Lange Geschichte mit Lücken

Das aktuelle Bild zeigt den Großteil der Aktiven des Männergesangvereins Mitterteich. Chorleiter ist Eduard Bauer (zweite Reihe, Dritter von links), Vorsitzender des Vereins ist Erich Fischer (zweite Reihe, links) Bild: hfz
Lokales
Mitterteich
05.06.2015
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Auf eine 150-jährige Geschichte kann der Männergesangverein Mitterteich zurückblicken. Kurz vor der Jubiläumsfeier bringt 2. Vorsitzender Ludwig Kraus einige Höhen und Tiefen der vergangenen eineinhalb Jahrhunderte in Erinnerung.

Es war der Lehrer und Kantor Leonhard Hauer, der den MGV im Jahr 1865 ins Leben rief. Gründen wollte er einen "freiwilligen Verein von Männern (...), welcher durch Pflege und Förderung der Musik und des Gesanges sowie mittels mündlicher Vorträge und theateralischen Vorstellungen Erheiterung und gesellige Unterhaltung bezielt".

Kein Archivmaterial

"Über die Anfangszeit gibt es wenig zu berichten, es ist kein Archivmaterial vorhanden", erklärt Ludwig Kraus. 1876 aber trat der Gesangverein in den Aufzeichnungen des Magistrats (und späteren Bürgermeisters) Georg Kellner mit der Fahnenweihe auf die Bühne der Öffentlichkeit. Zu diesem Anlass hatte man den Gesangverein Erbendorf gebeten, die Patenschaft zu übernehmen, wofür sich dieser für die Ehre mit einem Fahnenband bedankte. Zudem waren Gesangvereine aus Amberg, Arzberg, Dörflas, Brand, Tirschenreuth sowie eine Deputation der Männergesangvereine Eger und Leuchtenberg zu diesem Fest gekommen.

Einige Male noch erscheint der Verein in diesen Aufzeichnungen - so im August 1880 zum Wittelsbacher Fest, im Mai 1887 anlässlich der Durchreise des Prinzregenten Luitpold von Bayern und im Juli 1906 anlässlich der Überführung eines bei einem Autounfall auf der Straße nach Waldsassen tödlich verunglückten französischen Prinzen. Erhalten ist ferner ein Protokollbuch für die Zeit von 1907 bis 1909. Darin wird von Gesangs- und Theateraufführungen des Gesangvereins für die Öffentlichkeit berichtet. Doch 1909 enden die Eintragungen abrupt.

"Leider geben die Archive über das Vereinsleben im Allgemeinen und das des Gesangvereins im Besonderen für die Zeit nach der Fahnenweihe bis zur Wiedergründung im Jahre 1956 nicht mehr her", so Kraus. "Tatsache ist zwar, dass der Gesangverein Mitterteich 1896 die Patenschaft für den Gesangverein Waldershof übernommen hatte, doch weder beim hiesigen noch beim Waldershofer Verein sind darüber Aufzeichnungen vorhanden." Immerhin seien die Fahnenbänder noch erhalten.

Wiedergründung 1956

An der 1988 bei Renovierungsarbeiten in einem Wohnhaus im Mitterteich wieder aufgefundenen Vereinsfahne aus dem Jahr 1876 befanden sich mehrere Fahnenbänder - unter anderem aus Franzensbad (1889), Schwandorf (1891), Erbendorf (1913, 50. Stiftungsfest), Waldershof (25. Gründungsfest) und Röthenbach (1929). 1956 konnte der Verein ganz offiziell wieder gegründet werden, nachdem zuvor mehrere Versuche gescheitert waren. Schließlich konnte der Mitterteicher Zahnarzt Dr. Oswald Krämer das Bestreben in die Tat umsetzen.

"Das war nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass Kirchenmusikdirektor Heinrich Bornschlegl seit 1956 auch in der Pfarrei Mitterteich wirkte", berichtet Kraus. 46 aktive Gründungsmitglieder konnte der Verein damals neben etlichen passiven verzeichnen.

Seit dieser Zeit ist der Männergesangverein aus dem kulturellen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken. Bis Ende der 1980er Jahre wies der Verein den Gründungszusatz "1872" auf, bis man in den Archiven das tatsächliche Gründungsjahr entdeckte. Ein Verzeichnis über die Vereine in den Archiven der Stadt, vermutlich um 1890 erstellt, nennt als Verein Nr. 2 den Gesangverein, gegründet am "20ten Januar 1865, Lokal bei Wiendl".

Obwohl der MGV mit beachtlichen Aktivitäten in Mitterteich und Umgebung aufwarten könne, leide er wie viele Vereine - insbesondere die Gesangvereine und speziell die Männerchöre - unter Nachwuchsmangel. "Mag das Jubiläum geeignet sein, Männern aller Altersstufen die Schönheit des Gesangs in Erinnerung zu rufen - all jenen, die gerne singen und auch die Geselligkeit in einem Verein schätzen", hoffen Ludwig Kraus und der ganze Verein.
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