprüfen die Strahlung, unter anderem eine computergesteuerte Fassmessanlage. Alle drei Monate werden sämtliche Fässer auf Korrosion hin untersucht. Unabhängige Gutachter nehmen die Anlage regelmäßig unter die Lupe.

Die "Bürgerinitiative gegen atomare Anlagen" traut dem Frieden in Mitterteich nicht ganz. Der in Karlsruhe stationierte Kerntechnische Hilfsdienst (KHG) brauche im Ernstfall rund sechs Stunden, bis er in Mitterteich zur Verfügung stehe. Und was ist, wenn ein Bundeswehr-Tornado in das Zwischenlager stürzt? Wenn ein heftiges Erdbeben kommt? Wenn auf der Bahnstrecke etwas passiert? Für die BI ist die Anlage für diese "schlimmsten anzunehmenden Unfälle" nicht gerüstet. Die GRB sieht das anders, es gebe aber auch Grenzen. Es könne zum Beispiel ein Satellit runterstürzen, meint Kolb - alles eine Frage der Wahrscheinlichkeit.
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