Ein Café für die Seele

Carmen Roose. Bild: hfz
Lokales
Mitterteich
07.05.2015
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Viele Menschen stürzen beim Verlust eines lieben Angehörigen oder Freundes in ein bodenloses Dunkel. Doch es gibt Hilfe. Sogar bei Kaffee und Kuchen.

Seit dem vergangenen Herbst bietet das Mehrgenerationenhaus ein offenes Trauercafé für den ganzen Landkreis an. Jeden zweiten Mittwoch im Monat treffen sich ab 15 Uhr Interessierte, um mit ihrer Trauersituation fertig zu werden. Organisiert wird das Café von der Seniorenbeauftragten der Stadt Mitterteich, Anja Dubrowski. Begleitet wird es von Carmen Roose, die sowohl ausgebildete Hospizbegleiterin als auch Trauerbegleiterin ist. Die Teilnahme ist kostenlos und jederzeit ohne Anmeldung möglich.

Mitterteich gehört zu den Städten im Landkreis, die schon seit Jahren ein besonderes Augenmerk auf die Situation trauernder Menschen legen. So bietet die katholische Pfarrei seit 2007 monatlich offene Trauerandachten an. Das mag wohl auch der Anstoß gewesen sein, dass der Seniorenbeirat der Stadt Carmen Roose bat, doch ein landkreisweites Trauercafé anzubieten. Anja Dubrowski erklärte sich bereit, mitzuwirken solange die Begleitung über die ausgebildete Hospiz- und Trauerbegleiterin Roose sichergestellt ist.

Die Stadt regte an, doch die Räumlichkeiten des Mehrgenerationenhauses zu nutzen. Dies wäre ein neutraler Raum, in dem sich auch jene wohlfühlen, die mit Kirche nicht viel zu tun haben. Es entstand ein offenes Trauercafé. Ein "Café für die Seele", wie Anja Dubrowski es nennt. Angesprochen sind alle Menschen, die aktuell über einen lieben Verstorbenen trauern, deren Sterbefall schon länger zurück liegt, oder all jene, die eine Auszeit brauchen. Zahlreiche Verluste rufen genauso Trauer hervor, wie ein Todesfall. Verlust des Arbeitsplatzes, Auseinanderbrechen einer Partnerschaft oder andere schwerwiegende Ereignisse sind oft genug Grund, sich verlassen und einsam zu fühlen. All diese Menschen sind eingeladen, sich im Trauercafé mit anderen auszutauschen oder einfach nur ein wenig Gesellschaft zu haben. Das Erleben, mit der eigenen Trauer nicht allein zu sein, ist oft schon der erste Schritt zur Heilung.

In vielen Trauernden entsteht mit der Zeit das Gefühl, dass die Gedanken nur noch um den Verstorbenen kreisen und sie sich unter Menschen oft einsam fühlen. Gerade wenn eine gewisse Zeit seit dem Verlust vergangen ist, erleben Trauernde immer wieder, dass Freunde und Verwandte nicht mehr soviel Geduld und Zeit für sie haben. Sie fühlen sich krank und kraftlos und können für nichts mehr Freude empfinden. Genau für jene Menschen ist das Trauercafé als Angebot gedacht, um aus dem Teufelskreis heraus zu finden und wieder Anschluss an Menschen zu knüpfen, die ähnliches erlebt haben. Es bietet einen geschützten Raum für Gespräche und durch die qualifizierte Begleitung vielleicht den ein oder anderen Ausblick, der sonst nicht mehr wahrgenommen wird.

Lama-Wanderung

Auch größere Projekte werden im "Café für die Seele" angeboten. Momentan in Planung sind ein Nachmittag mit einem Imam und Rabbi, um auch über die Trauerkultur in anderen Religionen Wissenswertes zu erfahren. Außerdem ist im Herbst in Zusammenarbeit mit dem Mitterhof in Waldsassen eine Lama-Wanderung angedacht. Das nächste Trauercafé findet am Mittwoch, 13. Mai, ab 15 Uhr statt. Thematisch wird es um die einzelnen Trauerphasen gehen.
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