Brigitte Artmann warnt davor, das Atommüll-Lager in Mitterteich zu verharmlosen
Auch Bürgerbeirat gefordert

Am Tor zum Atommüll-Zwischenlager in Mitterteich stand eine Delegation, als zwei Kampfjets in geringer Höhe über die Anlage donnerten. Brigitte Artmann (Dritte von rechts) forderte die Offenlegung eines Katastrophenschutzplans. Mit dabei waren Autorin Ursula Schönberger (Zweite von rechts) und BI-Vorsitzender Gerhard Wehner (Fünfter von rechts) sowie weitere Vertreter der Grünen, Naturfreunde, SPD und Bürgerinitiativen. Bild: jr
Lokales
Mitterteich
02.03.2014
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Sicher war es nur Zufall: Ausgerechnet eine Delegation bestehend aus Grünen, SPD, Naturfreunde und Bürgerinitiativen wurde Zeuge, wie zwei Kampfjets in geringer Höhe über die Sammelstelle für radioaktive Abfälle im Industriegebiet Birkigt donnerten. Was passieren könnte, wenn ein Flieger abstürzt, wollten sich die Teilnehmer gar nicht ausmalen.

Schon im Vorfeld hatte die Wunsiedler Grünen-Kreisvorsitzende Brigitte Artmann davor gewarnt, das Atommüll-Lager in Mitterteich zu verharmlosen. "Ich hoffe, hier ist alles ordentlich verpackt." Vehement forderte sie die Offenlegung der Katastrophenschutzpläne, sollte es zu einem Unglücksfall kommen. Weiter wollte sie wissen, wie lange der radioaktive Müll in Mitterteich noch gelagert wird, sollte sich kein Endlager finden.

Wie sieht es in 20 Jahren aus, bleibt der Atommüll dann auch sicher in den Fässern? Die Sprecherin wollte wissen, in welchem Zeitintervall die Gebinde regelmäßig auf Korrosion überprüft werden. Laut Verteidigungsministerium handle es sich hier um "keine schützenswerte Industrieanlage". Artmann forderte eine umfassende Aufklärung. Die Inventarlisten des Mitterteicher Lagers würden bisher den Grünen und der Öffentlichkeit verweigert.

Die Grünen-Vertreterin sprach von einer "gefährlichen Menge an strahlendem Müll in den Hallen". Das Tückische sei, dass die Schäden erst erkannt würden, wenn die Fässer schon mindestens an einer Stelle durchgerostet seien. Artmann war überzeugt, dass der radioaktive Müll in Mitterteich noch viele Jahrzehnte lagern werde, weil es noch immer kein Endlager gebe. Für die Betreiber freilich sei dies ein einträgliches Geschäft. Hier sah die Sprecherin auch den Bürgerbeirat gefordert. Von dem sei in der Öffentlichkeit aber nichts zu hören. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Gerhard Wehner, berichtete von Messungen, die keinerlei Beeinträchtigungen ergeben hätten. "Keine nennenswerten Ergebnisse" heiße es immer. Mit vor Ort war Politikwissenschaftlerin Ursula Schönberger von der Arbeitsgemeinschaft "Schacht Konrad" aus Salzgitter. Sie stellte als Autorin ihr fast 300 Seiten umfassendes Werk "Atommüll - Eine Bestandsaufnahme für die Bundesrepublik Deutschland" vor. Darin enthalten ist auch eine Passage über Mitterteich. Im Anschluss unternahm die Delegation einen kleinen Spaziergang entlang des Zauns.
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