Quer durch die Epochen

Lokales
Mitterteich
21.05.2015
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Stehende Ovationen gab es jetzt in der Mitterteicher Stadtpfarrkirche: Dort sorgten der Chor "Music & More" und der junge Organist Florian Löw mit einem geistlichen Konzert für Begeisterung.

"Bleib bei uns" lautete der Titel des Konzerts - und dem kamen die Zuhörer gerne nach. Am Ende wollten sie erst nach einer Zugabe die Kirche verlassen.

Wer den Namen "Music & More" hört, mag zunächst an moderne Pop-Songs, Band-Begleitung und Choreographien denken. Doch das Ensemble möchte allen chormusikalischen Genres gerecht werden und spannt den Bogen von Volksliedern über Musicals bis hin zu klassischen geistlichen Stücken.

Mesnerin Helga Weiß hieß die Zuhörer eingangs willkommen und bemerkte: "Music & More - tut gut im Ohr." Und so sollte es auch kommen. In vier Blöcken, die nach Themengebieten sortiert waren - Bitte und Vergebung, Lobpreis, Maria sowie Lobpreis und Gebet - reiste der Chor mit dem Publikum a cappella durch mehrere Jahrhunderte der geistlichen Chormusik. Sprünge zwischen den Epochen machten den Abend abwechslungsreich und kurzweilig.

Zwischen den Blöcken zeigte Florian Löw aus Plößberg sein Können an der Orgel. Wohl ausgesucht waren seine beiden Präludien mit Fugen aus ebenfalls unterschiedlichen Epochen, ein Rondo und ein "Marche Triomphale" über "Nun danket alle Gott". Federleicht huschten Löws Finger und Füße über Tasten und Pedal, auch seine freie Improvisation zeugte von musikalischem Gespür.

Schuldbewusst und flehend

Die Chorstücke aus der Renaissance glänzten durch vollen weichen Klang sowie passende Betonungen und Phrasierungen. Und obwohl in derselben Epoche entstanden, klangen "Dixit Maria" (Hans Leo Hassler) und "Call To Remembrance" (Richard Farrant) doch gänzlich unterschiedlich. Auch aus dem Barock waren Werke zu hören. Das fugierte "Miserere mei" (Antonio Lotti) trug der Chor so schuldbewusst und flehend vor, dass auch die Zuhörer in stille Andacht verfielen.

Die Werke moderner Komponisten ließen aufhorchen. John Rutter lässt bei "Open Thou Mine Eyes" den Sopran alleine mit der Melodie beginnen, was dieser gefühlvoll meisterte. Dann stimmten Mezzosopran und Alt mit in den Frauenchorklang ein, ehe sie vom Männerchor mit einer ganz anderen Melodie abgelöst wurden und alle dann gemeinsam das Sopranthema aufnahmen. Das polnische "Dzienki Ci, Panie" (Pawel Bebenek) hingegen entführte in eine andere Welt. Slawische Klänge mit einer Strophe im Psalmformat erschienen dem Zuhörer fremd, aber wohltuend anders.

Am wohlsten fühlt sich "Music & More" offensichtlich in der Romantik. Sichtlich mit Freude wogen sich die Sängerinnen und Sänger in den unterschiedlichen spannungsreichen Harmonien, sangen je nach Text einmal zart, traurig, fröhlich, flehend, fordernd und einmal kraftvoll preisend. Die unterschiedliche dynamische und die musikalische Gestaltung ließ eine Atmosphäre entstehen, die manchem Zuhörer eine Gänsehaut über den Rücken trieb.

Dabei hatte Chorleiterin Kathrin Filbinger wahrlich keine einfachen Stücke ausgesucht. Sowohl "Jauchzet dem Herrn alle Welt (Mendelssohn), "Herr, ich schrei zu dir" (Moritz Hauptmann), "Bogoroditse Djevo" (Rachmaninov), und das Abendlied "Bleib bei uns" (Josef Rheinberger) waren zu hören. Jeder Aktive hatte aber sichtlich Spaß daran, alle geprobten Kleinigkeiten im Konzert umzusetzen.

Kathrin Filbinger will ihrem Chor nicht nur Spaß am Singen vermitteln, wie sie erläutert. Sie arbeite an einzelnen Phrasen solange, bis das Ergebnis wirklich überzeuge. Dabei werde der Chor zwar bis aufs Äußerste gefordert, aber auch gefördert.

Zwei weitere Termine

Wer das geistliche Konzert versäumt hat, kann den Besuch nachholen: Am 20. September in der Alten Kirche in Waldershof oder am 8. November in der katholischen Kirche Plößberg, jeweils um 17 Uhr.
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