Partnerklasse die Lösung?

Bildungs-Staatssekretär Georg Eisenreich (Mitte) besuchte das Förderzentrum Mitterteich. Hier im Gespräch mit (von links) Lebenshilfe-Vorsitzendem Karl Haberkorn, MdL Tobias Reiß, Lebenshilfe-Geschäftsführer Berthold Kellner und Bürgermeister Roland Grillmeier. Bild: jr
Lokales
Mitterteich
29.12.2014
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Seit fast vier Jahren mit großem Erfolg praktiziert, läuft das Projekt "Tandemklasse" mit Ende des Schuljahres aus. Wie es dann mit der Inklusion im Schulbereich weitergeht, ist noch offen.

Aktuell besuchen 71 Schüler das Förderzentrum. "Wir arbeiten seit neun Jahren erfolgreich mit der Grundschule zusammen", berichtete Rektor Uli Sommer im Gespräch mit Bildungs-Staatssekretär Georg Eisenreich. Allerdings: "Wir bekommen kaum noch Schulanfänger", klagte der Schulleiter.

Lebenshilfe-Vorsitzender Karl Haberkorn berichtete von der sehr erfolgreichen Tandemklasse, die sechs Förder- und zwölf Grundschüler besuchen. Letztere wechseln an weiterführende Schulen. "Wie geht es dann weiter?" Auch die Tochter von Bürgermeister Roland Grillmeier ist in dieser Klasse. "Vom sozialen Miteinander haben alle profitiert."

Grillmeier setzte sich dafür ein, dass die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Grundschule und der Lebenshilfe fortgesetzt wird. "Die jetzt gesammelten Erfahrungen dürfen nicht ungenutzt bleiben." Der Bürgermeister betonte, dass die Stadt die Grundschule sanieren und barrierefrei gestalten wolle. Lebenshilfe-Geschäftsführer Berthold Kellner hoffte auf Planungssicherheit, wie es mit den Schülern mit Handicap weitergeht. "Die Eltern drängen uns schon."

Staatssekretär Georg Eisenreich wusste von der Problematik, sein Dank galt beiden Schulen und der Stadt für die gelebte Inklusion. Für Georg Eisenreich gab es die Möglichkeit, an der Mittelschule eine Tandemklasse zu gründen. "Aber dafür brauchen wir einen Antrag der Mittelschule." Weiter konnte er sich eine Einzelinklusion an einer Regelschule vorstellen. Oder der Schüler wechselt an ein Förderzentrum. Das Ziel der Inklusion freilich sei klar, allen Schülern den Weg zu einer Regelschule zu öffnen.

Eisenreich freute sich, dass die Inklusion bayernweit so gut angenommen wird. "Wir sind weiter vorangekommen, als zunächst gedacht." Der Staatssekretär forderte die Kommunen zur weiteren Mitarbeit auf, um zum Beispiel für Barrierefreiheit zu sorgen. Freilich sei dies eine "Wahnsinnsaufgabe".

Ludwig Spreitzer schilderte die Inklusion aus Sicht des ländlichen Raums. Aus der Tandemklasse wechselten die zwölf Regelschüler an weiterführende Schulen "und die sechs Förderschüler stehen im Regen". Spreitzer bedauerte, dass nach derzeitiger Sicht kein Schüler im Förderzentrum Mitterteich bleibe. "Aber die Schüler kommen aus dem ganzen Landkreis und der Elternwille hat Vorrang." Spreitzer zog als Fazit, dass eine Tandemklasse im ländlichen Raum eher schwierig sei. "Ich tendiere mehr zu einer Außenklasse", sagte der ehemalige Schulamtsdirektor.

"Eine Grundschule ist halt nun mal nach vier Jahren zu Ende", antwortete Georg Eisenreich. "Die Frage ist doch, kann die Mittelschule eine Tandemklasse einrichten oder gibt es einen Weg zum Förderzentrum?" Grundschulrektorin Renate Zuber bedauerte die schlechte personelle Ausstattung. Eine Einzelinklusion sei deshalb kaum durchführbar. Dagegen sei eine Tandemklasse pädagogisch sehr gut versorgt. In die gleiche Kerbe hieb Mittelschul-Rektorin Gisela Kastner. Georg Eisenreich versicherte abschließend, sich der Thematik anzunehmen und Lösungen anzubieten. Ins Gespräch brachte er unter anderem auch eine Art Partnerklasse.
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