Neue Märkte braucht die Milch

Lokales
Mitterteich
12.12.2014
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Die Landwirtschaft im Landkreis steht vor großen Herausforderungen. Sinkende Milchpreise bringen sinkende Einnahmen bei höheren Kosten. Und der Wegfall des russischen Marktes tut ein Übriges.

Beim jüngsten Kreisbauerntag im Josefsheim waren die Probleme der Milchbauern das Gesprächsthema. Günther Felßner, stellvertretender Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, sah in der Milchquote nicht das Allheilmittel. "Sie kann uns auch keine besseren Preise garantieren." Vielmehr forderte der Sprecher neue Märkte für landwirtschaftliche Produkte.

Kreisobmann Ely Eibisch freute sich über ein gut gefülltes Josefsheim.Landrat Wolfgang Lippert erinnerte daran, dass im April noch positive Meldungen über den Milchmarkt die Runde machten. Heute dagegen sei der Markt gesättigt, treffe nicht zuletzt auch das Russland-Embargo die Landwirte. "Unsere Discounter senken rücksichtslos die Milchpreise. Das ist ein falsches Signal", forderte der Landrat Planungssicherheit in der Preisgestaltung ein.

Bürgermeister Roland Grillmeier wollte nicht noch einmal mehr erleben, dass überschüssige Milch auf den Feldern eingepflügt wird, wie vor einigen Jahren. Der Landkreis ist durch die Landwirtschaft geprägt, junge Bauern hätten viel investiert. "Der Bauernstand trägt dazu bei, dass es bei uns in der Region vorwärts geht." Die Milch sei als Grundnahrungsmittel wertvoll.

In seiner rund 80-minütigen Rede deckte Günther Felßner alle Felder der Landwirtschaft ab. Der Bayerische Bauernverband vertrete die Interessen von 156 000 Betrieben im Freistaat. Der Tirschenreuther Kreisverband werde mit seinen Aktionen durchaus wahrgenommen. Freilich war für ihn auch klar, dass sich die Landwirtschaft im ständigen Wandel befinde.

"Wer eine Zukunft haben will, muss auch Verantwortung übernehmen", forderte Felßner. Er habe schon ganz andere Phasen erlebt, aus denen die Landwirtschaft gestärkt hervorgegangen sei. Die Preisgestaltung sei den freien Märkten ausgesetzt. "Wir müssen uns diesen Märkten stellen, da sind wir selber auch schon gefordert."

Als Vorteil sah der Sprecher die hohen Standards der deutschen Landwirtschaft. Die müssten Weltstandards werden und nicht die aus China, Indien oder Südafrika. Felßner rechnete den Landwirten vor, dass jeden Tag 250 000 Menschen mehr auf der Welt leben. "Die müssen essen, leben und brauchen Energie." Jährlich seien das bis zu 80 Millionen Menschen mehr, die die Landwirte brauchen.

Seit 1984 habe sich die Weltbevölkerung verdoppelt. "Die will verpflegt werden, das ist auch eine Chance für die Landwirtschaft." Felßner nannte es einen Skandal, dass dennoch rund 800 Millionen Menschen hungern. "Wir produzieren nicht zu wenig, sondern 1,1 Milliarden Menschen haben kein eigenes Einkommen." Felßner wusste, dass der Landkreis die beste Milchsteigerung in ganz Bayern hat. Er war sich sicher, dass die Nachfrage nach Milch wieder steigen wird. "Ich bin sicher, ab Mitte des kommenden Jahres geht es in Sachen Milchpreis wieder aufwärts."

Freilich seien auch neue Märkte gefordert. Die Einführung der Milchquote sei ein Schuss ins Knie gewesen, forderte Felßner die ersatzlose Streichung. Freilich räumte er ein, auch kein Patentrezept zu haben, wie der Milchpreis wieder auf 50 Cent klettern könnte. "Aber wir kämpfen weiter um einen vernünftigen Preis für unsere Milchbauern."

In der anschließenden Diskussion wurde von den Landwirten Kritik laut. Viele Bauern hätten investiert und kämen mit dem aktuellen Milchpreis kaum noch über die Runden. Felßner hoffte, dass die Berufskollegen dabei nicht mit zu hohen Beträgen kalkuliert haben. "Wir haben jetzt die zwei besten Milchwirtschaftsjahre hinter uns, da muss ich mir auch etwas zurücklegen, für Jahre, die nicht so gut sind."

Felßner erzählte von seinem eigenen Hof. "Wir hatten früher zehn Kühe, heute habe ich 120 zu Hause. Aber ich habe immer noch alles selber in der Hand." Abschließend forderte er eine offensive Vermarktung der bayerischen Milch. "Wir brauchen neue Märkte.". Kreisbäuerin Christa Söllner und Ely Eibisch verabschiedeten den Gast mit einem Korb regionaler Spezialitäten.
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