Mitterteicher informieren sich über Palliativstation in Neustadt und übergeben Spende an ...
Arbeit, die an die Substanz geht

Lokales
Mitterteich
16.03.2015
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Als im Herbst 2014 in Mitterteich das landkreisweite Trauercafé seine Arbeit aufnahm, kamen die Verantwortlichen schnell zu dem Schluss, dass man über den Tellerrand hinaus denken müsse. So organisierten sie kürzlich eine Fahrt zur Palliativstation in Neustadt, eine Fachabteilung der Kliniken Nordoberpfalz AG. Die leitende Ärztin Dr. Susanne Kreutzer nahm sich zwei Stunden Zeit, um 28 Frauen und Männern die Station zu zeigen und deren Fragen zu beantworten. So erfuhren die Besucher aus Mitterteich und Umgebung nicht nur vieles über die Arbeitsweise, sondern auch, welche Problemen es gerade in finanzieller Hinsicht gibt.

Die Palliativstation kann zehn Patienten aufnehmen, wobei deren Alter bislang von 22 bis 102 Jahre reichte. Neben Ärzten und Pflegekräften kümmern sich unter anderem Logopäden, Atem- und Musiktherapeuten, Physiotherapeuten und Seelsorger um die Kranken. Unterstützt werden sie auch von Hospizdiensten. Die enge Zusammenarbeit mit dem Klinikum Weiden bietet die Garantie dafür, dass für die Patienten alles getan wird, was möglich ist. Für das seelische Gleichgewicht der Kranken ist oft auch von enormer Bedeutung, dass Haustiere Zutritt haben.

250 Einrichtungen

Dr. Kreutzer machte deutlich, wie wertvoll in der Diskussion um passive Sterbehilfe eine wohnortnahe Versorgung von schwerstkranken Menschen sei. In der Gesellschaft zeichne sich langsam ein Wandel ab. So steht seit vergangenem Jahr der Bereich "Palliativmedizin" im Studienplan der Medizinstudenten. Die Zahl der Palliativstationen in Krankenhäusern hat sich in 20 Jahren auf 250 verzehnfacht. Rund 20 000 Pflegekräfte haben Fortbildungen in "Palliative Care" besucht - eine Voraussetzung für den Dienst in Palliativstationen.

Gespräche am wichtigsten

Dringenden Nachholbedarf gebe es noch beim Thema Finanzen. Ob Fallpauschalen oder Zusatzvergütungen - bezahlt würden nur Aktivitäten. Dabei seien in der Palliativpflege Gespräche die wichtigsten Tätigkeiten. Zeit werde nicht bezahlt, sei aber absolut wichtig. Der enormen körperlichen und psychischen Belastung der Pflegekräfte werde mit dem Pflichtangebot der Supervision entsprochen. Denn die Arbeit mit Schwerstkranken, Sterbenden und Angehörigen - auch über die Dienstzeit hinaus - gehe gewaltig an die Substanz.

Dr. Kreutzer appellierte an die Besucher, sich bei bekannten Politikern für eine angemessene finanzielle Unterstützung der Palliativarbeit einzusetzen. Denn es sei nur wenig bekannt, dass jeder ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Palliativpflege habe. "Versicherte mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung bei einer zugleich begrenzten Lebenserwartung, die eine besonders aufwändige Versorgung benötigen, haben Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung." So steht es Sozialgesetzbuch. Allerdings sei dafür kein finanzieller Grundstock geschaffen worden. "Über Krippenplätze wird gesprochen, Palliativarbeit bleibt ungehört."

Ein "großer Schatz" für die Palliativstation sei der "Förderverein für Schwerkranke der Kliniken Nordoberpfalz AG". Der Förderverein hat das Ziel, die ambulante und klinische Behandlung von Schwer- und chronisch Kranken zu unterstützen. Neben direkten operativen und onkologischen Maßnahmen kommen symptomatische Maßnahmen wie etwa die Schmerzbehandlung ergänzend zur Anwendung. Aufklärung, Informationen und Nachsorge sollen eine ganzheitliche Patientenversorgung trotz angespannter Finanzierungssituation gewährleisten.

Mit den Fördergeldern würden insbesondere die Ausstattung mit medizinischen Geräten und die Infrastruktur weiter verbessert. Gefördert werden soll auch die Fort- und Weiterbildung von Ärzten und Pflegepersonal. Ebenso gehört die Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen im Umgang mit der Belastung zu den Aufgaben des Fördervereins.

Der Förderverein verwaltet auch die eingehenden Spenden an die Palliativstation. Dies nahmen Anja Dubrowski und Carmen Roose, die Verantwortlichen des Trauercafés Mitterteich, zum Anlass, an Dr. Susanne Kreutzer eine stattliche Spende zu übergeben. Ein Teil des Geldes wurde bei den Trauerandachten gesammelt, der andere Teil kam durch Spenden der Fahrtteilnehmern zusammen.

Trauercafé am 8. April

Roose hat auch für die nächsten Trauercafé-Treffen unterschiedliche Themen geplant. So unter anderem eine Infoveranstaltung zu den Trauerriten der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften in der Region. Eingeladen sind nicht nur aktuell Trauernde, sondern alle Menschen, die sich mit Gleichgesinnten treffen und die Möglichkeit zu begleiteten Gesprächen suchen. Das nächste Treffen findet am Mittwoch, 8. April, statt. Beginn ist um 15 Uhr im Marktcafé des Mehrgenerationenhauses.
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