"Mia Bayern san anders"
Interview mit Bruno Jonas

Bruno Jonas kann sich über kabarettistischen Stoff angesichts der aktuellen politischen Lage nicht beklagen. Bild: Stiegler
Kultur
Mitterteich
08.02.2016
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"Mia Bayern san anders", sagt Bruno Jonas. Und der Kabarettist muss es ja schließlich wissen. Er stammt nicht nur aus Passau, nein, er war auch langjähriges Mitglied der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. In seinem aktuellen Programm "So samma mia" redet er über die Politik des bayerischen Ministerpräsidenten und weitere "Vollhorste".

Kabarettist Bruno Jonas ist derzeit mit seinem neuen Soloprogramm "So samma mia - die Welt aus bayerischer Sicht" unterwegs: Am Freitag, 12. Februar gastiert er um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle Mitterteich. Die Kulturredaktion hat sich mit ihm über sein neues Programm, die bayerische Politik und den "Vollhorst" unterhalten.

"So samma mia" heißt Ihr aktuelles Programm: Sie ergründen darin Bayern und seine Bewohner. Wie passt denn Ihrer Ansicht nach dieses Motto derzeit zur bayerischen Politik beispielsweise beim Thema Flüchtlinge?

Bruno Jonas: Der Titel bezieht sich nicht nur auf Bayern und seine Bewohner. Es geht um den Menschen an sich, um das Menschsein und die Frage: Was ist der Mensch? Zur Zeit ist er ja sehr menschlich, der Mensch, hilfsbereit und gut. Die Menschlichkeit hat sich ausgebreitet bis hinauf in höchste Regierungskreise. Auch die Kanzlerin wurde davon erfasst und glaubt seitdem, dass wir es schaffen. Allerdings hat sie neulich in ihrer sehr menschlichen Art darauf hingewiesen, "wenn in Syrien Frieden ist, wir erwarten, dass sie, die Flüchtlinge, wieder unser Land verlassen."

Ihr jüngstes Buch trägt den Titel "Vollhorst". Der gedankliche Sprung zu Horst Seehofer liegt da natürlich nah. Wie sehen Sie das?

Jonas: Genau so. - Der Horst Seehofer achtet streng darauf, dass wir ihn auch mit dem Vollhorst in Verbindung bringen. Als Politiker, der wieder gewählt werden will, hat er ja gar keine andere Chance. Mir kommt er vor wie ein Zwiefacher, er wechselt gern von Zweiviertel-Takt in den Dreiviertel-Takt.

Eigentlich ist er ein Allrounder. Er ist beweglich und beherrscht alle Standarttänze. Vor allem den Tango mit Volk. Er geht gern auch Tuchfühlung mit dem Wähler, holt ihn nah an sich ran, um ihn zu wiegen, der Wiegeschritt ist ihm der liebste. Er steht für ideales Vollhorst-Verhalten. Es gibt auch Vollhorste, die Tarnnamen tragen. Der Sigmar Gabriel ist so einer und auch der Toni Hofreiter, das politische Ausnahmetalent der Grünen. Auch die beiden beherrschen das Ranwanzen an den Wähler.

Die EU und Griechenland, ISIS, Donald Trump, die Fifa und der DFB, AfD und Pegida - allesamt Schlagzeilen, die heute die Medien beherrschen. Fällt es dem politischen Kabarettisten heute leichter als beispielsweise vor 20 Jahren, die "richtigen" Themen zu finden?

Jonas: Ihre Frage unterstellt, dass es auch falsche Themen für den Kabarettisten geben könnte. Für mich gibt es nur Stoff. Ich komme gar nicht hinterher, um alles zu bearbeiten. Die Politik hat kein Erbarmen mit uns, sie versorgt uns unaufhörlich mit Wirklichkeit.

2008/2009 wurde der "Scheibenwischer" eingestellt. Welchen Stellenwert hat politisches Kabarett heute im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Und wie stehen Sie zu Formaten wie "extra 3" und "heute-show"?

Jonas: Alles hat seine Zeit. Ich schau' kaum Fernsehen und wenn, dann DVDs. Zuletzt habe ich mir die erste Staffel von "Better Call Saul" reingezogen. Hat mir sehr gut gefallen.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 und ww.nt-ticket.de.

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Weitere Informationen:

www.bruno-jonas.de
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