Außergewöhnliches Wirken

Bei einer Festsitzung im alten Rathaus zeichnete Bürgermeister Roland Grillmeier seinen früheren langjährigen Stellvertreter Karl-Heinz Ernstberger mit der Goldenen Bürgermedaille der Stadt Mitterteich aus. Bild: lnz
Lokales
Mitterteich
18.10.2014
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Seit 24 Jahren gestaltet er als Stadtrat aktiv die Mitterteicher Kommunalpolitik mit, 12 Jahre lang wirkte er als Zweiter Bürgermeister: Für seine Verdienste erhielt Karl-Heinz Ernstberger jetzt die Goldene Bürgermedaille. In seiner Rede gab er sich humorvoll, ließ aber auch kritische Töne anklingen.

In der eigens anberaumten Festsitzung erinnerte Bürgermeister Roland Grillmeier daran, dass diese Auszeichnung Persönlichkeiten vorbehalten sei, "die sich hervorragende Verdienste um die Stadt Mitterteich erworben haben". Derzeit gebe es zwölf Träger der Bürgermedaille in Gold, darunter drei im Frühjahr ausgeschiedene Stadträte.

"Karl-Heinz hat mir erklärt, dass er diese Ehrung sehr gerne annimmt, aber keine allzu großen Reden will. Ich will daher versuchen, mich zu begrenzen", bemerkte Roland Grillmeier vor der Laudatio. Gleichzeitig machte er deutlich, dass alle Fraktionssprecher die besonderen Verdienste von Karl-Heinz Ernstberger herausgestellt hätten.

Bürgermeister Grillmeier verwies auf die Verleihung der Kommunalen Verdienstmedaille an Karl-Heinz Ernstberger Anfang der Woche (wir berichteten) und zitierte den Regierungspräsidenten, der von einem "Dankeschön für Idealisten" gesprochen hatte. Karl-Heinz Ernstberger sei in der Tat ein Idealist, der immer bereit gewesen sei, für das Allgemeinwohl seine Freizeit zu opfern.

Sport und Kultur

"Er hat die Höhen und Tiefen des politischen Wirkens, aber auch die Bereitschaft zur Auseinandersetzung und zur überparteilichen Ergebnisfindung erlebt und mitgeprägt", betonte Grillmeier und verlas eine lange Liste mit Projekten, die während der Amtszeit von Karl-Heinz Ernstberger verwirklicht wurden. Am Herzen lägen ihm vor allem der Sport und die Kulturarbeit. Mit seinem überörtlichen Engagement habe er auch zur "besonderen Stellung unserer Stadt in der Region" beigetragen. "Man kann wirklich von einem außergewöhnlichen Wirken sprechen."

Grillmeier bezeichnete Ernstberger als Politiker, der nicht immer bequem, aber fast immer kompromissbereit sei. "Er legt seine Finger auch in Wunden und bringt seine Meinung mit klaren Worten ein." Humorvoll merkte Grillmeier auch an, dass Karl-Heinz Ernstberger stets pünktlich zu Terminen erschienen sei - was ihm selbst nicht gelinge. Roland Grillmeier würdigte Ernstberger als "Freund und Ratgeber" und dankte persönlich und im Namen des Stadtrats, der Verwaltung und der Bürger für dessen langjähriges Engagement.

Nach vorne schauen

Mit launigen Worten blickte Karl-Heinz Ernstberger auf sein bisheriges politisches Leben zurück, gleich zu Beginn teilte er jedoch einen Seitenhieb gegen seine CSU-Fraktion aus: "Einige Dinge sind nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe." Damit spielte er offenbar auf die Entscheidung der CSU an, bei der Wahl des Zweiten Bürgermeisters Anfang Mai auf einen Generationswechsel zu setzen. Er versicherte aber sogleich, das Thema nicht weiter vertiefen zu wollen - denn er wolle ja nicht, dass einigen das anschließende Essen nicht mehr schmeckt, so Ernstberger ironisch. Er wolle das Vergangene ruhen lassen und nach vorne schauen.

"Vielleicht liegt der Fehler aber bei mir selbst", merkte Ernstberger selbstkritisch an. Bei der Ehrung der Verdienstmedaillenträger sei ihm wieder einmal bewusst geworden, dass er eben nun zu den Älteren gehöre. "Ich habe ein großes Problem mit dem Alter", bekannte der 67-Jährige. Denn er habe sich stets jünger gefühlt, wohl auch deshalb, weil er sein Leben lang mit jungen Menschen zu tun gehabt habe.

Seine schönste Zeit als Politiker habe er als Fraktionssprecher erlebt. "Das hat mir am besten gefallen, da kannst du Politik machen!" Im Kreis des Stadtrats habe er sich immer wohl gefühlt - denn trotz vieler ausgetragener Kämpfe sei es immer möglich gewesen, nach den Sitzungen gemeinsam ein Bier zu trinken.

"Blindes Verständnis"

Karl-Heinz Ernstberger dankte für die langjährige gute Zusammenarbeit im Gremium, wobei er insbesondere Ernst Bayer (Freie Wähler) hervorhob. Für die Zukunft wünschte sich Ernstberger weiterhin ein gutes Miteinander. Zwischen Bürgermeister Roland Grillmeier und ihm habe ein nahezu "blindes Verständnis" geherrscht, wie er verriet - und auch Martina Rüth von der Stadtverwaltung habe ihn im Amt des Zweiten Bürgermeisters immer unterstützt.

Ernstberger erntete für seine Worte viel Beifall, anschließend folgte ein kurzer Sektumtrunk. Nach der Feierstunde lud der Geehrte den gesamten Stadtrat ins Hösl-Bräustüberl ein.
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