Inklusion stößt an Grenzen

Lebenshilfe-Geschäftsführer Berthold Kellner, Vorsitzender Karl Haberkorn, 2. Bürgermeister Stefan Grillmeier und Rektor Uli Sommer hießen die Abgeordneten Uwe Schummer und Albert Rupprecht (von links) in der Mitterteicher Einrichtung willkommen. Bild: jr
Lokales
Mitterteich
14.10.2015
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Die Kritik war deutlich. Bei der Planung öffentlicher Gebäude, Schulen und Kindertageseinrichtungen werde oft nicht an Menschen mit Handicap gedacht. Landkreis-Behindertenbeauftragter Reinhard Schön forderte jetzt im Vorfeld mehr Mitspracherecht.

Bei entsprechender Planung im Vorfeld ließe sich viel Geld sparen. Vorbildlich dagegen die Lebenshilfe-Einrichtungen: Schule und Tagesstätte sind barrierefrei zu erreichen. Dort zu Gast waren der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der Lebenshilfe, MdB Uwe Schummer, und Wahlkreisabgeordneter Albert Rupprecht.

Lebenshilfe-Vorsitzender Karl Haberkorn erklärte, dass durch die Inklusion weniger Kinder in die Schule und die Tagesstätte kommen. Aktuell besuchen 75 Kinder die Einrichtung. Ein Thema war die Lehrerausbildung für die Schüler, die MdB Albert Rupprecht unbedingt verbessert haben will. Geschäftsführer Berthold Kellner dagegen wusste, dass das Thema Inklusion an den Hochschulen bei der Lehrerausbildung noch gar nicht angekommen sei. Berthold Kellner betonte, dass mehrfach Schwerstbehinderte in der Mitterteicher Einrichtung am besten aufgehoben seien. "An anderen Schulen stößt die Inklusion an ihre Grenzen."

Für Uwe Schummer sei wichtig, dass die Eltern entscheiden können, wo sie ihre Kinder hinschicken. Kellner sah seine Schule bestens ausgerichtet für Schüler mit Schwerstbehinderungen. Anders sehe es bei der Nachmittagsbetreuung aus. Hier sei der Bezirk zuständig. "Wir bräuchten am Nachmittag das gleiche Personal wie am Vormittag in der Schule", sagte Kellner. 2. Bürgermeister Stefan Grillmeier sah im alljährlichen Inklusionslauf ein Zeichen, wie Inklusion gelingen kann.

Frühförderung hilft

Ein weiteres Thema war die Frühförderung. 98 Prozent der Kinder, die eine solches Angebot nutzen, gingen danach in die Regelschule, wusste Kellner. Beiden Bundestagsabgeordneten sagte Kellner, dass behinderte Menschen in Mitterteich schon längst zum normalen Stadtbild gehörten. Um so mehr ärgere es ihn, dass selbst sanierte Gebäude in der Stadt nur durch Umbauten und unter Schwierigkeiten barrierefrei erreicht werden können. Kritik an den damaligen Architekten konnte sich Kellner nicht verkneifen. Behindertenbeauftragter Reinhard Schön bestätigte dies vorbehaltlos. "Viele Architekten stellen Schönheit vor Zweckmäßigkeit."
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