Gesichter für tote Soldaten

Mit ihrer Projektarbeit beteiligt sich die Klasse M 9 auch am Wettbewerb "100 Jahre Erster Weltkrieg" des Kultusministeriums. Am Volkstrauertag gestalteten die Schüler mit Klassenleiterin Monika Beer-Helm (rechts) einen Teil des offiziellen Gedenkens. Bilder: jr (2)
Lokales
Mitterteich
19.11.2014
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"Unter Hurrarufen und Schluchzen der Menge enteilt der Zug. " So schilderte ein Zeitzeuge, wie vor 100 Jahren Mitterteicher Soldaten ins Feld zogen. Viele kamen nicht zurück. Mittelschüler haben ihnen jetzt ein besonderes Andenken bereitet.

"Wir geben den Steinen ein Gesicht", lautete der Titel einer Projektarbeit der Klasse M 9 der Otto-Wels-Mittelschule. An den Gräbern am Kriegerdenkmal, dort, wo die Namen der Kriegsopfer eingemeißelt sind, erinnern jetzt Bilder an die einzelnen Soldaten. Sie sind noch diese Woche zu sehen.

Drei Wochen arbeiteten die 23 Schüler mit ihrer Klassenleiterin Monika Beer-Helm an diesem Projekt. Im Mittelpunkt stehen die Opfer des Ersten Weltkriegs. Die Schüler schrieben sich zunächst die Namen von den Gedenksteinen an den Gräbern auf und überlegten, wie die Schicksale der Gefallenen der heutigen Generation verdeutlicht werden kann.

Im Mitterteicher Stadtarchiv fand sich ein Gedenkbild mit 115 Einzelporträts der Gefallenen. Diese Bilder haben die Schüler abfotografiert, mit einem Bildbearbeitungsprogramm am Computer bearbeitet, vergrößert, als Postkarte ausgedruckt und wetterfest laminiert. Die Firma Metallbau Forster stellte 115 Metallstäbe kostenlos zur Verfügung, um die Bilder zu befestigen.

Zum Volkstrauertag am Sonntag steckten die Schüler nun die Bilder zu den jeweiligen Gedenksteinen am Kriegerdenkmal. Weitere Beiträge der Jugendlichen bereicherten die Gedenkfeier: Nach der Rede von Bürgermeister Roland Grillmeier verlasen die Schüler Texte, um die Stimmung zu Beginn des Ersten Weltkriegs in Erinnerung zu rufen. Sie ließen einen Zeitzeugen zu Wort kommen, der beschrieb, wie die damaligen Mitterteicher Wehrpflichtigen mit dem Militärzug "ins Felde" fuhren. "Unter den Klängen der Musikkapelle zogen Mitterteichs Wehrpflichtige zur Bahn, wo sich eine große Menschenmenge eingefunden hatte. Unter Hurrarufen und Schluchzen der Menge enteilt der Zug", heißt es in einer Aufzeichnung. Rund 150 junge Männer aus Mitterteich und den umliegenden Dörfern haben auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs ihr Leben verloren.

"Meine Schüler waren sehr betroffen, als sie herausfanden, dass die jungen Männer erst 18 oder 19 Jahre alt waren, als sie ums Leben kamen. Meine Schüler sind jetzt im Alter von 14 bis 16 Jahren", berichtete Klassenleiterin Monika Beer-Helm. Zum Schluss las eine Schülerin noch nachdenkliche Gedanken zum Thema Frieden vor. Mit diesem Projekt, so die Klassenleiterin, nimmt die M 9 am Wettbewerb des bayerischen Kultusministeriums zum Thema "100 Jahre Erster Weltkrieg" teil.
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