Kunst in Großstadt und Provinz

Julia Werner und Jennifer Danler (von links) haben die Qual der Wahl bei der Entscheidung, was am besten wohin passt. Bild: tr
Lokales
Mitterteich
08.08.2015
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Die Vorstellungen von Kunst hierzulande und in der Großstadt lägen weit auseinander - aber es gebe auch Schnittstellen, und diese seien äußerst spannend. Beispiele dafür zeigen Jennifer Danler und Julia Werner mit ihrer Präsentation "Apart?" bis zum 15. September im Mitterteicher Museum.

Was passiert, wenn zwei Kunststudentinnen, die aus der Region stammen, an der Kunstakademie in Nürnberg arbeiten und zurückkehren, um eine gemeinsame Ausstellung zu machen? Die Antwort auf diese Frage finden die Besucher in Form einer durchaus provozierenden Installation.

Nicht abwertend gemeint

Die zweite Frage, die nicht weniger spannend ist: Wie reagiert das "Provinz-Publikum" darauf? Dabei sei der Begriff Provinz in keinster Weise abwertend gemeint, versichern die beiden. Er sei lediglich als Pendant zur Großstadt zu verstehen, in der der Begriff Kunst völlig anders gedeutet werde. Einfache Kost ist es nicht, was Jennifer Danler, die aus Mitterteich stammt, und Julia Werner aus Ottengrün ihren Gästen servieren. Die will erst einmal verdaut sein. Sie sind sich dessen bewusst und wissen, dass ihre "Mindmap" auch durchaus auf Ablehnung stoßen kann. Doch das ist zweitrangig für die Künstlerinnen.

Den Sonderausstellungsraum haben die beiden mittels besprayter Folie in mehrere kleinere Räume aufgeteilt. Darin präsentieren sie bunt gemischt die unterschiedlichsten Arbeiten. Große Styropor-Dreiecke hängen von der Decke, nehmen diverse Gegenstände auf. Aber keine Angst - auch "normale" Malerei gibt es zu entdecken. Zum Beispiel Werke, die das Duo in den Kunst-Leistungskursen am Gymnasium angefertigt hat. Gegenständlich, farbig dezent, perspektivisch korrekt kommen die daher.

Durch die besprühten Folien sind die Wände der neuen Räume halb transparent und lassen spannende Blicke in die nächsten Abteilungen zu. Dadurch, dass der leichte Windhauch, der beim Durchgehen entsteht, diese "Wände" im Luftzug wiegt, entstehen immer neue Bilder, die dem Bewusstsein jede Menge an Stoff für eigene, immer neue Interpretationen liefern.

"Surreale Gedankenkarte"

Der Fußboden, die Decken und Wände sind involviert in diese "surreale Gedankenkarte" der beiden Ausstellerinnen und liefern je nach Standort immer wieder neue Eindrücke. Seit Tagen arbeiten die Künstlerinnen an dieser Performance - vom Reißbrett, ganz ohne vorbereiteten Plan. Das Raumkonzept entstehe erst bei der Arbeit selbst, wie sie erklärten. Erst am Samstagabend kurz vor der Vernissage soll die Ausstellung komplett fertig sein.

Alles, was vor Ort präsentiert werde, sei nur ein kleiner Teil von dem, was am Eröffnungsabend im Vortragsgespräch zur Sprache kommt. Dieses führt Jennifer Danler mit Wolfgang Brauneis. Der gebürtige Tirschenreuther, Jahrgang 1971, hat in Regensburg, Amsterdam und Köln Kunstgeschichte studiert. Er lebt in der Rhein-Metropole und wirkt auch als Gastprofessor an der Kunstakademie Münster.
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