Herausfordernde Lichtmalereien

Kultur
Mitterteich
17.02.2015
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"Die Bilder sind ja alle verwackelt. Bestimmt haben das ganz alte Männer fotografiert!" Flottes Urteil eines Kindes, das im Gästebuch die Ausstellung "Lightpainting 2015" bewertet.

Alle Bilder sind verwackelt. Aus Prinzip. Fotografisch abstrakte Farbspielereien zeigen Walter J. Pilsak und Hans G. Lauth bis 1. März im Porzellanmuseum Mitterteich. Beide Fotografen sind Mitglieder der Fotofreunde Tirschenreuth. In den vergangenen Jahren zeigten sie gemeinsam ihre Arbeiten. Pilsak ist Porzellanmaler im Ruhestand, fotografiert seit mehr als 40 Jahren, Lauth ist pensionierter Studiendirektor: Sie bezeichnen sich als "fotobegeisterte Naturliebhaber". In der Ausstellung zeigen sie 70 Aufnahmen, die das Auge herausfordern, Platz für eigene Interpretation lassen und zugleich die Fantasie des Betrachters durch die Bildtitel anregen. Die Aufnahmen nehmen den Besucher in kürzester Zeit gefangen.

Anfangs machen die Lichtmalereien ratlos, dann ziehen sie den Betrachter in ihren Bann, lenken ihn fast magisch von Aufnahme zu Aufnahme. Was auf den ersten Blick "verwackelt" und unscharf wirkt, gewinnt nach Sekunden an Schärfe und Prägnanz.

Blüten, Bäume, Landschaften

Bei der Lichtmalerei malt der Fotograf mit der Kamera: Fotografiert werden Blüten, Bäume und Landschaften mit bewegter Kamera. Die Kamera wird, abhängig vom Motiv, während der Belichtung in unterschiedlicher Weise bewegt. Es gibt Fotografen, die die Kamera während der Aufnahme an einer Schnur kreisen lassen, andere werfen sie von sich - während des "Flugs" wird aufgelöst. Die so entstandenen Aufnahmen zeigen mit dem menschlichen Auge nicht wahrnehmbare Augenblicke. Flüchtige Momente werden bildlich fixiert, der Betrachter kann in die Zeitlosigkeit eintauchen. Pilsak und Lauth wollen diese Zeitlosigkeit sichtbar dokumentieren.

Mit der sehr speziellen Aufnahmetechnik entstehen bezaubernde, pastellartige Bilder, die durch die Unschärfe eine unglaubliche Weichheit und neue Plastizität vermitteln. Sie wirken nicht durch die Realität der dargestellten Motive, sondern aufgrund ihrer Farbkomposition. Mancher abstrakte Maler findet ihn ihnen eine Fundgrube für Inspiration. Die Motive zerfließen zu farbigen Tupfen, geschwungenen Linien, verwischten Farbspuren und einem entrückt anmutenden Farbkomplex. Es entsteht eine eigenartige, verwischt erscheinende Aufnahme von berührender und kaum wiederholbarer Schönheit, eine Absage an den Realismus. Es werden impressionistische Wege beschritten, die bis an die äußersten Grenzen des Möglichen gehen.

Ideale Bedingungen

Im lichtdurchfluteten Raum im Mitterteicher Porzellanmuseum kommen die Aufnahmen besonders gut zur Geltung. Der Raum bietet mit seinen einander gegenüber liegenden breiten Fensterbändern ideale Bedingungen für Objekte, die in ihrer Farbigkeit vom Licht profitieren, gar leben.

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Die Ausstellung "Lightpainting 2015" ist bis 1. März im Porzellanmuseum Mitterteich (Tirschenreuther Straße 8) zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 9-17 Uhr, Samstag 9-12, Sonntag 14-17 Uhr. Infotelefon: 09633/919038.
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