Keine Bahnen am frühen Morgen

Seit Beginn der laufenden Freibadsaison stehen die zuletzt rund 30 Frühschwimmer vor verschlossenen Toren. Bilder: lnz (2)
Lokales
Mitterteich
27.06.2015
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Über Jahrzehnte hinweg zogen Frühschwimmer im Mitterteicher Freibad ab 6.30 Uhr ihre Bahnen. Doch damit ist seit Beginn dieser Saison Schluss - aus Versicherungsgründen bleibt die Anlage vor 9 Uhr geschlossen. Die rund 30 Betroffenen sind sauer.

"Ich bin seit 33 Jahren Frühschwimmer", betont Dr. Wolf-Jürgen Wenkel, früherer langjähriger Vorsitzender des Stadtverbands für Sport. Der 79-Jährige bedauert die Entscheidung der Stadt und fordert eine Rückkehr zur bisherigen Regelung. Damit spreche er stellvertretend für die "eingeschworene Gemeinschaft", wie er erklärt. "Ich appelliere an Ihren Gerechtigkeitssinn!", schreibt Dr. Wenkel in einem Brief an Bürgermeister Roland Grillmeier. Weil das Bad bei Bedarf auch für "Spätschwimmer" geöffnet bleibe - und das bei ermäßigtem Eintritt - sollten auch die Frühschwimmer wieder aktiv werden dürfen.

Bitte um Klarstellung

Was Dr. Wenkel und seine Mitstreiter vor allem ärgere, sei der Umgang der Stadt mit den Frühschwimmern. "Die Art und Weise, wie Sie uns ausgebootet haben, war nach meiner Meinung entwürdigend, besonders für die Senioren", beklagt Dr. Wenkel in seinem Brief weiter. Anfang dieses Jahres seien zunächst Gerüchte im Umlauf gewesen, wonach das Frühschwimmen nicht mehr möglich sein werde. Daraufhin habe man Ende Februar den Bürgermeister schriftlich um Klarstellung gebeten.

Nachdem eine Antwort ausgeblieben sei, habe Dr. Wenkel Ende April das direkte Gespräch mit Roland Grillmeier gesucht. "Ich hatte den Eindruck, dass das Frühschwimmen so oder so beendet werden sollte", berichtet der 79-Jährige. Auf Dr. Wenkels Vorschlag hin, das Bad generell ab 7 Uhr zu öffnen, sei der Hinweis gekommen, dass dann das Defizit der Einrichtung noch weiter steigen würde. Mitte Mai - bereits einige Tage nach der Eröffnung der Freibadsaison - ging ein Schreiben des Bürgermeisters bei den Frühschwimmern ein, in dem das sofortige Aus der bisherigen Regelung offiziell verkündet wurde. Als Grund nannte Roland Grillmeier die gestiegenen Sicherheitsanforderungen und Haftungsfragen in Zusammenhang mit der Badeaufsicht.

Dr. Wenkel kritisiert den späten Zeitpunkt der Mitteilung und auch die Tatsache, dass das Thema Frühschwimmer zuvor in zwei Stadtratssitzungen nichtöffentlich behandelt worden sei. "Wir hätten ja gemeinsam nach einer Lösung suchen können", sagt Dr. Wenkel. So wären er und einige seiner Mitstreiter bereit, als Frühschwimmer mehr für den Eintritt zu bezahlen.

Jahrelange Diskussionen

Bürgermeister Roland Grillmeier weist sämtliche Vorwürfe zurück. Auf NT-Anfrage teilt er mit, dass es sich bei der zuletzt gültigen Frühschwimmer-Regelung um eine vertragliche Angelegenheit zwischen Stadt, Privatpersonen und Versicherungen gehandelt habe. "Das gehört nicht unbedingt in die Öffentlichkeit." Überraschend sei die Entscheidung auch nicht gekommen, denn über ein mögliches Ende der Vereinbarung aus Sicherheitsgründen sei schon jahrelang diskutiert worden.

Notglocke und Erklärung

Problematisch sei seit jeher gewesen, dass das Bad-Personal wegen regelmäßiger notwendiger Arbeiten vor dem regulären Betrieb eine ununterbrochene Überwachung der Frühschwimmer nicht gewährleisten könne. Laut Grillmeier musste die Stadt bereits 2006 auf geänderte Vorgaben reagieren. Deshalb sei damals mit der Versicherung die Installation einer Notglocke und eine Einweisung aller Frühschwimmer vereinbart worden. Zudem hätten die Frühschwimmer eine Erklärung abgegeben, dass sie im Schadensfall gegenüber der Stadt keine Haftungsansprüche stellen. Rechtliche Unsicherheiten habe es aber trotzdem weiterhin gegeben.

Einzigartige Regelung

In jüngster Vergangenheit sei es zu weiteren haftungsrechtlichen Änderungen gekommen, weshalb die Versicherung der Stadt dringend geraten habe, diese für öffentliche Bäder wohl einzigartige Frühschwimmer-Regelung abzuschaffen. "Als Bürgermeister hätte ich womöglich haftungsrechtliche und strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten gehabt", erklärt Grillmeier. Auch weil es um seine persönliche Haftung gegangen sei, habe man das Thema nichtöffentlich behandelt.

Der Stadtrat habe sich letztlich mit der Frage befasst, ob die Stadt mit öffentlichen Mitteln für Schäden durch Badeunfälle aufkommen sollte. "Er hat die Meinung vertreten, dass eine derartige Haftung nicht von der Allgemeinheit übernommen werden kann", so Grillmeier. Weiter habe sich das Gremium gefragt, wie viele Frühschwimmer überhaupt noch die Voraussetzungen für diese besondere Regelung erfüllen. Denn diese sei ursprünglich nur eingeführt worden, um Berufstätigen das Schwimmen zu ermöglichen, die dazu während der regulären Öffnungszeiten keine Möglichkeit haben.

Den Vorwurf der mangelnden Kommunikation will sich Roland Grillmeier ebenfalls nicht gefallen lassen. Verschiedene Frühschwimmer habe man immer wieder über die Sachlage informiert. "Dabei wurden auch Vorschläge mit der Versicherung erörtert." Bereits vor dem offiziellen Schreiben Mitte Mai - verschickt direkt nach der zweiten Stadtratsberatung zu dem Thema - sei angekündigt worden, dass die Regelung keine Zukunft habe.

Eine generelle Ausweitung der Öffnungszeiten lehnt Grillmeier aus Kostengründen ganz klar ab. Der höhere Personaleinsatz würde das ohnehin schon rund 400 000 Euro schwere jährliche Defizit der drei großen Freizeiteinrichtungen nochmals um bis zu 40 000 Euro steigern. Abschließend gibt der Bürgermeister zu bedenken, dass es in der ganzen Region kaum ein vergleichbares Freibad gebe, das vor 9 Uhr geöffnet ist.
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