Auf den Spuren der Stadtpolizei

Sie freuen sich auf die nächste Sonderausstellung im Museum, bei der auch die Geschichte der Mitterteicher Stadtpolizei thematisiert wird (von links): der städtische Archivpfleger Ludwig Kraus, Bürgermeister Roland Grillmeier, Maria Kunz vom Museumsteam und die Vorsitzenden des Arbeitskreises Heimatpflege, Erhard Sommer und Werner Männer. Beim Fototermin in den Räumen des Stadtarchivs präsentierte Ludwig Kraus auch eine Uniformjacke und eine Schirmmütze der einstigen Stadtpolizei. Bild: lnz
Lokales
Mitterteich
07.03.2015
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Nur noch wenige Mitterteicher wissen, dass vor Ort einmal eine eigene Stadtpolizei für Recht und Ordnung gesorgt hat. An diese Truppe, die nach Kriegsende ihren Dienst aufnahm, erinnert jetzt der Arbeitskreis Heimatpflege mit einer Präsentation im Museum.

Die Idee fasste der Arbeitskreis, nachdem es gelungen war, eine Sonderausstellung über bayerische Uniformen nach Mitterteich zu holen. "200 Jahre Polizei und Gendarmerie" heißt es vom 13. März bis zum 3. Mai im Museum für Porzellan, Glas und Handwerk. Und diese Sonderschau von Klaus Sennert und Gerhard Hofbauer ergänzt der AK Heimatpflege nun mit eigenem Material über die einstige Mitterteicher Stadtpolizei.

Die Vorsitzenden Werner Männer und Erhard Sommer sowie der städtischer Archivpfleger Ludwig Kraus stellten das Projekt am Donnerstag im Rathaus näher vor. Letzterer - übrigens selbst von 1968 bis 1972 Stadtpolizist in Marktredwitz - hat über einen längeren Zeitraum hinweg historische Akten durchstöbert. Daraus hat er die wichtigsten Fakten und Ereignisse rund um die Mitterteicher Stadtpolizei zusammengefasst, die von 1945 bis 1958 im Amt war.

Kraus berichtete, dass die amerikanische Militärverwaltung alle bayerischen Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern dazu verpflichtet habe, eigene Polizeieinheiten aufzustellen. Der damalige Bürgermeister Dr. Andreas Zehentner sei dieser Aufforderung umgehend nachgekommen. Einige Hilfspolizisten hätten ihren Dienst bald wieder quittieren müssen, so dass letztlich eine sechsköpfige Truppe übrig geblieben sei: Stadtpolizei-Leiter Hans Helm und die Wachtmeister Albin Bretschneider, Günter Hampel, Richard Höfer, Egid Kunz und Rudolf Probst.

Häufig überfordert

Wegen der ärmlichen Verhältnisse im ganzen Land sei die Einsetzung von Polizisten dringend notwendig gewesen. "Die Notkriminalität war im zerstörten Nachkriegs-Bayern allgegenwärtig", so Kraus. Die größten Probleme hätten Schwarzmarkt-Aktivitäten, Felddiebe, Schmuggler und schwarz schlachtende Bauern bereitet. "Schlecht ausgerüstet, mangelhaft ausgebildet und gering bezahlt hatten die neu aufgebauten Polizeikräfte anfangs einen schweren Stand", erklärte Kraus. "Sie waren häufig überfordert und besaßen wenig Autorität."

In Erscheinung getreten seien die Beamten mit blauem Uniformrock, blauer Schirmmütze, grauem Hemd und grauer Hose. Auf Streife gingen sie nach Angaben des Archivpflegers mit Taschenlampe, Schlagstock und amerikanischen Armeerevolvern der Marke "Smith & Wesson". "Als einziges Kommunikationsmittel stand im Büro des Leiters ein Telefon", gab Kraus zu bedenken.

Mitte 1946 habe die Stadtpolizei ihr erstes Kraftfahrzeug erhalten - ein Motorrad der Marke Puch aus Wehrmachtsbeständen. Erst mehrere Jahr später sei das 125 ccm-Gefährt durch ein stärkeres Modell ersetzt worden. Kraus berichtete weiter, dass neben der Stadtpolizei auch eine Dienststelle der Landpolizei in Mitterteich zu finden gewesen sei. Über die Verteilung der Aufgabenbereiche gebe es nur wenige Informationen, doch Kraus vermutet, dass die grün uniformierten Landpolizisten allein für das Umland zuständig waren.

Gutes Miteinander

Während viele Stadtpolizei-Dienststellen schon 1956 aufgelöst wurden, blieb die Mitterteicher Station noch bis 1958 erhalten. "Die Beamten waren in der Bevölkerung integriert, es war ein gutes Miteinander", resümierte Ludwig Kraus. Natürlich sei es hin und wieder zu kleineren Reibereien gekommen. "Nicht wenige werden sich erinnern, dass sie wegen fehlender Beleuchtung am Fahrrad oder Überziehen der Sperrstunde zwei Mark zahlen mussten." Ähnliche Geschichten über die Stadtpolizei oder Beamte im Einzelnen gebe es viele. "Wegen des großen zeitlichen Abstands regen sie heute meistens nur noch zum Schmunzeln an."
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