Hinter jeder Sucht ein Bedürfnis

Lokales
Mitterteich
01.04.2015
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Wie lernen Kindern, mit Gefühlen umzugehen? Was kann man zur Sucht- und Gewaltprävention tun? Diese und weitere Fragen standen kürzlich im Mittelpunkt eines Elternabends im städtischen Kinderhaus in Mitterteich.

Monika Zeitler, Leiterin des Katholischen Kindergartens in Tirschenreuth und ausgebildete "Freunde-Trainerin", referierte vor zahlreichen Zuhörern zum Thema "Starke Kinder - gute Freunde". "Freunde sind kostbar, weil man sie nicht kaufen kann", stimmte sie die Besucher auf den Abend ein. Die Menschen und besonders die Kinder bräuchten wieder ein Wertebewusstsein. "Unsere materialistische Gesellschaft muss begreifen, dass kostbare Dinge im Leben wie Liebe, Glück, Gesundheit und Freundschaft nicht käuflich sind."

Frühzeitig stärken

In diesem Zusammenhang habe der Rotary-Club das "Freunde-Programm" initiiert, das zur Sucht- und Gewaltprävention diene. Gefördert würden Selbstbehauptung und Lebenskompetenz. Wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass Kinder, die gelernt haben, mit ihren Gefühlen umzugehen und sich deren bewusst sind, später weniger anfällig für Sucht und Gewalt seien. "Man kann Kinder nicht früh genug stärken." Bei der Vorstellung des Programms machte Monika Zeitler deutlich, wie wichtig der Umgang mit Gefühlen sei. Weiter zeigte sie auf, worum es sich bei einer Sucht eigentlich handelt. In einem Stoffbeutel hatte die Referentin alkoholische Getränke, Zigaretten, Kaffee, Tabletten, ein Mobiltelefon, Schokolade und andere Dinge dabei. Die Eltern durften nach und nach etwas herausnehmen und überlegen, ob der jeweilige Gegenstand zu Problemen führen kann. "Hinter einer Sucht steckt immer ein Bedürfnis nach Nähe, Zuwendung, Zeit, Liebe und Geborgenheit", erklärte die Referentin. "Die Sucht koste uns im Jahr 25 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu kostet die Prävention rund 150 Euro pro Kind."

Anhand von praktischen Beispielen informierte Monika Zeitler, wie sich Kinder stärken lassen. Dabei ging sie auf einzelne Themen des "Freunde-Programms" ein. Durch ein Mitspracherecht werde Kindern etwa die Erfahrung ihrer Selbstwirksamkeit ermöglicht. "Sie lernen, eine eigene Meinung zu bilden und diese auch zu vertreten." Das Modul "Mit viel Gefühl" fördere die emotionale Kompetenz. Kinder lernten ihre eigenen Gefühle kennen und die von anderen bewusst wahrzunehmen.

Platz zum Streiten

Ausführlich berichtete Monika Zeitler vom "Selber-mach-Tag". Dabei bleibe einmal pro Woche das vorhandene Spielmaterial in den Schränken und die Kinder müssten eigene Ideen für die Gestaltung des Tages entwickeln. "Es ist erstaunlich, wie kreativ die Kinder mit der Zeit werden", sagte die Referentin. Wichtig sei auch, dass die Kinder einen "Platz zum Streiten" hätten. Konflikte würden häufig als Störung empfunden - es sei aber wichtig, Raum für Konflikte zu schaffen und mit den Kindern Schritt für Schritt einzelne Phasen der Konfliktlösung zu erarbeiten. "Die Kinder entwickeln mit der Zeit eine gesunde Streitkultur."

Zum Abschluss erörterte Monika Zeitler die Bedeutung von Ruhe-Ritualen und Entspannung. Dazu nahm sie die Eltern mit auf eine kurze Traumreise. "Inseln der Ruhe" könnten den Kindern helfen, besser mit Stress umzugehen und ihre eigenen Bedürfnisse besser wahrzunehmen. Kinderhausleiterin Evi Reichl dankte am Ende für die Ausführungen und betonte, dass die Einrichtung seit 2014 intensiv mit dem "Freunde-Programm" arbeite. Der Abend sei eine gute Gelegenheit gewesen, darauf genauer hinzuweisen.
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