Nachtschichten zum Geburtstag

Die Mitterteicher Schnitzer stehen in den Startlöchern. Eine Woche haben sie Zeit, die fünfte große Krippenausstellung vorzubereiten. Bilder: Grüner (2)
Lokales
Mitterteich
14.11.2014
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Das Stiftland ist eine Region der Krippenschnitzkunst. Jedes Jahr sind hier in verschiedenen Orten große Krippenschauen zu bewundern. Diesmal lädt dazu Mitterteich ins Museum ein. Im Fünf-Jahres-Rhythmus zeigen die Schnitzer ihr Können. Heuer feiern sie 25. Jubiläum.

Sie nennen sich bescheiden "Mitterteicher Hobbyschnitzer". Eine Einschätzung, mit der die 45 Aktiven, darunter 14 Jugendliche, ihr Licht arg unter den Scheffel stellen. Die Figuren, die sie schaffen, kommen äußerst lebensecht daher. Filigrane, ausdrucksstarke Gesichter zeichnen sie aus.

Große Landschaftskrippen

Seit 25 Jahren sind die Schnitzer aktiv. Und sie fertigen nicht nur Krippenfiguren. Das Jubiläum feiern sie aber nicht alleine. Am 12. Dezember laden sie zur nunmehr fünften großen Krippenschau im Sonderausstellungsraum des Museums für Porzellan, Glas und Handwerk ein. Ab 13. Dezember ist die Schau für die Öffentlichkeit zugänglich und dauert bis einschließlich 19. Januar 2015.

Dabei zu sehen sind 25 große Landschaftskrippen, quasi eine für jedes Jahr. Das Besondere daran ist, dass die Krippen frei zugänglich präsentiert werden, also nicht hinter Glas versperrt sind. Immer vor Ort sind mindesten sechs Schnitzer, die mit Fachkompetenz jede Frage zum komplexen Thema beantworten. Außerdem ist direkt beim Eingang eine kleine Werkstatt eingerichtet. Dort wird ständig gewerkelt, können die Gäste die Hohe Schule der Schnitzkunst hautnah miterleben.

"Bethlehem war nicht Idylle, nicht Glanz und nicht Palast. Bethlehem war ganz Erde, Stall und Stroh. Bethlehem war aber auch Geborgenheit und Wärme in einem einfachen Stall", heißt es im Flyer zur Präsentation. Die beiden letzteren Aspekte wollen die Schnitzer in die Herzen der Ausstellungsbesucher bringen. Das ist die Intention für die diesjährige Präsentation.

Lange Tradition

Das Krippenschnitzen hat in Mitterteich lange Tradition und geht zurück ins frühe 19. Jahrhundert. Die erhaltenen historischen Krippen sind im Gegensatz zu fast allen neuen, gefasst (bemalt) und werden von den Privatbesitzern jedes Jahr aufgebaut. Nach Anmeldung können sie auch besichtigt werden. Die Krippe in der Pfarrkirche St. Jakob hat 1936 Pfarrer Josef Neid erworben. Jedes Jahr wird sie im Hauptportal von fachkundigen Schnitzern aufgebaut.

Die neue Generation von Krippenschnitzern startete 1989 durch. Der damalige Mesner Fritz Burger war gewissermaßen der "Rädelsführer", Jakob Süß hingegen, der Mann mit dem nötigen Fachwissen.

Neun Personen taten sich damals zusammen und gründeten die lockere Vereinigung. Die Gründungsmitglieder Richard Rosner, Josef Göhl, Adolf Gold, Karl Ockl, und, mit vier Wochen Verspätung, Peter Dotzauer, sind auch heute noch aktiv dabei. Jeden Dienstag treffen sich die Holzkünstler in ihrem Raum im Museum. Von 19 bis 21 Uhr werkeln sie fleißig vor sich hin und tauschen Erfahrungen aus. Vorher tut ihnen das die Jugendgruppe mit 14 Mitgliedern gleich. Selbstredend, dass jeder auch seine eigene kleine Werkstatt zu Hause im Keller oder im Schuppen hat. "Wenn es unter den Nägeln brennt, ist es gut, wenn man seine Ideen sofort am Holz umsetzen kann", begründen sie ihre "Home-Offices".

Perfekte Planung

Obwohl sie nur eine Woche Zeit für den Aufbau der Ausstellung haben, sind die Schnitzer völlig entspannt. "Mit ein paar Nachtschichten schaffen wir das", sind sie überzeugt. Damit das klappt, ist natürlich eine akribische Planung im Vorfeld vonnöten. Die steht praktisch seit der letzten Ausstellung vor fünf Jahren.

Die größte Krippe steuert Adolf Gold zur Ausstellung bei. Nazarener Stil auf einer Fläche von dreieinhalb mal eineinhalb Metern und 75 Figuren mit 22 Zentimetern Höhe aus Lindenholz und ungefasst. Eher ungewöhnlich für die Mitterteicher Schnitzer ist eine Kastenkrippe mit Miniaturfiguren. Die Jugendgruppe, in der auch drei Mädchen aktiv sind, präsentiert ein Gemeinschaftswerk.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.krippenschnitzer.cabanova.com/
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