Ohne Hürden durch die Stadt

Architekt Erwin Wenzl (rechts) im Gespräch mit Bürgermeister Roland Grillmeier (links) und 3. Bürgermeister Ernst Bayer. Bild: jr
Lokales
Mitterteich
05.12.2014
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Mitterteich verfügt über eine überdurchschnittliche Infrastruktur und alle Einrichtungen, die eine Kleinstadt braucht - so sieht es Architekt Erwin Wenzl. Nachholbedarf gibt es aber bei der Barrierefreiheit. Wo Veränderungen notwendig sind, erläuterte er jetzt im Josefsheim.

Bürgermeister Roland Grillmeier ging zu Beginn der Infoveranstaltung auf das Sonderförderprogramm "Bayern barrierefrei 2023" ein. Mitterteich sei eine von 16 Musterkommunen und wolle dazu ein Maßnahmenpaket umsetzen. Das dreijährige Projekt "Inklusion am Beispiel der VG Mitterteich" sei einer der Gründe für die Aufnahme ins Sonderprogramm gewesen.

Prioritäten setzen

Sechs Arbeitsgruppen mit über 80 Mitwirkenden hätten sich sehr engagiert und viele neue Aspekte aufgezeigt. "Wenn ich jetzt durch die Stadt gehe, sehe ich vieles mit anderen Augen." Es sei klar, dass man nicht alles umsetzen könne, daher werde man Prioritäten setzen. In diesem Zusammenhang forderte er den Freistaat Bayern auf, die beteiligten 16 Kommunen auch entsprechend finanziell auszustatten. Sein abschließender Dank galt der Lebenshilfe: "Ohne ihren Einsatz wären wir jetzt nicht Musterkommune."

Lebenshilfe-Vorsitzender Karl Haberkorn erinnerte daran, dass Menschen mit Behinderung nicht benachteiligt werden dürfen. Dies sei schon vor 20 Jahren im Grundgesetz festgehalten und später durch eine UN-Konvention bestätigt worden. Laut Haberkorn leben in Deutschland 9,7 Millionen Menschen mit Behinderungen. "Barrierefreiheit ist ein Teil des Sozialstaates", sagte Haberkorn und sicherte bei der Umsetzung die Unterstützung der Lebenshilfe zu. Oft seien nur kleine Investitionen nötig, um ein Ziel zu erreichen.

Ausdehnung auf Landkreis

Lebenshilfe-Geschäftsführer Berthold Kellner stellte das Wirken der sechs Arbeitsgruppen vor. "Ziel all unserer Arbeit ist es, die Menschen mit Behinderung teilhaben zu lassen an unserer Gemeinschaft. Mitterteich hat als soziale Stadt ein Alleinstellungsmerkmal im Landkreis." Kellner informierte, dass die Ergebnisse der Arbeitsgruppen in die Planungen des Architekten eingeflossen seien. Abschließend erinnerte Kellner an das Folgeprojekt - die Ausdehnung der Inklusion auf den ganzen Landkreis. Vereine und Verbände seien zur Mitarbeit aufgefordert.

Ganze 70 Minuten nahm sich Architekt Erwin Wenzl Zeit, um seine Planungen vorzustellen. Er stellte klar, dass es nicht möglich sein werde, alle 1200 Gebäude, 120 Straßen und 80 Kreuzungen barrierefrei zu machen. Allerdings könnten Schwerpunkte gesetzt werden. Das Verkehrsnetz bezeichnete Wenzl als gut, lediglich die Gehwegbreite solle vergrößert werden. Seiner Ansicht nach sollte ein Gehweg mindestens 1,80 Meter breit sein.

Für bauliche Veränderungen an öffentlichen Gebäuden würden rund 700 000 Euro fällig. Darin enthalten seien Maßnahmen am Rathaus, in Sport- und Freizeiteinrichtungen sowie an den Schulen. Für einen barrierefreien Ausbau von Straßen und Gehwegen, die Absenkung von Bordsteinen und die Schaffung von Signalanlagen würden Kosten in Höhe von etwa einer Million Euro anfallen. Darin noch nicht enthalten seien Ausgaben für barrierefreies Wohnen. Freilich sei hier auch privates Engagement gefordert. Vorgehen müsse die Stadt Schritt für Schritt. "Alles auf einmal ist gar nicht zu schaffen."

Bürgermeister Grillmeier machte deutlich, dass 1,80 Meter breite Gehwege nicht machbar seien. Idealvorstellungen wie diese ließen sich nicht umsetzen, man müsse sich auf das Machbare konzentrieren. Die angesprochenen Projekte sollen nun im Laufe der nächsten Jahren angepackt werden, wobei zu jedem einzelnen noch der Stadtrat zu beraten habe.

Rücksichtsvolles Parken

3. Bürgermeister Ernst Bayer bat Autofahrer, beim Parken darauf zu achten, dass auf den Gehsteigen noch genug Platz für Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren bleibt. "Und an den Einkaufsmärkten bitte immer die Behindertenparkplätze für die wirklich Behinderten frei lassen."

Die Pläne von Erwin Wenzl hängen seit Mittwoch im ersten Obergeschoss des Mehrgenerationenhauses und können dort von der Bevölkerung eingesehen werden. Über das Maßnahmenpaket, darunter Veränderungen am Marktplatz, wird der Stadtrat in öffentlicher Sitzung am Montag, 15. Dezember, entscheiden.
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