Immer neue Ideen im Kopf

Ihre langen Haare inspirierten den New Yorker Fotokünstler Fedor Zavodylenko für ein Shooting vor der Brooklyn Bridge. Bild: Fedor Zavodylenko
Lokales
Mitterteich
23.10.2015
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Jennifer Danler ist als Künstlerin nur schwer "zu fassen". Mit dem, was hierzulande unter Kunst verstanden wird, hat das nur wenig zu tun. Freilich kann sie malen, was sie im Kunst-Leistungskurs am Elly-Heuss-Gymnasium oft genug unter Beweis gestellt hat. Auch an der Akademie in Nürnberg war ihr die Arbeit mit Pinsel und Stiften vertraut. Die Kunsterzieherin will sich darauf aber nicht beschränken. Viele Gedanken, Ideen und Objekte verarbeitet sie bei ihren Ausstellungen in sogenannten "Mindmaps". Dabei ste

Die 110 Zentimeter langen Haare sind das Markenzeichen der 1,80 Meter großen Jennifer Danler. Eine Erscheinung die auch den Fotokünstler, Fedor Zavodylenko inspirierte. Er lichtete die Mitterteicherin vor der Brooklyn Bridge ab.

"Es war sehr kalt", erinnert sich die 26-Jährige an das Fotoshooting. Auf Studienfahrt war sie damals mit ihren Künstlerkollegen unterwegs. Bei einer Vernissage in Soho sprach sie der Fotograf an, war fasziniert von ihrem äußeren Erscheinungsbild. "Wir haben uns spontan verabredet. Ich war sehr erstaunt, dass ich in New York aufgefallen bin." Jennifer Danler ist gebürtige Mitterteicherin, ging dort in die Grundschule, besuchte anschließend das Tirschenreuther Stiftland-Gymnasium und absolvierte die 12. und 13. Klasse mit Leistungskurs Kunst im Weidener Elly-Heuss-Gymnasium. Nach der Schule gab sie Nachhilfeunterricht für Mathematik, war als Event-Fotografin tätig und modelte zwei Jahre lang. Damals stellte sich für sie die Frage: Zahnmedizin- oder Kunststudium? Zwei Berufsfelder wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. "Ich finde den Zahnarzt-Beruf sehr spannend. Das Feine an der Arbeit fasziniert mich - und dass ein guter Zahnarzt auch eine Art Künstler ist, weil er das Gesicht eines Menschen formt. Auch Goldschmiedin hätte ich mir vorstellen können."

In Heidelberg hatte sie bereits die Zusage für das Zahnmedizinstudium. Dann kam auch die Aufnahmebestätigung von der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. "Wer dieses Angebot ablehnt, bekommt nie wieder einen Fuß in die Tür der Szene." Nicht zuletzt auch deshalb entschied sie sich für das Kunststudium.

Zusätzliche Ebene

Die Tätigkeit als freie Künstlerin wäre für sie nie in Frage gekommen, dafür sei sie zu verantwortungsbewusst. Ein geregeltes Leben mit sicheren Einkünften sei schon wichtig. "Zudem habe ich bei meiner Nachhilfetätigkeit schnell bemerkt, wie viel mir die Arbeit mit jungen Menschen zurückgibt. Dabei lernt man sich selber besser kennen. Lehren schafft eine zusätzliche Ebene für das eigene Verständnis."

Derzeit lebt Jennifer Danler in Regensburg und absolviert am Werner-von-Siemens-Gymnasium ihre zweijährige Referendarzeit. Anschließend hofft sie auf eine Festanstellung an einem Gymnasium in der Nähe ihrer Heimatstadt. Mit der Lehrtätigkeit werde aber ihre eigene Kunst nicht in ihrer Entwicklung stagnieren, ist sie sich sicher. "Mir spuken immer neue Ideen im Kopf herum, die ich früher oder später künstlerisch verarbeite. Im Moment finde ich das Spannungsfeld zwischen privatem und öffentlichem Raum und die Vermischung dieser Grenzen wahnsinnig interessant."

Frei weg erzählt

In Büchern hat sie festgehalten, was ihr Bekannte von sich erzählt haben. "Nicht auf Stalker-Niveau - die Leute haben das alles frei weg erzählt. Ein Phänomen, wie es besonders in den sozialen Medien deutlich wird, wo die Leute viel Privates, ja fast schon Intimes preisgeben, ohne groß nachzudenken." Wohne man in einem Mietshaus in der Großstadt, werde schnell deutlich, dass man zwar unter einem Dach, aber doch vollkommen aneinander vorbei lebe. Trotzdem interessierten sich die Menschen füreinander, stecke in jedem eine Art Voyeur. "Ich habe auch ein Porträt-Tagebuch geführt, indem ich mich jeden Tag aus dem Spiegel selbst portraitiert habe."

Bett oder Garage

Ihre Kunst "erledigt" Jennifer Danler überall. Das kann genauso gut im Wohnzimmer wie auch im Bett, in der Garage oder im Zug stattfinden. Oft vermischt sie Motive und führt sie in Mal-Collagen zusammen. Da finden sich auch Ansichten aus der Heimat, meistens verfallene und verlassene Gebäude wie etwa die ehemalige Mitterteicher Porzellanfabrik.

"Ich gehöre sicher nicht zu den Künstlern, die vor der Leinwand stehen und sagen, dass das, was da zu sehen ist, über mich gekommen ist. Manche Dinge, die ich sehe, halte ich mit der Kamera fest. Meistens schreibe ich es aber auf, weil das produktiver ist. 1:1 bringt dich nicht weiter - nur die Essenz von dem, was hängenbleibt - sie ist das Wichtige."

Jennifer liebt ihre drei Katzen, geht gerne schwimmen und entspannt bei Musik von Robbie Williams und Johnny Cash. "Selber treffe ich aber keinen einzigen richtigen Ton. Ich bin total unmusikalisch."
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