The World of Musicals
Graf Krolock steppt zum Time Warp

Geschickte Video-Projektionen hinter den Akteuren ersetzten das Bühnenbild und schufen neben farbigem Licht und viel Trockeneis-Nebel die notwendige Dramatik.
Kultur
Mitterteich
28.01.2016
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Mitterteich im Musical-Fieber: Die acht Sänger der "World of Musicals" überzeugten und begeisterten gleichzeitig.

600 Leute hätten Platz gehabt. Nur gut 300 waren gekommen, die aber voll auf ihre Kosten, denn was "Reset Production" in der Mehrzweckhalle mit "The World of Musicals" präsentierten, war ganz großes Kino.

Dabei fing es ganz schön chaotisch an. Ein Fehler im Kartenvorverkauf hatte alles durcheinander gebracht. Zehn Minuten vor Beginn, teilte ein Sprecher mit, dass sich jetzt alle Anwesenden um drei Stuhlreihen zurücksetzen sollten. Kurz vorher wurden im hinteren Bereich drei Reihen zusätzlich aufgebaut. Der Beginn verzögere sich um zehn Minuten. Manche leisteten der Aufforderung Folge, andere nicht.

Geordnetes Chaos


Aber das befürchtete heillose Durcheinander blieb aus. Am Ende waren alle Gäste sortiert und die Hinterbänkler schlossen nach vorne auf. 17 Minuten später eröffnete der dritte Gongschlag das Musicalspektakel. Was dann kam, machte die anfänglichen Sitzplatzschwierigkeiten mehr als wieder wett. "Alle Hits in einer Show" - diesen Anspruch erfüllte das achtköpfige Ensemble, bis auf wenige Ausreißer, hervorragend. Einer davon "Mädchen aus Ost-Berlin" aus "Hinterm Horizont" von und über Udo Lindenberg. Das typische Nuscheln von Panik Udo, kann halt nur das Original selbst. Ähnlich beim Abba-Part: "Mama Mia", "SOS", "Take a Chance on me" und "Thank you for the Music", kamen allenfalls durchwachsen rüber - weit entfernt vom Original-Sound, den wie man heute weiß, die Band stets technisch aufgepeppt hat.

Schlag auf Schlag


Es ging Schlag auf Schlag und Adam Strong, Richard Mark Jones, James Kane, Frank Lomann, Amber-Rose Summers, Nathalie Bush, Stephie Crocker und Lyndsey Orr rockten die Mehrzweckhalle, dass, zumindest für Oberpfälzer Verhältnisse, immer wieder frenetischer Zwischenapplaus aufbrandete. Die Akteure schafften es das Publikum zum Mitsingen zu bewegen und mischten sich des öfteren darunter. Alles wurde live, zur perfekt ausgesteuerten Musik von der Konserve, gesungen. Die Akteure bewegten sich dabei auf hohem Niveau und Lyndsey Orr mit glasklarer und mächtiger Stimme sogar auf höchstem. Stephie Crocker aus Uruguay brillierte mit "Circle Of Life", "Can you feel the love tonight" und "Shadowland" aus dem "König der Löwen" gleich zu Beginn der Show. Als Evita Peron stemmte Amber-Rose Summers bravourös "Dont cry for me Argentina". Wer es fertigbringt als Sarah bei "Totale Finsternis" aus dem "Tanz der Vampire" bei den Zuschauern Gänsehaut zu erzeugen, gehört sicher zu den Großen der Branche, so wie Natalie Bush.

Viermal Udo Jürgens


Es folten Auszüge aus "Jekyll & Hyde" und "Wicked". Gleich in vierfacher Ausführung stand Udo Jürgens mit "Mit 66 Jahren" aus "Ich war noch niemals in New York", auf der Bühne. Die vier männlichen Akteure glänzten bei der Nummer und setzten damit dem großartigen Entertainer ein würdiges Denkmal. Mit "Fabulous Baby", "Joyful Joyful" und "Oh Happy Day" aus "Sister Act" schickte das Ensemble das Publikum in die Pause. Nicht ohne es vorher erfolgreich animiert zu haben sich von den Plätzen zu erheben, kräftig mitzusingen und die Arme in die Höhe zu reißen. Zumindest die in den ersten Reihen waren voll dabei. Nach dem Break begrüßte Frank Lohmann dir Rückkehrer beim Einnehmen der Plätze mit "Willkommen, bienvenue, welcome" als Conférencier aus "Cabaret". Mit Melanie Pepink aus Münchenreuth fand er auch gleich noch eine Sally Bowles, die mit der Truppe auf der Bühne zu "Mein Herr" tanzte.

Queen und Fred Astaire


Danach überzeugte James Kane mit "Singing in the Rain". Er sang und bewegte sich fast so gut wie einst Fred Astaire. Mit "I want to break free", "Sombody to love" und "Bohemian Rhapsodie" aus dem Queen-Musical "We will rock you" lieferten die Sänger eine gelungene Hommage an die 1980er-Kult-Band ab. Hätte Frontmann Freddy Mercury erleben dürfen, wie seine Songs mit Frauenstimmen klingen - er wäre begeistert.

Natürlich durfte auch nicht "Memory" aus "Cats" fehlen, das Natalie Bush als "Grizabella" grandios intonierte. Es folgten "Phantom of the Opera", "Masquerade" und "Music of the Night" aus dem "Phantom der Oper". Dabei verkörperte Adam Strong sehr überzeugend das Phantom und steigerte sich von Stück zu Stück. Ein Genuss für alle Fans war der Auszug aus der schrillen "Rocky Horror Show". Natürlich fehlten dabei nicht "Sweet Transvestite" und der legendäre "Time Warp". Wenn auch niemand im Publikum Wasserpistolen oder Zeitungen dabei hatte.

"I dreamed a dream", "Bring him Home" und "One Day more" aus "Les Miserables" beendeten das Programm. Mit stehenden Ovationen und Bravo-Rufen ließen sich die Akteure zu einem Zugabenblock "überreden". Der bestand aus "The time of my life" aus "Dirty Dancing" und "Everybody Needs Somebody", "Think" und "Shake Your Taifeather" aus "Blues Brothers".

Licht und Trockeneis


Neben sich selbst und einem astreinen Sound aus der Anlage brauchten die acht Musicalstars nur noch ein wenig farbiges Licht, Trockeneisnebel und geschickte Videoprojektionen, um die Zuschauer mitzunehmen auf die großen Musicalbühnen dieser Welt. Ein Event, das geradezu nach einer Fortsetzung schreit - vielleicht im nächsten Jahr?
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