Chance auf gutes Auskommen

Lokales
Mitterteich
13.04.2015
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Fachkräftemangel, freibleibende Ausbildungsstellen, Imageprobleme des Handwerks und Akademisierung der Berufswelt. Darüber diskutierte der Kreisverband der Freien Wähler im Museumscafe.

"Zukunft durch berufliche Bildung" war die Veranstaltung überschrieben. Kreisvorsitzende Gisela Kastner konnte dazu als Gesprächspartner unter anderem Landrat Wolfgang Lippert, Firmeninhaber Wilhelm Forster, den Geschäftsführer vom Jobcenter Tirschenreuth, Leonhard Merkl, sowie Betriebs- und Firmeninhaber begrüßen.

Die Kreisvorsitzende schilderte in ihrer Einführung zum Thema die Herausforderungen, denen sich die Arbeitswelt gerade in unserer Region stellen muss. Die nördliche Oberpfalz sei aufgrund der demografischen Entwicklung und dem zusätzlichen Wegzug junger Leute davon besonders betroffen. Symptomatisch sei, dass 2014 über 100 Ausbildungsverträge weniger gegenüber 2013 abgeschlossen wurden. Es müsse versucht werden, das Image der beruflichen Bildung allgemein und in unserer Gegend im Besonderen zu verbessern. "Die Chancen, die eine berufliche Bildung bietet, müssen klar benannt werden", so Kastner. Nachdem jahrelang die akademische Ausbildung überbetont wurde, sei die Zeit gekommen, den Wert und das Ansehen der beruflichen Ausbildung stärker in den Fokus zu rücken.

Besser kennenlernen

Zukunftscoach Andreas Büttner, Studienrat an der Berufsschule Wiesau, schilderte die Bemühungen, Schulabgänger und Betriebe zusammenführen. Etwa die sogenannte Berufe-Tour mit einem Bus durch den Landkreis, bei der die Jugendlichen Betriebe, Ausbildungsplätze und -berufe kennenlernen können. Leonhard Merkl, Geschäftsführer im Jobcenter, appellierte an Firmen und Betriebe, jungen Leuten eine Chance zu geben, besonders auch Kinder, die sich beim Lernen schwerer tun. Merkl verwies in diesem Zusammenhang auf Fördermöglichkeiten.

Firmeninhaber Forster stellte fest, dass das Handwerk gerne ausbilde, dass aber die Jugendlichen arbeitswillig sein müssen. Eine Schnupperlehre bringt aus seiner Sicht auch viel Aufschluss über die Jugendlichen. Ausgehend von einer Lehre sind verschiedene Wege des beruflichen Aufstiegs zugänglich, so zum Beispiel die Meisterausbildung. Landrat Wolfgang Lippert merkte hierzu an, das Handwerk bietet Chancen zur Weiterbildung und zu einem guten Auskommen. Das Image des Handwerks müsse aber deutlich aufgebessert werden.

Bei der Diskussion wurde deutlich, dass große Betriebe an die Schulen herantreten und sich so offensiv auf die Suche nach Auszubildenden machen. Auch bei Ausbildungsmessen stellen sie sich überzeugend dar und wecken so das Interesse der Jugendlichen. Kleine handwerkliche Betriebe tun sich da schwerer. Ein erfolgversprechender Weg könnte sein, mehr Wert auf die Kommunikation mit den Schulen zu legen: Praktikums- und Stellenangebote in der Schule veröffentlichen, Flyer verteilen, Plakate anbringen. So muss das Handwerk mehr für sich werben. Zum Nulltarif, wie aus der Diskussion zu hören war, gibt es keine Auszubildenden mehr. Viele Firmen veranstalten Ausbildungstage, Tage der offenen Tür, um die jungen Menschen an die Firmen heranzuführen und ihnen das Handwerk schmackhaft zu machen.

Mehrere Diskussionsteilnehmer betonten, dass es im Landkreis viele gute junge Leute gibt, die handwerkliches Geschick haben und auch in der Region bleiben wollen. Man müsse auf die Auszubildenden zugehen. Es gehe darum, den Auszubildenden etwas zuzutrauen, ihnen wertschätzend zu begegnen und sie zu motivieren. Derzeit wird ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem Kinder von Asylbewerbern, durch den Freistaat Bayern finanziert, ausgebildet werden. Dies ist eine gute Chance dem demografischen Wandel zu begegnen.

Geschick trainieren

Die Handwerker unter den Diskutierenden beklagten, dass unsere Kinder kaum mehr handwerkliche Fähigkeiten lernen, weder zu Hause beim Spielen noch beim Lernen in der Schule. Es wurde angeregt, dass in den Ganztagsschulen diese Fähigkeiten mehr Platz erhalten sollten und nicht nur der Intellekt, sondern auch das manuelle Geschick trainiert werden soll. Nur so könne es gelingen, Interesse und Freude am handwerklichen Arbeiten zu wecken.

Als Fazit der Diskussionsrunde stellte die Kreisvorsitzende fest, dass es gute Ideen gebe, um das Interesse an handwerklichen Berufen zu erhöhen. Es sei aber auch erkennbar, dass das Handwerk noch stärker in die Öffentlichkeit gehen müsse.
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