Baumstämme als Stützen

Vor 125 Jahren, am 8. April 1890, begannen die ersten Arbeiten zum Abriss der einstigen Mitterteicher Pfarrkirche. Ersetzt wurde das baufällige Gebäude innerhalb weniger Monate durch die heutige Pfarrkirche St. Jakob (Bild). Der Kirchturm, deutlich später entstanden als die alte Kirche, war jedoch nicht betroffen und ragte monatelang frei stehend in den Himmel. Bild: lnz
Lokales
Mitterteich
08.04.2015
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Ein Kirchturm ohne Kirche? Diese Besonderheit hat es einst in Mitterteich gegeben - und zwar vor 125 Jahren. Weil das damalige Gotteshaus als Spätfolge eines Brandes und aus anderen Gründen baufällig war, beschlossen die Verantwortlichen den Abriss mit anschließendem Neubau.

Es war Ende der 1880er Jahre, als die Gläubigen unter Pfarrer Alexander Maurer zu dieser Entscheidung gelangten. "Die Decke des Kirchenschiffes" stützte man durch Baumstämme, welche senkrecht vom Boden zur Decke reichten", schrieb der einstige Oberlehrer Max Rüth (1880-1960) in einer Chronik in den 1930er Jahren.

Verheerender Brand

Nicht betroffen war der 39 Meter hohe Kirchturm, der heute das älteste Gebäude der Stadt ist. Dieser entstand 1606, rund 16 Jahre nach einem verheerenden Brand, der mehrere Gebäude rund um den Marktplatz zerstört oder stark beschädigt hatte, darunter das ehemalige Rathaus, das damalige Schulhaus und eben Teile der alten Kirche. Dabei wurden auch viele Aufzeichnungen zur Historie der Stadt vernichtet, so dass heute unter anderem auch nicht mehr genau nachvollzogen werden kann, wann die alte Kirche gebaut wurde. Sicher ist, dass sie deutlich älter war als der Kirchturm.

Zügiger Abbruch

Nach umfangreichen Planungen und Vorbereitungen begannen die Pfarreiangehörigen schließlich am 8. April 1890 mit dem Ausräumen der alten Kirche und dem Abbau der Dachziegel. Der letzte Gottesdienst wurde am 9. April gefeiert. Zügig schritten die Abbrucharbeiten voran, so dass der Kirchturm bald frei stehend in den Himmel ragte.

Weitgehend unbekannt blieb laut Max Rüth der Verbleib von Altären, Altarteilen, Kanzel und Heiligenfiguren. "In einigen Kapellen der Umgebung sehen wir noch Heiligenfiguren aus der alten Kirche", heißt es in Rüths Aufzeichnungen. Als Beispiele nannte er eine Muttergottes in der Steinmühler Kapelle und ein Marienbild in der Friedhofskapelle.

Als Grund für das dauerhafte Verschwinden vieler Figuren und Bilder nannte Rüth einen "freimaurerischen Geist", der die "gebildete Laien- wie geistliche Welt" erfasst habe. So hätten oft "geringste Anlässe" zu Aberglauben geführt. "Man besaß wenig, hatte meist kein Interesse mehr am schönen, ehrwürdigen Alten und griff zum meist kalten Neuen". Daher habe man auch die neue Kirche im "nüchternen sogenannten Denglerstil" geschmückt, was ganz besonders bei den Altären und der Kanzel zum Ausdruck gekommen sei.

Firmung in Waldsassen

Das Allerheiligste befand sich während des Kirchenbaus im Tabernakel des ehemaligen Hochaltars, welches im Pfarrhof aufbewahrt wurde. "Rechts und links standen die Figuren Petrus und Paulus, welche sich in der alten Kirche im Hochaltare befanden und in der neuen Kirche im Hauptschiffe Platz gefunden haben", berichtete Max Rüth. Die Gottesdienste wurden in der Übergangsphase in der Friedhofskapelle gefeiert. Zur Firmung mussten die Gläubigen in die Stadtpfarrkirche nach Waldsassen ausweichen.

Die Pläne zum Neubau der Mitterteicher Kirche hatte Baumeister Carl Hocheder aus München angefertigt, die technische Leitung lag bei Kreisbauassessor Fritz Steinhäuser aus Regensburg, die Ausführung der Arbeiten übernahm die Baufirma Friedrich Dannhauser aus Nabburg. Der Neubau wurde mit großem Tempo vorangetrieben, bereits Ende Juli 1890 wurde das Dachgebälk auf das neue Kirchengebäude gesetzt. Schon knapp drei Monate später, am 23. Oktober 1890, wurde die neue Kirche zum Messlesen benediziert. Die Restarbeiten und die Ausgestaltung sollten sich im Anschluss noch über mehrere Jahre erstrecken.
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